Der steinige Weg zur Gleichberechtigung
06.03.2026 Junges EnnstalDer Internationalen Frauentag am 8. März macht auch dieses Jahr auf Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam. Ein historischer Überblick über die Entwicklung der Frauenrechte in Österreich.
Frauen verdienen auch heute noch ...
Der Internationalen Frauentag am 8. März macht auch dieses Jahr auf Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam. Ein historischer Überblick über die Entwicklung der Frauenrechte in Österreich.
Frauen verdienen auch heute noch weniger als Männer, leisten deutlich mehr unbezahlte Care-Arbeit wie Kinderbetreuung und Haushalt und sind in Führungspositionen und Politik noch immer stark unterrepräsentiert. Wer also noch davon ausgeht, dass Diskriminierung von Frauen in Österreich der Vergangenheit angehört, liegt somit leider deutlich falsch. Seit dem ersten internationalen Frauentag im März 1911 vergingen Jahrzehnte, in denen nur schrittweise Erfolge im Kampf um Frauenrechte verzeichnet wurden. Ein historischer Überblick – von der Einführung des Wahlrechts bis heute:
1918
Die Einführung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts ohne Unterschied des Geschlechts im November 1918 gilt als Meilenstein in der Geschichte Österreichs. Erstmals konnten Frauen selbst wählen gehen und gewählt werden. Bei der ersten Wahl mit weiblicher Teilhabe machten davon vielen Frauen Gebrauch – rund 82 Prozent der Frauen gaben bei der Wahl der Konstituierenden Nationalversammlung 1919 ihre Stimme ab. Acht Frauen wurden damals in die Nationalversammlung gewählt.
1933–1945: Austrofaschismus und NS-Zeit
Die Zeit des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus bedeutet für österreichische Frauenrechte einen massiven Rückschritt. Gleichberechtigung rückt in den Hintergrund, während Frauen in die Rolle von Hausfrau und Mutter gedrängt werden. Konzepte wie die Doppelverdienerverordnung richten sich speziell gegen verheiratete Frauen im öffentlichen Dienst, um diese zu entlassen. Frauenrechte werden drastisch beschränkt, die wirtschaftliche Abhängigkeit von Frauen steigt stark an.
1957
Das neue Mutterschutzgesetz wird beschlossen. Es bringt einen umfassenden Schutz für unselbstständig beschäftigte Frauen und festigt diesen nun auch rechtlich. Es beinhaltet unter anderem das Beschäftigungsverbot acht Wochen vor und nach der Geburt sowie den Kündigungs- und Entlassungsschutz während der Schwangerschaft und nach der Geburt. Das Gesetz wurde bis heute mehrfach reformiert.
1975
Eine der bedeutsamsten Familienrechtsreformen geschah 1975, wodurch dieses als Schlüsseljahr für die Gleichstellung von Männern und Frauen und in die Geschichte eingeht. Mit der Reform wurde der Haushaltsvorstand abgeschafft. Der Mann gilt nun nicht mehr als gesetzlicher Oberhaupt der Familie – Ehen gelten fortan als gleichberechtigt. Auch die Berufstätigkeit der Frauen ist betroffen. Diese dürfen nun uneingeschränkt berufstätig sein, ohne die Erlaubnis ihres Mannes.
1979
Das erste Gleichbehandlungsgesetz in Österreich tritt in Kraft. Es beinhaltet ein Verbot von Diskriminierung aufgrund eines Geschlechts im Arbeitsleben und die Einrichtung einer Gleichbehandlungskommission.
1993
Die Gleichstellung von Frauen und Männern wird in die österreichische Verfassung aufgenommen. Von nun an ist Gleichstellung nicht mehr nur individuelles Recht, sondern staatlicher Auftrag.
2000er bis heute
Die Liste könnte noch länger weitergehen mit kleinen Meilensteinen, die im Laufe der Zeit erreicht wurden. Von Gendern und Frauenquoten bis hin zu Femiziden – frauenrechtliche Themen werden bis heute debattiert. Auch zum diesjährigen Internationalen Frauentag liegt Österreich bei Frauenrechten und Gleichstellung im internationalen Vergleich weiterhin hinter vielen anderen Ländern. Frauenrechtlerinnen kämpfen seit Jahrhunderten für eine gleichgestellte Welt. Sie erreichten viele große Meilensteine, die bis heute wirken. Doch Gleichberechtigung ist kein abgeschlossener Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Solange Frauen und Männer nicht in jedem Bereich des Lebens gleichgestellt sind, bleibt der Internationale Frauentag mehr als ein symbolisches Datum. Er ist eine jährliche Erinnerung, an alles, das erreicht wurde und alles, das noch vor uns liegt.
Elisa Schütz
