Dunkel, dunkler Eisenwurzen
20.03.2026 RegionalesSeit vergangenen Dienstag ist es offiziell: Das Naturnachtgebiet Eisenwurzen ist das erste zertifizierte Dark Sky Reserve Österreichs.
Dem Blick in den sternenklaren Nachthimmel machte das Wetter bei der Zertifizierungsfeier am vergangenen Dienstag einen Strich ...
Seit vergangenen Dienstag ist es offiziell: Das Naturnachtgebiet Eisenwurzen ist das erste zertifizierte Dark Sky Reserve Österreichs.
Dem Blick in den sternenklaren Nachthimmel machte das Wetter bei der Zertifizierungsfeier am vergangenen Dienstag einen Strich durch die Rechnung. Während eine dichte Wolkendecke die Milchstra- ße verdeckte, strahlten dafür die zahlreich erschienen Stars und Sternchen unter den Gästen, die der Ernennung des Naturnachtgebiets Eisenwurzen zur ersten Dark Sky Reserve Österreichs im Nationalpark Pavillon in Gstatterboden beiwohnten. Den „finsteren“ Abend läutete Geschäftsführer Oliver Gulas vom Naturpark Steirische Eisenwurzen mit einer Gesangseinlage von „Es wird scho glei dumpa“ ein, der wohl passendsten musikalischen Interpretation des neu entstandenen Schutzgebiets, in dessen Kernzone die Milchstraße mit freiem Auge sichtbar ist.
Unter den Top 4 Europas
Die erste Dark Sky Reserve Österreichs erstreckt sich über Teile der drei Bundesländer Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich, umfasst 20 Gemeinden und die Schutzgebiete Nationalpark Gesäuse, Nationalpark Kalkalpen, Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen, Naturpark Niederösterreichische Eisenwurzen, Naturpark Ötscher-Tormäuer und das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingbachtal. In Summe nimmt es knapp 2400 km² ein und zählt damit zu den vier größten Naturnacht-Schutzgebieten Europas. Die Vorbereitung zur Zertifizierung sei vor einigen Jahren mit der Frage eingeläutet worden: „Wo ist der dunkelste, bewohnte Ort Österreichs?“, so Admonts Bürgermeister Christian Haider in seiner Festansprache. Die Antwort: in Johnsbach, einem kleinen Bergsteigerdorf mit rund 160 Einwohnern. Damals habe man bemerkt, dass sich die Dunkelheit der Johnsbacher Nächte nicht nur positiv auf die menschliche Gesundheit und die Artenvielfalt, sondern auch auf den Tourismus auswirke, so Haider. Denn „in einem Europa, in dem der Nachthimmel jährlich um etwa zehn Prozent heller wird, ist das Eisenwurzen-Gebiet eine absolute Seltenheit“, so Oliver Gulas.
Ärmel hochkrempeln
Für Astrophysiker Stefan Wallner, der die Verleihung durchführte, sei „der Zusammenhalt am beeindruckendsten. 20 Gemeinden über drei Bundesländer hinweg haben gemeinsam beschlossen, die natürliche Nacht zu schützen. Diese beispiellose Kooperation zwischen Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark zeigt, dass Naturschutz Grenzen überwinden kann, wenn der Wille da ist“, wie er sagt. Die Zertifizierung zu Österreichs erster Dark Sky Reserve sei jedoch erst der Anfang, so Projektkoordinatorin Julia Kaufmann: „Jetzt heißt es, Ärmel hochkrempeln und weiterarbeiten, denn das Zertifikat soll keine blo- ße Hülle sein.“
Erste Schritte sind bereits gesetzt. Allein in diesem Jahr habe man 53 Veranstaltungen im Naturnachtgebiet Eisenwurzen geplant, so Gulas.
Auftrag für den Tourismus
Für Jaqueline Egger, Tourismus-Chefin im Gesäuse, sei die Zertifizierung ein Auftrag, die Natur behutsam erlebbar zu machen. Dafür seien vor allem Feingefühl und Respekt vor der Natur notwendig, wie sie sagt. Der dunkle Nachthimmel sei eine Stärke, durch die Angebote entwickelt und Menschen berührt werden sollen. Ansprechen wolle man eine Zielgruppe, die „Natur erleben, in sie eintauchen und verstehen will“, so Egger. Den Start macht das Freiluftkino unter Sternen am 20. August beim Weidendom, gefolgt von „Dinner & Sterne“ am 10. Oktober im Nationalpark-Pavillon mit einem ausgewählten Menü, das musikalisch von Sophie Abraham am Cello begleitet wird. Mit Strudel, Bike und Sternen vervollständigen geführte Mountainbike-Touren das Programm rund um den Sternenhimmel, der „eine neue Entwicklung einläuten soll, die weiterdenkt“, so Egger. Schließlich zählt der Wechsel zwischen Tag und Nacht „zu den ältesten Konstanten der Erde“, so Astrophysiker Stefan Wallner. Indem der Mensch diesen Rhythmus innerhalb weniger Jahrzehnte massiv verändert hat, wirkt künstliches Licht in der Nacht wie „ein Eingriff in die biologische Uhr von Säugetieren, Insekten, Vögeln, Pflanzen und letztlich auch beim Menschen“, gibt Wallner zu bedenken.




