Kosten in der Höhe von 39 Millionen Euro und kaum Verbesserungen: Der Ausbau der B 320 durch die Bezirkshauptstadt ist abgesagt.
Trotz eines bestehenden Lkw-Fahrverbots für Transitverkehr durch das Ennstal ist die B 320 eine hochfrequentierte Ost-West-Verbindung ...
Kosten in der Höhe von 39 Millionen Euro und kaum Verbesserungen: Der Ausbau der B 320 durch die Bezirkshauptstadt ist abgesagt.
Trotz eines bestehenden Lkw-Fahrverbots für Transitverkehr durch das Ennstal ist die B 320 eine hochfrequentierte Ost-West-Verbindung zwischen der Tauern- und der Pyhrnautobahn. Auch Urlaubsgäste aus dem Osten reisen quer durch den Bezirk Liezen in Richtung Schladming an. Insbesondere zu Stoßzeiten (Saisonauftakt im Winter, Ferienbeginn) kommt es regelmäßig zu zähem Verkehr. Der gordische Knoten mit der Ampel in Trautenfels wurde mittels einer Brücke und eines Kreisverkehrs gelöst. Das größte Staupotenzial birgt der Abschnitt der B 320 in der Bezirkshauptstadt. Vier Ampelanlagen regeln den Verkehrsfluss und bei Überlastung sind Stehzeiten vorprogrammiert. Über mehrere Jahre erfolgte eine Evaluierung möglicher Verkehrskonzepte zur Entlastung von Liezen. Es gab Überlegungen für verschiedene Umfahrungsvarianten sowie einen Bestandsausbau. Vor drei Jahren wurde bekannt, dass letztere Option weiterverfolgt wird.
Anfang der Woche präsentierte das Land Steiermark die Ergebnisse einer umfassenden Studie. Kurz zusammengefasst: Es kommt zu keinem Ausbau. Laut einer Wirkungs- und Nutzen-Kosten-Analyse seien bauliche Maßnahmen „aktuell budgetär nicht darstellbar“. Die Kosten würden den potentiellen Verbesserungen unverhältnismäßig gegenüberstehen.
Ein zweistufiger Prozess startete im März 2024 und untergliederte die B 320 im Liezener Stadtgebiet in sechs Abschnitte. Schon in der ersten Stufe, der Wirkungsanalyse, stellte sich heraus, dass bauliche Änderungen an der Kreuzung Ausseer Straße (Autohaus Vogl) und bei der Auf- und Abfahrt zur Döllacher Straße wenig Sinn hätten. Für die Abschnitte der weiteren Stellen – Anbindung Einkaufszentrum Liezen (ELI)/Huemer-Kreuzung, McDonald‘s-Kreuzung, Kika-Kreuzung und Kreisverkehr Liezen-Ost (Bella Flora) – kristallisierte sich eine zusammenhängende Lösung heraus. Laut dem Konzept sollte eine Brücke über den bestehenden Kreisverkehr beim Autobahnzubringer die Fahrzeuge von und zur A 9 bringen. Der Durchzugsverkehr wäre ohne verkehrsbehindernde Abbiegemöglichkeiten bis zur Kreuzung McDonald‘s geführt worden. Auch Geh- und Radwege wurden in der Konzepterstellung mitgeplant. Laut Berechnungen hätte der Ausbau an Werktagen eine Zeitersparnis zwischen 30 und 45 Sekunden gebracht, an Sonnund Feiertagen allerdings nicht. Demgegenüber standen budgetierte Kosten in der Höhe von mindestens 39 Millionen Euro. Einzelne Änderungen hätten noch weniger Verbesserungen gebracht.
Der Prozess habe gezeigt, dass trotz hoher Investitionskosten die Verbesserungen überschaubar bleiben, sagte Verkehrslandesrätin Claudia Holzer. In Anbetracht der schwierigen budgetären Lage sowohl auf Landes- als auch auf Gemeindeebene seien in Absprache mit der Stadtgemeinde Liezen aktuell weder bauliche Maßnahmen noch weitere Planungsschritte vorgesehen. „Das Ergebnis zeigt eindeutig, dass die empfohlene Variante zwar punktuelle Verbesserungen bringen würde, diese jedoch in keinem angemessenen Verhältnis zu den dafür erforderlichen Investitionskosten stehen“, resümierte Bürgermeisterin Andrea Heinrich, „deshalb tragen wir die gemeinsame Einschätzung mit dem Land Steiermark mit, dass aktuell keine weiteren Planungsschritte für bauliche Maßnahmen gesetzt werden.“