„Die Planai ist mein Herzblut“
06.02.2026 RegionalesNach 14 Jahren als Geschäftsführer verabschiedet sich Georg Bliem in den Ruhestand. Im Gespräch mit dem „Ennstaler“ zieht er Bilanz über die vergangenen Jahre.
Auf Wunsch der Gesellschafter habe er im Alter von 65 Jahren zugestimmt, seinen ...
Nach 14 Jahren als Geschäftsführer verabschiedet sich Georg Bliem in den Ruhestand. Im Gespräch mit dem „Ennstaler“ zieht er Bilanz über die vergangenen Jahre.
Auf Wunsch der Gesellschafter habe er im Alter von 65 Jahren zugestimmt, seinen Pensionsantritt noch ein wenig nach hinten zu verschieben. Doch schon damals sei klar gewesen: „Ich bleibe nicht mehr bis zum Ende der Periode“, sagt Bliem. Am 1. Februar war es nun soweit und der langjährige Geschäftsführer übergibt an seinen Nachfolger Peter Weichbold. Die Übergangsphase wird drei Monate dauern, in denen er noch im vollen Einsatz für die Planai-Bahnen sein wird. Das Zepter zu übergeben, falle ihm nicht schwer, wie Bliem sagt: „Jeder weiß, dass die Planai mein Herzblut ist. Doch ich bin schon im gereiften Alter und es ist durchaus ein harter und herausfordernder Job.“ Die Gerüchte, er würde sich aufgrund von politischen Veränderungen im Land Steiermark zurückziehen, weist er zurück. Von Unstimmigkeiten könne keine Rede sein, im Gegenteil: „Ich möchte mich beim Land Steiermark bedanken“, wie Bliem betont. Schließlich sei er fast 25 Jahre lang für Landesgesellschaften tätig gewesen. Für seinen Einsatz wurde Bliem von Landeshauptmann Mario Kunasek beim vergangenen Nightrace mit einer Anerkennungsmedaille geehrt.
Höhepunkte einer Karriere
„Die Planai-Bahnen und der Steiermark Tourismus sind die wohl spannendsten Aufgaben im steirischen Freizeitbereich. Ich habe das Privileg genossen, beides zu leiten“, sagt Bliem. Aufgewachsen im Ennstal, hatte Bliem als Geschäftsführer des Steiermark Tourismus seinen Lebensmittelpunkt nach Graz verlegt. Zurückzukommen sei nicht Teil seiner Lebensplanung gewesen. Doch „manchmal kommt es eben anders als gedacht“, sagt er heute. Die Planai-Hochwurzen-Bahnen habe er vor der Ski-WM 2012 in Schladming übernommen und das „von einer Stunde auf die andere“, erinnert er sich zurück. Der damalige Geschäftsführer Ernst Trummer musste überraschend und unter undurchsichtigen Gründen seinen Sessel von einer Sekunde auf die andere räumen. Für den damaligen Tourismus-Landesrat Hermann Schützenhöfer war es „ein schmerzlicher, aber notwendiger Schritt“. Trotz der Eile sei „alles gut über die Bühne gegangen und die Planai ist in eine extrem starke Investitionsphase eingetaucht“, sagt Bliem. 210 Millionen Euro seien allein im Kernunternehmen Planai eingesetzt worden. „Ich habe zehn neue Seilbahnen bauen dürfen. Das kann wohl keiner so leicht nachmachen“, sagt der langjährige Planai-Chef lachend. Als Höhepunkte seiner Karriere nennt er den Umbau der Dachstein-Bergstation in den Jahren 2023 und 2024, den Neubau der Planai-Hauptseilbahn 2019 und die Übernahme des „Wilden Bergs“ in Mautern im Jahr 2015. Obwohl die Begegnung mit letzterem „keine Liebe auf den ersten Blick war“, so Bliem, denn „anfangs haben wir uns gedacht: Was tun wir mit 320 Tieren in der Buchhaltung?“ Doch man habe gute Synergien zwischen Mautern und Schladming sowie ein großes Know-how auf diesem Gebiet aufbauen können. Mittlerweile zähle man über 100.000 Gäste jährlich am Wilden Berg und „der laufende Betrieb rechnet sich“, so Bliem.
Entwicklung zur Ganzjahresdestination
Der Wilde Berg sei jedoch nur ein Schritt auf dem Weg zur Ganzjahresdestination gewesen. Mittlerweile beschäftigen die Planai-Hochwurzen-Bahnen 420 Mitarbeitende; rund drei Viertel der Belegschaft das ganze Jahr über. „Der Sommer hat bei uns eine sehr dynamische Entwicklung genommen“, sagt Bliem. Zu Beginn seiner Geschäftsführung seien es während der Sommermonate in Summe nicht mehr als 3500 Gäste täglich gewesen, die in den Freizeiteinrichtungen des Unternehmens gezählt worden seien. Heute könne man an jeder der Einrichtungen zwischen 12.000 und 15.000 Menschen täglich begrüßen. Ermöglicht habe dies ein ausgeklügeltes Marketingkonzept. „Wir haben jeden Berg anders positioniert und strategisch gute Arbeit geleistet“, sagt Bliem. Das Ergebnis: „Beinahe zwanzig Prozent des Geschäftsvolumens machen wir im Sommer“, fasst er die positive Entwicklung zusammen.
Herausforderung Klimawandel
Auf die Frage, wie sich der Skisport in Hinblick auf den Klimawandel verändern wird, antwortet Bliem: „Seilbahnen haben wir nun genug gebaut. Jetzt geht es um die Schneeabsicherung.“ Trotz steigender Temperaturen sei ihm nicht bange um den Skisport, wie er sagt. Zwar seien die klimatischen Veränderung längst sichtbar, doch „diese Herausforderungen werden wir meistern, da bin ich zuversichtlich“, so Bliem. Und auch die Beliebtheit des Skifahrens sei nach wie vor ungebrochen: „Die Leute lieben diesen Sport und die damit verbundene Bewegung in der freien Natur.“
Sportlich auch in der Pension
Bliem selbst ist bereits mit drei Jahren über die Piste geflitzt. Ein Sport, der ihn wohl auch weiterhin begleiten wird. Dafür sorgen allein die Einladung von Seilbahnkollegen aus ganz Europa. „Demnach könnte ich ewig auf den Skiern stehen“, sagt er lachend. Doch zuvor geht es im Frühling ab nach Portugal, wo er gemeinsam mit seiner Frau den Fischerpfad-Weitwanderweg entlang der Atlantikküste zurücklegen möchte. Sportlich geht es auch auf der nächsten geplanten Reise weiter: Gemeinsam mit seinem Bruder möchte Bliem auf dem Gravel-Bike vom Ennstal bis nach Ancona fahren. „Das sind Dinge, die bislang immer zu kurz gekommen sind. Ich war stets mit vollem Engagement im Einsatz. Die Firma kam immer an erster Stelle. Doch jetzt kann ich mir für die Familie, Freunde und das Reisen endlich Zeit nehmen“, sagt Bliem.
Positiven Spirit weitertragen
Die Planai sieht Bliem jedenfalls in guten Händen, wie er sagt. „Es ist schön, dass es der Peter geworden ist“, zeigt sich der scheidende Planai-Chef erfreut über die Wahl seines Nachfolgers. Obwohl dieser sicher „einen anderen Weg als ich einschlagen wird. Und das ist auch gut so.“ Dennoch sei er sich sicher, dass sein Nachfolger „den positiven Spirit weitertragen wird, wenn auch mit seiner eigenen Handschrift“, so Bliem.




