Freie Fahrt zu den Special Olympics
13.03.2026 RegionalesDie Teilnahme an den Special Olympics stand für die Rottenmanner Judokas auf der Kippe – der Club konnte die Kosten nicht stemmen. Die Lions der Region springen ein.
Jeden Freitag stehen die Judokas in Rottenmann auf der Matte. Gestartet wird mit den ...
Die Teilnahme an den Special Olympics stand für die Rottenmanner Judokas auf der Kippe – der Club konnte die Kosten nicht stemmen. Die Lions der Region springen ein.
Jeden Freitag stehen die Judokas in Rottenmann auf der Matte. Gestartet wird mit den Jüngsten von drei bis sechs Jahren, dann sind die Sieben- bis 14-Jährigen an der Reihe und anschließend trainieren die Erwachsenen. Gegründet wurde der Club bereits 1967 und zählt heute rund 50 Mitglieder. Das Training formt Körper und Geist und funktioniert in jedem Alter. Obmann Franz Freitag trainiert selbst mit seinen 67 Jahren als Kopf des Vereins regelmäßig. Das sei auch wertvoll im Alltag, wie er sagt: „Man lernt, wie man sich bei einem Sturz gut abfängt und man lernt auch Disziplin.“ Das Besondere an dem Verein: Beim Training stehen beeinträchtigte und nicht beeinträchtigte Menschen Seite an Seite. „Der Judo-Club Rottenmann ist ein Paradebeispiel für Inklusion. Ein Wort, das in diesem Club keine Verwendung findet, da die Teilhabe von Menschen mit Behinderung hier eine Selbstverständlichkeit ist“, sagt Hans-Peter Gruber, Vater zweier Judokas.
Teilnahme drohte zu scheitern
Ende Juni finden die Special Olympics in Wien statt, zu denen sich auch der Judo-Club Rottenmann mit elf Sportlerinnen und Sportlern angemeldet hatte. Die Kosten dafür drohten der Teilnahme einen Strich durch die Rechnung zu machen. In Summe rechnet Franz Freitag mit 15.000 Euro für Unterkunft, Verpflegung und Reisekosten für elf Sportler und vier Betreuende. Knapp die Hälfte davon konnte der Verein mit Selbstbehalten und vielen kleinen Spendenbeträgen aufstellen. „Es sah ganz danach aus, dass wir die Teilnahme stornieren müssen. Das hätte mir zwar das Herz gebrochen, denn unsere Sportlerinnen und Sportler waren mit Feuereifer dabei, doch es fehlten 8000 Euro.“
Lions springen ein
Am vergangenen Dienstag gab es positive Nachrichten. Die fünf Lions Clubs des Bezirks Liezen (Liezen, Schladming, Ausseerland sowie Anasia und Leo) schlie- ßen die Lücke auf die benötigten 15.000 Euro und ermöglichen damit eine Teilnahme an den Special Olympics. „Als ich davon erfahren habe, in welchem Dilemma sich der Judo-Club befindet, habe ich mich über unseren Zonenleiter an alle Lions Clubs des Bezirks Liezen gewandt. Gemeinsam schaffen wir es, die nötige Finanzkraft aufzubringen, um hier rasch und unbürokratisch einspringen zu können und freuen uns, dass dieses olympische Erlebnis nun wahr werden kann“, sagt Bettina Gruber vom Lions Club Anasia. Die Finanzspritze kam genau zur richtigen Zeit: Nur mehr bis zum 19. März hätte sich der Judo-Club Rottenmann von der Teilnahme abmelden können. Später wären Stornogebühren entstanden.
Fokus auf Bewerbe
„Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen. Ich kann gar nicht beschreiben, was das für mich und vor allem für die Athletinnen und Athleten bedeutet“, kann Franz Freitag sein Glück kaum fassen. Beim heutigen Training werde er die frohe Kunde übermitteln, dann könne man sich auf die kommenden Bewerbe konzentrieren. Bevor es zu den Special Olympics nach Wien geht, stellen sich die G-Judokas den Österreichischen Meisterschaften am 16. Mai in Rottenmann, die Woche darauf folgt der Alpe Adria Cup in Kärnten. Mit der Teilnahme bei den Special Olympics ist der Judo-Club Rottenmann die einzige Steiermark-Vertretung in dieser olympischen Disziplin.
Große Erfolge
Die Special Olympics in Wien sind nicht der erste große Auftritt für die G-Judo-Sportler des Vereins: Viele Wettkämpfe in der Vergangenheit haben für zahlreiche emotionale Momente und Tränen bei der Preisübergabe gesorgt. Mit Sven Füg stellt der Verein sogar den amtierenden Weltmeister im Gehandicapt-Judo. Die größten Erfolge sind für Franz Freitag jedoch nicht die errungenen Medaillen: Einer seiner Schützlinge musste anfangs noch beim Gehen gestützt werden. Ihn zu sehen, dass er zunehmend körperlich kräftiger und stärker wird, sodass er sogar selbstständig über eine Treppe gehen kann, sei schon etwas Besonderes, unterstreicht er die große Bedeutung des Trainings.
