Die neue Generation der Nikotinsucht
29.05.2026 Junges EnnstalWie Tabakkonzerne junge Menschen mit neuen Produkten in die Nikotinabhängigkeit treiben – und welche schwerwiegenden Folgen diese mit sich bringt.
Das Rauchverhalten der Österreicher/innen ist immer noch besorgniserregend hoch. Das zeigen aktuelle ...
Wie Tabakkonzerne junge Menschen mit neuen Produkten in die Nikotinabhängigkeit treiben – und welche schwerwiegenden Folgen diese mit sich bringt.
Das Rauchverhalten der Österreicher/innen ist immer noch besorgniserregend hoch. Das zeigen aktuelle Studienergebnisse angesichts des Weltnichtrauchertages am 31. Mai. Die diesjährige Anti-Raucher-Kampagne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht unter dem Motto die Verlockung zu entlarven. Damit gemeint sind die immer verlockenderen Angebote der Tabakindustrie. Neuartige Nikotinprodukte wie E-Zigaretten und Nikotinbeutel werden weiterentwickelt und vermarktet. Durch den Rückgang des Zigarettenkonsums setzen Industrien vermehrt auf die neuartigen Produkte – und treiben so eine neue Generation in die Abhängigkeit. Bei immer mehr jungen Menschen funktionieren die scheinheiligen Werbeversprechen der Tabakkonzerne. Anbieter bewerben die Produkte mit einem „Nikotinrausch“, der Gefühle von Vergnügen und Zufriedenheit auslösen soll. In Wirklichkeit ist Nikotin aber ein süchtig machendes Nervengift. Expert/innen weisen ganz klar auf die ebenso schädlichen Auswirkungen der vermeintlich gesünderen Ersatzprodukte hin.
Jugendliche als Zielgruppe
Auch wenn das Rauchen klassischer Zigaretten bei jüngeren Generationen rückläufig ist, steigt der Nikotinkonsum. Grund dafür sind vor allem modernere Nikotinprodukte, die oftmals als weniger schädliche Alternative angeboten werden. Der Einsatz von Aromastoffen für verschiedene Geschmäcker und gezielte Marketingstrategien sollen die Produkte attraktiver machen. Vor allem Jugendliche sind anfällig für diese Taktiken, die den Einstieg in den Konsum maßgeblich fördern und erleichtern. Dabei enthalten E-Zigaretten und Nikotinbeutel bis zu vier Mal so viel Nikotin wie eine klassische Zigarette.
Auch die Folgen des Nikotinkonsums treffen jüngere Menschen deutlich härter. Greifen Jugendliche bereits mit 14 Jahren schon zu Nikotinprodukten, steigt das Risiko, als Erwachsener nikotinabhängig zu werden. In diesem Alter reagiert das Gehirn noch viel sensibler auf Substanzen wie Nikotin. Durch die Aufnahme über die Lunge gelangt das Nikotin schneller ins Gehirn und hat dadurch eine besonders rasch abhängig machende Wirkung. Am stärksten ist die Wirkung bei den ersten Zügen und den ersten Zigaretten des Tages.
Nikotin als Ritual
Jugendliche leiden jedoch nicht nur an der körperlichen Sucht. Auch die psychische Abhängigkeit von Nikotinprodukten wird zunehmend zum Problem im Leben der jungen Menschen. Das Rauchen oder Vapen wird ritualisiert und in bestimmten Situationen zur Routine. Auch Stress spielt eine Rolle bei der Abhängigkeit. Zugleich ist das Gehirn in der Pubertät noch lernfähiger als in höherem Alter, sodass sich neue Verhaltensweisen einfacher und schneller ausbilden.
Vor allem Nikotinbeutel gewinnen an immer größerer Beliebtheit bei jungen Menschen. Die kleinen weißen Päckchen, die unter der Oberlippe getragen werden, lassen sich unauffälliger konsumieren als Zigaretten oder Vapes. So eignen sie sich auch für den Konsum an Orten, an denen Rauchen selbst nicht erlaubt ist. Sie werden als cooles Lifestyleprodukt vermarktet, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Die WHO warnt anlässlich des Weltnichtrauchertages vor den schweren gesundheitlichen Folgen der Produkte.
Rauchfrei-Angebote
Rund 1,6 Millionen Menschen in Österreich rauchen laut ÖGK täglich, das entspricht 21 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig konsumieren 15 Prozent der 15-Jährigen täglich zumindest ein Nikotinprodukt. Je früher man die gravierenden gesundheitlichen Risiken erkennt und ernst nimmt, desto größer die Chance, langfristig gesund zu leben. Angebote wie die Rauchfrei-Kurse der ÖGK oder das Rauchfrei-Telefon unterstützen Raucher dabei, sich von der Sucht zu lösen. Der Weltnichtrauchertag erinnert auch dieses Jahr wieder an die vielen schwerwiegenden Folgen des Rauchens – die unbedingt ernst genommen werden sollten.
Elisa Schütz

