Das Naturschutzverfahren für die Schladminger Talbachklamm läuft. Bürgerinitiative blitzt bei Gemeinderat für Mitfinanzierung eines Gutachtens ab.
Der Verbund betreibt ein Wasserkraftwerk am Fuße der Talbachklamm in Schlad ming. Das Wasser wird ...
Das Naturschutzverfahren für die Schladminger Talbachklamm läuft. Bürgerinitiative blitzt bei Gemeinderat für Mitfinanzierung eines Gutachtens ab.
Der Verbund betreibt ein Wasserkraftwerk am Fuße der Talbachklamm in Schlad ming. Das Wasser wird rund 150 Meter oberhalb des Klammausgangs über einen Stollen zum Krafthaus ausgeleitet. Der Energiebetreiber möchte die energetische Nutzung des Baches ausweiten. Gleichzeitig hat die Kapsch Holding ihr Interesse bekundet, ebenfalls ein Kraftwerk errichten zu wollen. Möchten zwei Projektwerber den selben Abschnitt nutzen, sieht das Gesetz ein sogenanntes Widerstreitverfahren vor. Dort gilt es zu ermitteln, welches Vorhaben „dem öffentlichen Interesse besser dient“. Die Verhandlung dazu fand am 5. August 2024 statt. Eine Entscheidung gibt es bislang noch nicht.
Vorläufiger Schutz
In Schladming wehrt man sich gegen einen weiteren Ausbau des Talbaches. Es würde ein wertvolles Naherholungsgebiet zerstört werden, heißt es. Die Stadtgemeinde regte die Überprüfung an, ob die Klamm als Naturdenkmal schutzwürdig ist. Ein Amtssachverständiger kam im Jänner zu dem Ergebnis, dass es für Teile der Klamm Ansätze gebe. Daraufhin wurde ein vorläufiger Schutz von zwölf Monaten schlagend. Grundeigentümer ließen Gegengutachten erstellen, die zu einem anderen Ergebnis als der Amtssachverständige kamen. Nun folgt eine Ergänzungsbegutachtung seitens der Behörde, erst danach kann weitergearbeitet werden.
Weiteres Gewicht in der Waagschale
Um dem Naturschutz ein zusätzliches Gewicht zu verleihen, möchte die Bürgerinitiative Wilde Wasser Enns-Talbachklamm ein eigenes Gutachten beauftragen. Man hat Fachleute der Universität Graz kontaktiert, die gemeinsam mit einem Team der BOKU Wien eine Expertise abgeben können. Kostenpunkt: 15.000 Euro. Die Bürgerinitiative bat die Stadtgemeinde um die Übernahme der Hälfte der Kosten. Ohne den Stimmen der ÖVP und FPÖ wurde der Antrag jedoch abgelehnt.
Fehlende Mehrheit
Vizebgm. Lukas Seyfried (ÖVP) sagt: „Bei der Unterschutzstellung geht es nicht um den Talfluss, sondern um den Gegenhang. Der befindet sich in Privatbesitz und da kann man nicht einfach drüberfahren.“ Außerdem hätte ein Naturdenkmal an dieser Stelle wohl keine Auswirkungen auf einen Kraftwerksbau. Eva-Maria Kroismayr-Baier von der FPÖ sieht keine Notwendigkeit, ein eigenes Gutachten erstellen zu lassen. „Wir haben vollstes Vertrauen in die Behörden und die haben eigene Sachverständige. Außerdem ist die Einspruchsfrist vorbei“, gibt sie zu bedenken. Bürgermeister Hermann Trinker (Liste Schladming) setzte sich schon in der Zeit vor der Gemeindefusion für den Schutz der Talbachklamm ein. Ein zusätzliches Gutachten könnte helfen „Schaden von Schlad ming abzuwenden“, meint er. Trinker nimmt den gescheiterten Beschluss notgedrungen zur Kenntnis: „Mir sind die Hände gebunden, es gibt keine Mehrheit im Gemeinderat.“
Rechtlich verwertbar?
Geschlagen gibt sich die Bürgerinitiative nicht, selbst wenn „ein bedeutender Schritt zum Schutz dieses einzigartigen Naturjuwels versäumt wurde“, sagt Obmann Franz Zefferer. Nun versucht man das fehlende Geld über Spendengelder aufzutreiben. Der Expositurleiter der Bezirkshauptmannschaft in Gröbming, Michael Schachner, hält sich vage, wie mit einer zusätzlich eingebrachten Expertise umgegangen wird: „Sollten noch Gutachten vor Abschluss des Verfahrens einlangen, werden wir prüfen, ob sie in diesem Verfahren rechtlich noch verwertbar sind oder nicht.“ Ein weiteres externes Gutachten ist also nicht erforderlich, könnte aber in die Bewertung einfließen. Ob der Naturschutz Auswirkungen auf den Kraftwerksbau haben wird, prüft die Behörde erst, wenn feststeht, welches Projekt seine Pläne weiterverfolgen darf. Bis dahin wird noch viel Wasser durch die Talbachklamm fließen.