Glasfaser: Streit um Anschluss landet bei Volksanwalt
16.01.2026 RegionalesIn Selzthal entsteht ein Glasfasernetz. Einer, der jedoch keinen Anschluss erhalten soll, ist Peter Reichmann. Der Fall wird nun von der Volksanwaltschaft behandelt.
Im Bezirk Liezen wird der Glasfasernetzausbau durch die RML Infrastruktur GmbH weiter ...
In Selzthal entsteht ein Glasfasernetz. Einer, der jedoch keinen Anschluss erhalten soll, ist Peter Reichmann. Der Fall wird nun von der Volksanwaltschaft behandelt.
Im Bezirk Liezen wird der Glasfasernetzausbau durch die RML Infrastruktur GmbH weiter vorangetrieben. Rund 55.000 Anschlüsse sollen in 29 Gemeinden realisiert werden. Auch die Gemeinde Selzthal zählt zum Ausbaugebiet. Dort hat im April 2024 eine Infoveranstaltung zu diesem Thema im Mehrzwecksaal stattgefunden, die auch der in Selzthal wohnhafte Peter Reichmann besucht hat. „Bei dieser Veranstaltung wurde gesagt, dass jeder einen Glasfaseranschluss bekommt“, erinnert sich Reichmann, der nun, fast zwei Jahr später, die Volksanwaltschaft eingeschalten hat, um zu einem Glasfaseranschluss zu kommen. Das Problem: Die Gemeinde Selzthal verlange eine vollflächige Wiederherstellung der Asphaltdecke jener Straße, die für die Glasfaserverlegung zu seinem Grundstück aufgegraben werden würde. Dies sei für die RML Infrastruktur GmbH jedoch finanziell nicht darstellbar, fasst Reichmann den Grund zusammen, weshalb bislang keine Grabungen bis zu seinem Grundstück stattgefunden haben.
Setzungsschäden befürchtet
Auf Anfrage des „Ennstalers“ begründet Selzthals Bürgermeisterin Andrea Freisinger die Wiederherstellungskriterien der Asphaltdecke mit einer vor ein paar Jahren stattgefundenen Sanierung der Straße. Diese habe man durchgeführt, nachdem der einstige Privatweg im Jahr 2021 von der Gemeinde abgelöst worden sei. Würde nun ein lediglich schmaler Streifen des Asphalts nach den Glasfasergrabungen erneuert werden, befürchte man Setzungsschäden, da sich die Straße in einem Sumpfgebiet befinde. Mögliche Folge: eine erneut kostspielige Sanierung, die die Gemeinde Selzthal zu tragen habe, so Freisinger. Reichmann will dieses Argument jedoch nicht gelten lassen und zieht den nahegelegenen Uferweg als Vergleich heran. Diese Straße sei sehr wohl aufgegraben worden, obwohl sie ebenso zuvor saniert worden sei, so Reichmann. Selzthals Bürgermeisterin kontert: Zum einen sei der Uferweg zu einem früheren Zeitpunkt saniert worden und zum anderen herrsche dort ein Fahrverbot für LKWs und PKWs. Damit sei die Straße einer geringeren Belastung ausgesetzt als jene, in der Reichmann wohne.
Keine Grabung über Nachbargrundstücke
Bürgermeisterin Andrea Freisinger habe ihm sowohl telefonisch als auch bei einem persönlichen Treffen den Glasfaseranschluss zugesagt, lautet Reichmanns Vorwurf. Auf Nachfrage des „Ennstalers“ sagt die Bürgermeisterin, dies sei zwar richtig, doch zu diesem Zeitpunkt sei sie davon ausgegangen, dass eine Grabung über Nachbargrundstücke möglich sei. Dies sei zwar eine Option, wie auch Reichmann bestätigt, doch die Eigentümer jener Grundstücke, über die die Glasfaserleitung für Peter Reichmann verlegt werden hätte können, haben ihre Einwilligung nicht erteilt. Einer der Nachbarn benötige keinen Anschluss, der andere befürchte eine negative Strahlung, so Reichmann. Dabei wäre gerade in seinem Fall eine stabile Internetverbindung essenziell, wie Reichmann sagt. Denn als Rollstuhlfahrer würden ihm Onlineshopping und Telebanking weite Wege ersparen. Gerade jetzt im Winter. Darüber hinaus habe er geringere Aussichten auf einen Job mit Homeoffice, da Videokonferenzen mit der derzeitigen Internetverbindung nicht durchführbar seien.
Volksanwaltschaft übernimmt Fall
Der Fall Reichmann sorgt für Aufsehen. Nachdem er sich an die Volksanwaltschaft gewandt hat, wurde das Hickhack rund um seinen Glasfaseranschluss auch vom ORF aufgegriffen und am 10. Jänner in der Sendung „Bürgeranwalt“ ausgestrahlt. Und wie geht‘s nun weiter? Die Gemeinde Selzthal werde eine Aufforderung der Volksanwaltschaft erhalten, diese sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung meiner Person aufzuheben, informiert Reichmann über das weitere Geschehen. Bürgermeisterin Andrea Freisinger versichert: „Wir wollen Peter Reichmann keinesfalls benachteiligen.“ Sie spricht von unterschiedlichen Sichtweisen und Herangehensweisen, ein Problem zu lösen.
