Green Care: Eine Verbindung von Landwirtschaft und gesellschaftlicher Innovation
10.04.2026 Junges EnnstalInnovation in der Landwirtschaft bedeutet mehr als neue Maschinen oder Produktions- und Arbeitsweisen zu entwickeln. Innovation in der Landwirtschaft bedeutet auch über den Tellerrand hinauszublicken und Themen wie Inklusion, Soziales und Bildung zu integrieren.
...Innovation in der Landwirtschaft bedeutet mehr als neue Maschinen oder Produktions- und Arbeitsweisen zu entwickeln. Innovation in der Landwirtschaft bedeutet auch über den Tellerrand hinauszublicken und Themen wie Inklusion, Soziales und Bildung zu integrieren.
Bei dieser Verschiebung und Erweiterung der Grenzen setzt Green Care an und nimmt somit eine Vorreiterrolle innerhalb der Diversifizierung ein. In Österreich gibt es circa 140 Green Care zertifizierte Betriebe und jeder Hof ist auf seine Art besonders und einzigartig. Es gibt Bauernhöfe, die Projekte mit Menschen mit Behinderung über tiergestützte Therapieangebote anbieten, Bauernhofkindergärten, genauso wie Senioren-WGs, Tageszentren oder andere gesundheitsfördernde Projekte am Hof. Von außen sind die Höfe daher meist unterschiedlich, aber sie haben eine Gemeinsamkeit: der Bauernhof mit all seinen Ressourcen und Tieren wird neu und mit pädagogischen, sozialen, gesundheitlichen und inklusiven Bereichen verbunden. Laut Green Care ist dafür eine Verschiebung der Funktionen essenziell notwendig. Beispielsweise kann ein Nutztier Teil der Produktion sein, aber ausgebildet kann ein Nutztier zum Therapietier werden und im tiergestützten Rahmen Menschen bei ihrer Entwicklung unterstützen. Es werden praktisch Höfe und Freiflächen zu Lern- und Lebensräumen umgestaltet. Genau in dieser Umdeutung und diesem Umdenken liegt das Innovationspotenzial von Green Care. Denn Green Care wandelt den rein landwirtschaftlichen Produktionsort zu einem multifunktionalen Dienstleistungsort um und weiter. Denn es werden nicht nur Therapieplätze, Kindergartenplätze etc. geschaffen, sondern Green Care Betriebe schaffen auch viele nachhaltige Arbeitsplätze.
Die Vielfalt der Angebote der bei Green Care teilhabenden Höfe entsteht jedoch nicht durch Zufall. Projekte werden nach einer klaren Struktur entwickelt. Es lassen sich zwei Ausrichtungen unterscheiden. Einerseits Angebote für den freien Markt, dazu zählen gesundheitsfördernde Auszeiten, therapeutische Angebote und Bildungsformate. Andererseits gibt es Projekte und Leistungen, die in Zusammenarbeit mit Sozialträ- gern, Ländern und Gemeinden ins Leben gerufen werden und über öffentliche Systeme (mit)finanziert werden. Dazu werden beispielsweise Betreuungsangebote für Kinder, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung gezählt.
Ein Blick in die Praxis
Ein Teil von Green Care ist der Impuls-Hof von Rupert Hobl und Renate Höfler in Stössing. Dort befindet sich eine Green Care Privatschule. Diese richtet sich gezielt an Kinder mit besonderem Förderbedarf und unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen. Es gibt altersübergreifende kleine Lerngruppen und es wird praxisnah viel bei der direkten Arbeit am Hof gelernt, denn Tiere und natürliche Abläufe geben den Kindern Struktur und fördern die sozialen Kompetenzen und das Selbstvertrauen.
Einen weiteren individuellen Ansatz kann man am Biohof von Petra und René Inkret in Kärnten finden. Sie legen den Fokus auf die Verbindung von Kunst und verschiedenen Gesundheitsangeboten mit der Landwirtschaft. Es werden Backkurse, Keramikworkshops oder auch mehrtägige Retreats inklusive Yoga-Einheiten und tiergestützten Aktivitäten angeboten. Teilnehmer/innen arbeiten am Hof und im Atelier mit und es geht bei diesen Angeboten meistens um die Entschleunigung des Alltags.
Ein weiteres Beispiel ist der Lilienhof von Herbert Wechselberger in Tirol. Denn dieser Bauernhof wurde zu einem Therapiezentrum weiterentwickelt. Der Verein „Schritt für Schritt“ arbeitet mit diesem Hof gemeinsam daran, Kinder und Jugendliche mit mehrfacher Behinderung zu einem möglichst selbstständigen Leben zu verhelfen. Ein im Fokus stehendes Konzept ist hierbei die konduktive Förderung nach Petö. Dabei werden das Lernen, die Therapie und der Alltag ineinander verbunden und greifen ineinander über.
Alle Menschen die ein Teil von Green Care sind, zeigen, dass Innovation in der Landwirtschaft und Mut zur Veränderung einen großen sozialen Mehrwert schafft.
Christina Gösweiner

