Festhalle Irdning am Scheideweg
27.03.2026 RegionalesDie Gemeindeführung drängt auf den Abriss und Neubau der Festhalle Irdning. Die Opposition fordert hingegen eine ergebnisoffene Prüfung, die auch eine Sanierung miteinbezieht. Eine ...
Die Gemeindeführung drängt auf den Abriss und Neubau der Festhalle Irdning. Die Opposition fordert hingegen eine ergebnisoffene Prüfung, die auch eine Sanierung miteinbezieht. Eine gemeinsame Arbeitssitzung soll nun die Grundlage für neue Gutachten liefern.
Die markanten Fenster und das wettergegerbte, dunkle Holz der Festhalle Irdning prägen seit vielen Jahrzehnten das Landschaftsbild. Kurz vor ihrem 100-jährigen Jubiläum könnte das Ende des Hauses besiegelt werden. „Der Prozess zieht sich schon über 15 Jahre“, sagt Bürgermeister Herbert Gugganig. Aus seiner Sicht hat das Gebäude ausgedient.
Es gibt bereits Kostenschätzungen für einen Abriss und Neubau, die sich auf knapp 6 Millionen Euro belaufen. Vonseiten des Landes Steiermark besteht eine schriftliche Zusage für Bedarfszuweisungen von etwa der Hälfte. Nun sei es an der Zeit ins Tun zu kommen, ehe die Mittel verfallen, drängt das Gemeindeoberhaupt.
Turnen und feiern
Baubeginn der ehemaligen Turnhalle war in den späten 1920er-Jahren. Neben der sportlichen Nutzung fanden dort auch kulturelle Veranstaltungen und Feste statt. Ein Lichtbildvortrag von Heinrich Harrer über die Besteigung der Eiger-Nordwand im Jahr 1938 markiert einen Meilenstein in der Geschichte. Es folgten Faschingsabende, Bälle, volkstümliche Veranstaltungen uvm. Heute ist das Gebäude nicht mehr am Stand der Zeit. Bis zu diesem Punkt sind sich alle Fraktionen im Gemeinderat einig. Die Grünen stellen schon seit mehreren Jahren infrage, ob ein Neubau einerseits zweckmäßig und andererseits finanzierbar ist.
Ansprüche ausloten
Ein Dringlichkeitsantrag bei der letzten Gemeinderatssitzung durchkreuzte die avisierte Marschroute der Gemeindeführung. Die Opposition forderte, in einer gemeinsamen Arbeitssitzung die Ansprüche an eine Veranstaltungshalle auszuloten. Auf Basis dieser Punkte sollen Gutachten in Auftrag gegeben werden, die eine Sanierung und einen Neubau bewerten. „Das wird halt dann der 25. Vergleich sein“, ätzt der Bürgermeister. Gugganig verstehe die nostalgisch verklärte Verbundenheit der Bevölkerung, schließlich habe es dort viele schöne Erlebnisse gegeben. Aus baulicher Sicht mache eine Sanierung allerdings keinen Sinn. Eine „Initiative Sanierung Festhalle Irdning“ hat Mitte März eine Petition ins Leben gerufen. Neben den Kosten für einen Neubau schwingt auch dort die emotionale Bindung an das Haus in den Kommentaren mit. Derzeit zählt die Liste über 200 Unterschriften.
Ergebnisoffene Prüfung
Federführend für die Einbringung des Antrags einer Neubewertung war Neos-Gemeinderat Julian Zach. „Grundsätzlich stehe ich einem Neubau offen gegenüber. Doch bei den alten Gutachten war eine Sanierung gar nie ein Thema. Und um eine Entscheidung für eine Investition in dieser Höhe fällen zu können, brauche ich eine fundierte Grundlage“, sagt Zach. Die Finanzierung der Festhalle soll ohne Neuverschuldung mit dem Geld aus dem Verkauf der Fischbachgründe erfolgen. Neben den Bedarfszuweisungen des Landes Steiermark liegen die finanziellen Mittel als zweckgebundene Rücklage bereit, erklärt Bürgermeister Gugganig.
Halle statt Badesee
Die Grünen stellen die Grundsatzfrage, ob Irdning überhaupt ein Veranstaltungszentrum braucht. „In der Vergangenheit hatten wir jährlich rund 30 Veranstaltungen. Knapp die Hälfte davon war für die Veranstalter kostenlos, die andere Hälfte gefördert. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf wenige tausend Euro pro Jahr“, gibt die Grüne Gemeinderätin Marion Eberhardt zu bedenken. Im Zusammenhang mit dem Verkauf des Badesees stößt ihrer Fraktion das Vorhaben besonders sauer auf. „Wir verkaufen unseren Badesee inklusive Freizeitareal, weil wir kein Geld für die Sanierung haben. Die Frage ist daher schon: Wie kann sich die Gemeinde nun eine neue Halle um mehrere Millionen Euro leisten, ohne die Möglichkeit einer Sanierung überhaupt geprüft zu haben?“, so Eberhardt.
Weitere Schritte mit neuem Bürgermeister
Die besagte Arbeitssitzung soll noch im ersten Halbjahr über die Bühne gehen, danach werden die Gutachten in Auftrag gegeben. Bis es dazu kommt, wird Bürgermeister Herbert Gugganig sein Amt in jüngere Hände legen. Sein designierter Nachfolger ist der jetzige 1. Vizebürgermeister Christoph Zeiringer.
