Schönheit ist nichts, das man pauschalisieren kann – und trotzdem tun wir es die ganze Zeit. Flacher Bauch, schlanke Figur, schöne straffe Haut. Der Druck, perfekt zu sein, ist groß, doch auch der Widerstand dagegen wächst. Wie eine ...
Schönheit ist nichts, das man pauschalisieren kann – und trotzdem tun wir es die ganze Zeit. Flacher Bauch, schlanke Figur, schöne straffe Haut. Der Druck, perfekt zu sein, ist groß, doch auch der Widerstand dagegen wächst. Wie eine Gegenbewegung frischen Wind in ein System bringt, das seit Generationen so Bestand hat.
Body Positivity – also eine positive Einstellung gegenüber dem eigenen Körper – ist eine Gegenbewegung, die vor allem auf Social Media präsent ist. Sie zielt darauf ab, dem Schönheitsdruck in sozialen Medien Widerstand zu leisten, indem immer häufiger realistische und unbearbeitete Körperbilder veröffentlicht werden. Denn die Etablierung von Bildbearbeitung, Filtern und co. haben deutliche Spuren hinterlassen. Kaum mehr ein Bild, welches online zu finden ist, wurde nicht bearbeitet. Hier die Falten wegretuschieren, dort ein bisschen dünner machen. Doch diese vermeintlich nützlichen Tools bringen gravierende Folgen mit sich. Vor allem junge Mädchen und Frauen, doch immer häufiger auch Männer, leiden unter dem Schönheitsdruck auf Social Media. Sie eifern ihren Vorbildern nach, wollen wie diese immer schlanker und schöner werden. Sie verlieren sich in einer Scheinwelt und rutschen dadurch immer häufiger in Depressionen, Essstörungen und andere psychische Erkrankungen.
Das Ziel der „Body Positivity“ ist es, gegen die Diskriminierung äußerer Erscheinungsbilder vorzugehen und stattdessen Bewusstsein dafür zu schaffen, dass jeder Körper gut ist so wie er ist, auch wenn er nicht den gängigen Schönheitsnormen entspricht. Eine positive Einstellung gegenüber seinem Körper zu haben, bedeutet, sein Selbstwertgefühl nicht von seinem Äußeren abhängig zu machen. Genauso sollte ein Verständnis dafür entwickelt werden, dass auch Körper abseits von 90-60-90-Maßen und Sixpacks schön und wertvoll sind.
Zwischen Diskriminierung und Beleidigung
Denn wenn dieses Verständnis fehlt, führt das immer häufiger dazu, dass fremde Körper online abgewertet, beurteilt und beleidigt werden. Menschen, die nicht dem vorgegeben Schönheitsidealen entsprechen, erleben so immer wieder Demütigung in Form von Body Shaming – vor allem auf Social Media.
Einfluss von Medien und Modekonzernen
Auch Zeitungen, Werbeanzeigen und Fernsehen festigen die Schönheitsvorstellungen in unseren Köpfen. Sendungen wie „Germany‘s next Topmodel“ stehen schon länger dafür in Kritik, völlig verzerrte Körperbilder zu verbreiten. Kaum eine Zeitschrift verzichtet auf Diättipps, um den „Winterspeck“ loszuwerden oder im Sommer eine „Bikinifigur“ zu haben.
Auch Modekonzerne tragen mit der Auswahl extrem schlanker Models und unrealistischen Kleidergrößen zum Ausbau der Schönheitsideale bei. Auch wenn hier langsam ein Umdenken stattfindet und beispielsweise häufiger auch sogenannte Plus-Size-Models in Werbekampagnen zu sehen sind, ist das Ziel noch lange nicht erreicht.
Wir schreiben das Jahr 2023 und noch immer werden Menschen für ihr optisches Erscheinungsbild kritisiert. Noch immer reduzieren wir andere auf ihr Äußeres, als wäre es unser gutes Recht. Noch immer streben wir nach Perfektion. Perfektion, die schlussendlich immer Illusion bleiben wird, denn niemand ist perfekt. Und das ist auch gut so. Trotzdem versuchen wir weiter, Individualität auszurotten, obwohl es eigentlich die Unterschiede sind, die uns erst zu einer Einheit machen. Einer Einheit mit demselben Ziel: Der Selbstliebe mehr Macht zu geben, in einer Welt, die uns oft vom Gegenteil überzeugen will.
Elisa Schütz