Nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Weißmann wegen Belästigungsvorwürfen wird die ORF-Neuwahl im August nochmals spannend. Laut Koalitionsabkommen hat die ÖVP den „Anspruch“ auf den Posten, wer aber schlussendlich gewählt wird, wird sich erst ...
Nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Weißmann wegen Belästigungsvorwürfen wird die ORF-Neuwahl im August nochmals spannend. Laut Koalitionsabkommen hat die ÖVP den „Anspruch“ auf den Posten, wer aber schlussendlich gewählt wird, wird sich erst zeigen. Jedenfalls ist die Aufdeckung genau am Weltfrauentag wohl mehr als ein Zufall, und der ORF wird seinem Ruf als machtpolitische Schlangengrube wieder einmal gerecht. Es wäre hoch an der Zeit, nicht nur über die Personalie, sondern über grundsätzliche Dinge im ORF zu sprechen.
Immerhin erhält der ORF allein aus dem Titel der Haushaltsabgabe über 700 Millionen Euro pro Jahr und darf darüber hinaus noch soviel Werbung machen, wie kaum ein anderer öffentlich-rechtlicher Sender in Europa. Eigentlich müsste der Betrieb daher im Geld schwimmen und eines der hochwertigsten Programme europaweit haben. In der Realität macht der Sender aber trotz des dicken Geldspeichers ständig Verluste und das Programm ist vorsichtig gesprochen verbesserungswürdig.
Es liegt auf der Hand, dass sich im ORF die Parteigünstlinge Traumgagen gönnen, die in keinem Verhältnis zu den gezeigten Leistungen stehen. Und auch die stets hochgelobte Unabhängigkeit des Senders sucht man vergeblich. Es muss also die Frage gestellt werden, inwieweit der öffentlichrechtliche Sender in dieser Form überhaupt eine Daseinsberechtigung hat. Aufgabe einer Reform wäre eine Besetzung der Gremien nach fachlicher Eignung, eine sparsame Betriebsführung und eine hochwertige, neutrale Berichterstattung. Denn für parteipolitisch ferngesteuerte Medien mit bescheidenen Inhalten sollte man nicht so viel zahlen müssen.
Franz Wallig