Drohnen messen Eisdicke
13.02.2026 RegionalesDer Alpenverein möchte mithilfe von Drohnen ein sicheres Wegenetz auf den schmelzenden Gletschern vermessen. Bergerlebnisse soll es trotz Klimawandel geben.
Am Beispiel des Dachsteingletschers wird deutlich: Die Klimaerwärmung ist längst keine Prognose ...
Der Alpenverein möchte mithilfe von Drohnen ein sicheres Wegenetz auf den schmelzenden Gletschern vermessen. Bergerlebnisse soll es trotz Klimawandel geben.
Am Beispiel des Dachsteingletschers wird deutlich: Die Klimaerwärmung ist längst keine Prognose mehr, sie ist da. Das ewige Eis schmilzt sogar so rapide, dass die Trennung des Hallstätter und des Schladminger Gletschers unmittelbar bevorsteht. Dies hat auch massive Auswirkungen auf die Erreichbarkeit der sich am Dachstein befindenden Hütten. Besonders betroffen ist die Seethalerhütte. Versorgungsfahrten mit dem Quad sind nicht mehr ganzjährig durchgehend möglich. Eine Begehung des Fußweges zur Seethalerhütte kann sogar von Personen mit hochalpiner Erfahrung und Ausrüstung nur noch schwer bewältigt werden.
Neben der Erreichbarkeit der Seetalerhütte hat sich der Vorstand des Alpenvereins Austria auch über die Simonyhütte und das Guttenberghaus beraten und dementsprechende Maßnahmen gesetzt. Den Auftakt machten Untersuchungen der Eisdecke des Hallstätter Gletschers. Die Dichtemessung wurde per Drohne durchgeführt, denn dank modernster Technik kann ein daran montiertes Radar elektromagnetische Wellen senden und empfangen.
Messungen sprechen deutliche Sprache
Mit der Untersuchung beauftragt wurde die Forschungseinrichtung Georesearch, die sich auf die Auswirkungen des Klimawandels im Hochgebirge spezialisiert hat. Anna Siebenbrunner, Wissenschaftlerin bei Georesearch, erklärt den Vorteil der zum Einsatz gekommenen Technologie: „Während konventionelle Gletschermessungen zur jährlichen Änderung der Länge oder Massenbilanzen lediglich zeigen, in welchem Ausmaß sich der Gletscher in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert hat, braucht es für zuverlässige Prognosen die Quantifizierung des verbleibenden Eisvolumens. Dafür kann ein Georadar eingesetzt werden.“ Die im Dezember des Vorjahrs durchgeführte Messung spricht eine deutliche Sprache: Schon in zehn bis 15 Jahren wird der Hallstätter Gletscher kein geschlossenes Gebiet aus Eis bedecken. An jenen Stellen, an denen es dann nur mehr eine dünne Eisauflage geben wird, werden sich neue Passagen für Hüttenübergänge auftun. Nach dem Abschmelzen des Gletschers können sich auch Bergseen bilden.
Neues Logistikkonzept für Seethalerhütte
Beim Alpenverein Austria sei man trotz des Gletschersterbens davon überzeugt, dass in der Dachsteinregion auch künftig Bergerlebnisse aller Schwierigkeitsgrade möglich sein werden. Daher werde man Maßnahmen setzen, um neue Wege zu errichten und in weitere Sicherungstechnik zu investieren. „Wir waren Erschließer der ersten Stunde in diesem herrlichen Gebirge. Wir werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen, damit auch künftige Generationen unser Arbeitsgebiet am Dachstein für vielfältige Bergsportaktivitäten nutzen können“, wie der Erste Vorsitzende Friedrich Macher betont. Im Falle der erst vor wenigen Jahren errichteten Seethalerhütte heißt dies, die Erarbeitung eines neuen Logistikkonzepts: „Wir müssen uns darauf vorbereiten, die Ver- und Entsorgung der Hütte ganz oder teilweise auf Hubschrauberlogistik umzustellen, damit die hohen Umweltstandards des Hüttenbetriebes auch weiterhin aufrechterhalten werden können“, schickt Hüttenreferent Richard Goldeband voraus.
Weitere Messungen in Planung
Der Dachstein wird jedoch nicht der einzige Gletscher bleiben, dessen Abschmelzen gravierende Auswirkungen auf die Erreichbarkeit und die Versorgung der Schutzhütten hat. Ähnliche Untersuchungen sind daher auch am Gosaugletscher, dessen Begehung über die Adamekhütte ermöglicht wird, vorgesehen. Nicht zuletzt soll ebenso im Glocknergebiet ein vergleichbares Projekt eingeleitet werden, um für die ebenfalls stark von den Folgen des Klimawandels betroffene Oberwalderhütte neue Lösungen zu finden.
