Der Rechnungshofbericht über die Wirtschaftskammer stellt der Interessensvertretung kein gutes Zeugnis aus: 693 selbstständige Körperschaften und damit unkontrollierbar, dafür zwei Milliarden Euro Rücklagen, hohe Gehälter und unzählige Doppelgleisigkeiten. Das ...
Der Rechnungshofbericht über die Wirtschaftskammer stellt der Interessensvertretung kein gutes Zeugnis aus: 693 selbstständige Körperschaften und damit unkontrollierbar, dafür zwei Milliarden Euro Rücklagen, hohe Gehälter und unzählige Doppelgleisigkeiten. Das einzig positive ist, dass die neue Führung der Kammer diesen Bericht offensiv an die Öffentlichkeit gebracht hat. Sie will etwas verändern und man kann ihr dabei nur alles Gute wünschen.
Egal welcher öffentliche oder halböffentliche Bereich in Österreich beleuchtet wird, das Ergebnis wird dem der Wirtschaftskammer ähnlich sein. Es herrschen überall dieselben Probleme, unklare Zuständigkeiten, Freunderlwirtschaft und aufgeblähte Strukturen. Die Wirtschaftskammer hätte jetzt die Gelegenheit, mit positivem Beispiel voranzugehen. So wäre etwa zu überlegen, nur mehr eine Branchenvertretung je Berufsgruppe zu haben und nicht in jedem Bundesland eine. Jedenfalls scheint es realistisch, bei entsprechendem Willen die laufenden Kosten um zumindest ein Viertel zu reduzieren. Dann würden auch die Beiträge entsprechend sinken und die Wirtschaft könnte dieselben Anstrengungen auch überall anders einfordern. Und in der Verwaltung, der Gesundheit, der Sozialversicherung und in dutzenden anderen Körperschaften sind die möglichen Einsparungen schon auf Grund der viel höheren Budgets ungleich größer. Wenn hier die sinnvolle Neuverteilung von Aufgaben mit entsprechendem Sparwillen umgesetzt wird, würden zig Milliarden frei werden. Das ist zwar ein weiter und steiniger Weg, aber ein resolutes Vorgehen der Wirtschaftskammer könnte vielen Betroffenen und vor allem den Wählern die Augen öffnen.
Franz Wallig