Glasfaser: Geschäftsführer nimmt den Hut
03.04.2026 RegionalesGeschäftsführer Philipp Röhm verabschiedet sich nach exakt einem Jahr von der RML Infrastruktur GmbH. Investor Meridiam steht „voll hinter dem Ausbau“. In Rottenmann und Liezen nähert man sich einer Einigung, Sölk schaltet die Gemeindeaufsicht ...
Geschäftsführer Philipp Röhm verabschiedet sich nach exakt einem Jahr von der RML Infrastruktur GmbH. Investor Meridiam steht „voll hinter dem Ausbau“. In Rottenmann und Liezen nähert man sich einer Einigung, Sölk schaltet die Gemeindeaufsicht ein.
Nach der Winterpause haben die Baufirmen die Arbeiten am Glasfasernetzausbau für den Bezirk Liezen wieder aufgenommen. Während die Grabungstätigkeiten fortgeführt werden, gibt es Änderungen im Management der RML Infrastruktur GmbH. Geschäftsführer Philipp Röhm verließ mit 1. April auf eigenen Wunsch das Unternehmen. Seine Kündigung habe „nichts mit dem Projekt zu tun“, betont Röhm auf Anfrage des „Ennstalers“. Ab sofort übernehmen Philipp Dorrer und Irnes Music, zwei bereits etablierte Führungskräfte innerhalb des Unternehmens.
Neue Segel gesetzt
Nach einem durchwachsenen Start übernahm Philipp Röhm vor exakt einem Jahr die Geschäftsführung und brachte den Glasfaserausbau neu auf Kurs. Es galt, Schäden auszubessern und Mängel zu beseitigen. Ausführende Baufirmen wurden getauscht und die Bauaufsicht aufgestockt. Später einigte man sich in der Regionalversammlung auf eine Anpassung des Zeitplans – der avisierte Fertigstellungstermin rückte um 18 Monate nach hinten. Mit Juni 2028 soll das 200-Millionen-Euro-Projekt abgeschlossen sein. Auch beim Budget musste nachjustiert werden, denn aufgrund der Sanierungen und anderer Leistungspartner entstanden Mehrkosten in der Höhe von rund 30 Millionen Euro. Für diese Aufstockung muss der Investor aufkommen, denn die Bundesförderung für den Bezirk aus der Breitbandmilliarde in der Höhe von 90 Millionen Euro erhöht sich dadurch nicht. Mehrheitseigentümerin ist Meridiam, ein global tätiger Infrastrukturerrichter, gemeinsam mit Alpen Glasfaser (T-Mobile). Die Gemeinden des Bezirks Liezen halten 10 Prozent, sind aber von einer finanziellen Beteiligung ausgenommen.
Ausbau „mit Licht im Rücken“
Bereits seit Beginn vertritt Christoph Meurer als Geschäftsführer die Interessen des Investors Meridiam. „Meurer war in den letzten Wochen selbst vor Ort und hat sich vom Fortschritt überzeugt“, sagt der Vorsitzende des Regionalmanagements Liezen (RML), NAbg. Albert Royer. „Der Investor steht voll hinter dem Ausbau und will ihn zu einem guten Ende bringen.“ Die Anschlussquoten sind noch weit hinter den Erwartungen. Ursache ist vor allem die fehlende Durchgängigkeit: Viele Kabel sind zwar verlegt, können aber noch kein Internet liefern. Aktuell surfen über 1000 Haushalte im Glasfasernetz, Verkabelungen gibt es allerdings zu 24.000 Anschlusspunkten. „Zu Beginn wurde kreuz und quer gebaut, jetzt immer ‚mit dem Licht im Rücken‘. Das heißt, mit dem Kabel kommt jetzt auch das Internet“, so Royer. Insgesamt habe das Projekt einige Sorgen bereitet und es habe zwei, drei Krisensitzungen gebraucht. Nun sei man aber endgültig auf einem guten Weg, sagt der RML-Vorsitzende.
Unterstützung von Gemeindeaufsicht
Das sieht man in der Gemeinde Sölk ein wenig anders. Bürgermeister Werner Schwab ist mit der Herangehensweise alles andere als zufrieden. „Vereinbarungen werden einfach nicht gehalten“, beschwert er sich. Schon vor einem Jahr wurden in der Kleinsölk die Straßen aufgefräst. „Uns wurde versprochen, dass noch vor dem erhöhten Verkehrsaufkommen im Sommer (2025, Anm.) die Asphaltdecke wiederhergestellt sein wird. Das Kabel ist zwar verlegt, doch die Straße ist noch immer offen. Nach jedem Regen können wir die Schlaglöcher im Schotter ausbessern“, ärgert sich der Bürgermeister. Fünf-, sechsmal habe man die falsche Information vom RML an die Bürger weitergegeben. „Schön langsam verlieren wir die Glaubwürdigkeit“, so Schwab. Zudem vermutet er, dass gewisse Ortsgebiete bewusst ausgespart werden, um Kosten zu sparen. Schwab wird demnächst die Gemeindeaufsicht des Landes Steiermark einschalten. Die eigene Bauabteilung der A7 soll ins Qualitätsmanagement eingebunden werden. Er erhofft sich, dass sich dadurch die Wiederherstellung seiner Straßen beschleunigt.
Kompromisse und Szenarien
Nach längerem Ringen nähert man sich auch in der Bezirkshauptstadt Liezen einer Lösung. Bei der Sitzung am vergangenen Dienstag legte der Gemeinderat die Rahmenbedingungen dafür fest. „Wir wollen das Glasfaser-Internet. Gleichzeitig müssen wir auf unsere Straßen schauen“, sagt Bürgermeisterin Andrea Heinrich. Ein Kompromiss seitens der Stadt Liezen liege am Tisch, nun sei die RML Infrastruktur am Zug, ob das Angebot angenommen werde. So weit ist man in Rottenmann noch nicht, doch es sind Gespräche in den nächsten Wochen geplant, verrät Bgm. Günter Gangl. In bestimmten Ortsteilen gibt es bereits ein Glasfasernetz, das sich im Eigentum der Städtischen Betriebe befindet. Nun gilt es, Lösungsansätze zu erarbeiten, die einen Ausbau und zukünftige Eigentumsverhältnisse des Netzes klären.

