Unbesetzte Kassenstellen, lange Wartezeiten, weite Anfahrtswege: In puncto Gesundheitsversorgung sieht die SPÖ den Bezirk Liezen als benachteiligt. Ein gemeinsames Schreiben eines Arztes und einiger Bürgermeister an den steirischen Gesundheitslandesrat blieb bislang ...
Unbesetzte Kassenstellen, lange Wartezeiten, weite Anfahrtswege: In puncto Gesundheitsversorgung sieht die SPÖ den Bezirk Liezen als benachteiligt. Ein gemeinsames Schreiben eines Arztes und einiger Bürgermeister an den steirischen Gesundheitslandesrat blieb bislang unbeantwortet.
Ein bezirksweiter Blick auf die Kassenstellen zeigt ein tristes Bild: Von 43 Hausarztstellen sind nur 39 besetzt. SPÖ-Nationalratsabgeordneter Mario Lindner kritisiert: Obwohl 20 der 39 Ärztinnen und Ärzte bereits über 55 Jahre alt seien, sehe er keine erkennbaren Vorbereitungen, die einen nahtlosen Übergang ohne Versorgungslücke garantieren würden. Eine ähnliche Situation zeige sich im Bereich der Fachärztinnen und Fachärzte: 10 von 26 Zahnarztstellen im Bezirk Liezen seien derzeit unbesetzt. Dass in Gröbming vor eineinhalb Jahren eine Zahnärztin gefunden werden konnte, habe man allein dem Engagement der Gemeinde zu verdanken, sagt Bürgermeister Thomas Reingruber, doch „das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe, sondern die des Landes“, lautet sein Appell Richtung Gesundheitslandesrat. Um Karlheinz Kornhäusl auf Missstände im Bezirk aufmerksam zu machen, habe Reingruber gemeinsam mit anderen Bürgermeistern des Bezirkes ein Schreiben des Allgemeinmediziners Franz Ploder aus Stein an der Enns unterzeichnet. Seither seien bereits einige Monate vergangen. Eine Antwort des Gesundheitslandesrates habe man bislang jedoch nicht erhalten.
Aufholbedarf im Rettungsdienst
Zwar habe Österreich noch immer eine der besten Gesundheitssysteme der Welt, doch dieses „bekommt Risse“, warnt Lindner. Als zwei von mehreren Gründen gibt er die unterschiedlichen Zuständigkeiten sowie gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern an. Neben der Gesundheitsversorgung im niedergelassenen Bereich würden ländliche Regionen auch in puncto Rettungsdienst benachteiligt sein. Während es innerhalb von Graz, Leoben, Bruck, Kapfenberg und Weiz eine Stadtpauschale für Krankentransporte gäbe, würde die ÖGK außerhalb dieser urbanen Bereiche Kilometergeldkosten verrechnen. Dies würde Menschen aus entlegenen Orten, wie Wildalpen, besonders treffen, „da erwarte ich mir ein Eingreifen von der Politik“, fordert Lindner. Eine dementsprechende Finanzierung des Roten Kreuzes sei auch über andere Wege möglich, beispielsweise durch Einnahmen im Tourismus. Würde nur ein Euro pro Nächtigungsgast für den Rettungsdienst verwendet werden, seien das im Bezirk Liezen um die 5 Millionen Euro, rechnet Lindner vor.
SPÖ Gesundheitstour
Um über die Gesundheitsversorgung zu informieren und zu diskutieren, geht die SPÖ schon bald auf Sommertour durch den Bezirk Liezen. Auch der fehlende Notarztstützpunkt im Osten des Bezirks soll dabei angesprochen werden. Nach jahrelangen Verhandlungen mit dem Land Steiermark gebe es nun erstmals konstruktive Gespräche, schickt Lindner voraus. Als Grund dafür nennt er die drohende Schließung des Notarztstützpunktes in Waidhofen an der Ybbs, wodurch nun auch das Land Steiermark Handlungsbedarf sehe, so Lindner. Neben reichlich Gesprächsstoff hat die SPÖ auch einen Übungsdefibrilator mit auf ihrer Tour, den Interessierte aus der Bevölkerung vor Ort ausprobieren können. Denn „bei der Ersten Hilfe kann man nichts falsch machen, außer man tut nichts“, so Lindner.