Der als Schadwolf eingestufte Beutegreifer wurde erlegt. Eine DNA-Probe soll in den nächsten Wochen Gewissheit bringen. Es ist der erste offizielle Abschuss seit vielen Jahrzehnten.
Risse, zersprengte Herden, abgestürzte und abgängige Schafe. Fünf ...
Der als Schadwolf eingestufte Beutegreifer wurde erlegt. Eine DNA-Probe soll in den nächsten Wochen Gewissheit bringen. Es ist der erste offizielle Abschuss seit vielen Jahrzehnten.
Risse, zersprengte Herden, abgestürzte und abgängige Schafe. Fünf Schafbauern hatten in das Gebiet beim Gumpeneck rund fünfzig Tiere aufgetrieben, erzählt ein Landwirt im Gespräch mit dem „Ennstaler“. Täglich sei jemand vor Ort gewesen, um nach dem Rechten zu sehen. Seine sieben Mutterschafe führten mehrere Lämmer, doch von dieser Herde ist kaum mehr etwas übrig. „Die Lämmer sind alle tot und von den Mutterschafen haben es nur vier ins Tal geschafft“, berichtet der Schafbauer. 16 Tiere hat er verloren.
Bejagung im Schichtbetrieb
„Es konnten nicht alle Risse beprobt werden, das Rissbild deutete aber eindeutig auf einen Wolf hin“, sagt Amtstierarzt Robert Gruber. In Abstimmung mit den Almbauern ordnete die Behörde einen Abtrieb in dem Gebiet an. Landwirte in Donnersbach entschieden sich freiwillig dazu, ihre Tiere ebenfalls ins Tal zu bringen. Zeitgleich stuften Sachverständige den Beutegreifer als Schadwolf ein und gaben ihn zum Abschuss frei (wir berichteten). Innerhalb eines Radius von zehn Kilometern durfte das geschützte Raubtier binnen vier Wochen erlegt werden. „Das Gebiet umfasste 84 Reviere und die Jäger machten sich, beinahe im Schichtbetrieb, auf die Jagd“, sagt Bezirksjägermeister Johann Trinker.
Wolf zog weiter
Nachdem die verbliebenen Schafe rund ums Gumpeneck bereits abgetrieben waren, zog auch der Wolf weiter. Und zwar in Richtung Gasseneck im Sölktal. Noch bevor es zum Abschuss kam, gab es weitere Risse. „Vergangenen Freitag fand man ein aufgefressenes Schaf. Am Samstag darauf mussten wir schwer verletzte Schafe ins Tal transportieren, eines noch vor Ort erlösen“, sagt Robert Gruber. Vermutlich sei das Tier durch die Hetze über eine Felswand gestürzt und habe sich dabei das Kreuz gebrochen.
Abschuss
Am Sonntag folgte dann die Nachricht, dass der Wolf erlegt wurde. Es ist das erste Tier, das seit vielen Jahrzehnten in der Steiermark offiziell geschossen wurde. Der Kadaver wird nun im Forschungsinstitut für Wildtierkunde untersucht. Obwohl die Vermutung nahe liegt, dass es sich um den Schadwolf handelt, wird erst eine DNA-Probe endgültige Gewissheit geben. Mit einem Ergebnis rechnet man erst in ein paar Wochen.
Wieder auftreiben
Die Emotionen gehen in allen Richtungen hoch. Während es leichte Entspannung bei den Almbauern gibt, kommt Kritik von Tierschutzorganisationen. Einerseits würde mit dem Abschuss EU-Recht missachtet werden, andererseits bekritteln sie mangelnden Herdenschutz der Nutztiere auf den Almen. „Uns Bauern sind die Tiere wichtig. Niemand will, dass eines elendig zugrunde geht. Außerdem haben wir uns an alle Vorschriften gehalten“, betont der Landwirt. Ein Stall oder eine Einzäunung sei aufgrund des weitläufigen und zerklüfteten Gelände in diesem Gebiet unmöglich zu bewerkstelligen. Ans Aufgeben denkt er noch nicht. „Ich möchte schon gern wieder auftreiben, wenn es die Bedingungen zulassen“, sagt er.