„Ein guter Banker ist Humanist“
15.05.2026 RegionalesHerbert Kolb verabschiedet sich in den Ruhestand. An seiner Karriere habe er nie bewusst gebastelt, dennoch verlief sie steil nach oben. Nun hört er mit Zufriedenheit auf.
Er ist einer, der die Tiefen und Untiefen einer Bankorganisation kennt. Und das, obwohl er nie ...
Herbert Kolb verabschiedet sich in den Ruhestand. An seiner Karriere habe er nie bewusst gebastelt, dennoch verlief sie steil nach oben. Nun hört er mit Zufriedenheit auf.
Er ist einer, der die Tiefen und Untiefen einer Bankorganisation kennt. Und das, obwohl er nie eine Karriere auf Landesebene angestrebt hat. Seine ersten beruflichen Sporen verdiente sich Herbert Kolb in einem Reisebüro. Nach seinem Studium wollte der junge Tauplitzer in Graz bleiben und heuerte 1993 bei der Raiffeisenbank an. Er sollte erstmal das Geschäft in einer regionalen Bank kennenlernen, ehe in der Landeshauptstadt andere Aufgaben auf ihn warten würden, hieß es. Doch Kolb wollte nicht mehr weg und ist in Gröbming geblieben.
Karriere
Herbert Kolb wurde nach drei Jahren Prokurist, nach weiteren fünf Jahren Geschäftsleiter und saß wenig später im Aufsichtsrat der Raiffeisen Landesbank (RLB). Innerhalb kürzester Zeit hat er viele Funktionen im Giebelkreuz-Universum bekleidet. „Ich habe das eigentlich nicht angestrebt. Meine Geschäftsleiterkollegen haben mich gedrängt und ich habe mich der Verantwortung gestellt. Ob ich dort hin gepasst habe, müssen andere beurteilen. Für die Bank war es jedenfalls gut“, schmunzelt Kolb.
Denken
Herbert Kolb gilt als Denker und Visionär, den festgefahrene Strukturen weniger kümmern als sinnvolle Entwicklungen. „Eine Verbundbank muss schlank bleiben im Sinne der Abwicklungseffizienz. Kernthema in meiner Zeit als Funktionär war Zentralisierung oder Arbeitsplätze in der Region zu bewahren. Ich war immer ein Verfechter von Letzterem“, sagt er. Und so hat er die Interessen der regionalen Banken in Graz vertreten. Mit dieser Einstellung hat er sich nicht nur Freunde gemacht, vieles aber durchgesetzt. „Wir haben die Spielregeln zugunsten der regionalen Banken so verändert, dass sie später andere Bundesländer sogar übernommen haben“, erzählt er.
Fusion
Das Bankwesen hat Kolb immer ganzheitlich gesehen. „Finanzwirtschaft ist der Blutkreislauf der Volkswirtschaft“, sagt er. Und der solle so regional wie möglich sein. Spareinlagen aus der Region bleiben auch als Kredit im Einzugsgebiet der Bank. „Wir gehen zum Beispiel nicht am Wiener Markt und finanzieren dort Bauträger“, erklärt Kolb. Eine prägnante Wegmarke in Herbert Kolbs Ära war die Fusion mit der Raiffeisenbank Schladming im Jahr 2018. Man wollte nicht größer oder mächtiger werden, sondern die Regionalität absichern, wie er sagt: „Eine Bank muss mit ihren Kunden wachsen, sonst kannst du sie irgendwann nicht mehr betreuen“, erklärt Kolb. Nachdem Gespräche mit Admont und Öblarn nicht fruchteten, ergab sich die Möglichkeit, mit Schladming zu wachsen. „Dass der Zusammenschluss mit Öblarn nicht zustande gekommen ist, tut mir leid“, nennt Kolb einen Schönheitsfehler seiner Laufbahn, zumal er selbst in Niederöblarn wohnhaft ist. Öblarn dockte 2017 in Bad Mitterndorf an, Admont schloss sich vor zwei Jahren mit Liezen zusammen.
Bescheidenheit
Wenn man mit Herbert Kolb spricht, sitzt kein typischer Bankmanager gegenüber. Er ist vielmehr ein strategischer Philosoph mit Feingefühl und Menschenkenntnis. „Ein richtiger Banker ist Humanist“, sagt er. Kolb gibt sich bescheiden und schmückt sich nicht mit seinen Verdiensten. Auf manche Errungenschaften muss man ihn gezielt ansprechen. Den Satz „Aber das kann man nicht schreiben“, streut er mit einem verschmitzten Lächeln immer wieder ins Gespräch ein.
Zukunft
Die Jahre als Funktionär haben Zeit und Energie gekostet. Sie gingen auf Kosten der Familie und des Wohlbefindens. Das möchte Herbert Kolb in seinem Ruhestand wieder aufholen. „Ich habe in meinem Leben viel vernachlässigt. Jetzt möchte ich mehr Sport betreiben, private Kontakte pflegen und viel lesen“, lautet seine Zukunftsvision. Wenn Kolb auf seine Ära zurückblickt, sei jetzt der richtige Zeitpunkt in den Ruhestand zu treten: „Ich habe das Gefühl, dass ich inhaltlich durch bin. Wir haben viel verändert, viel bewirkt und ich höre mit Zufriedenheit auf.“ Das neue Führungstrio der Raiffeisenbank Schladming-Gröbming heißt Karl Hofer, Karl Gerhardter und – der Nachfolger von Herbert Kolb – Christian Pieberl.

