„Das ist mein zweites Leben“
06.02.2026 RegionalesSeit fast vier Jahren ist Walter Seebacher nach einem Radunfall querschnittgelähmt. Sein Weg ins neue Leben, neue Visionen und Ziele und warum Aufgeben für ihn keine Option ist.
Es war der 2. Juli 2022. Walter Seebacher war mit dem Mountainbike im ...
Seit fast vier Jahren ist Walter Seebacher nach einem Radunfall querschnittgelähmt. Sein Weg ins neue Leben, neue Visionen und Ziele und warum Aufgeben für ihn keine Option ist.
Es war der 2. Juli 2022. Walter Seebacher war mit dem Mountainbike im Salzkammergut unterwegs, als eine kurze Unachtsamkeit sein Leben auf den Kopf stellte. Seebacher kam von der Schotterstraße ab, überschlug sich und landete mit dem Gesicht voran in einem kleinen Rinnsal. Radfahrer, die den Sturz mitbekommen hatten, eilten zu Hilfe und drehten ihn auf den Rücken. „Ich hatte keine einzige Schramme am Körper. Nichts. Doch ich konnte weder Beine noch Oberkörper bewegen“, erzählt er. Die Rettungsketten wurde in Gang gesetzt und habe einwandfrei funktioniert. „Im Krankenhaus fühlte ich mich wie in Beton gegossen“, erinnert sich Seebacher. Röntgenaufnahmen brachten Gewissheit. Das Rückenmark war zwischen dem sechsten und siebenten Halswirbel um 3,5 Zentimeter verschoben. Diagnose: Querschnittlähmung.
Ziele verschieben sich
Walter Seebacher ist in Gröbming aufgewachsen. Er gründete eine Familie, legte eine berufliche Karriere bei einem internationalen Konzern hin, war im Ort musikalisch engagiert, reiste gern, liebte den Sport und die Natur. „Ich hab immer die Freude in mir empfunden, egal was ich gemacht habe“, sagt er. Sein Leben mit den unzähligen Vorhaben und Projekten bezeichnet er als Abenteuer. Seit jeher steckte sich Seebacher Ziele und meisterte Unwägbarkeiten. Das behielt er auch nach seinem Unfall bei, nur mit dem Unterschied, dass sich nun Ziele und Unwägbarkeiten verschoben hatten. „Früher waren die Hürden anderer Natur. War es einst beim Bergsteigen ein Wetterumschwung, ist es jetzt eine Gehsteigkante oder ein Straßenbankett“, zieht er einen Vergleich.
Neuer Alltag
Jetzt sei sein Abenteuer, den Alltag mit einer Querschnittlähmung zu bewerkstelligen. Zuvor einfache, alltägliche Handgriffe sind nun Herausforderungen oder unüberwindbare Hindernisse. „Socken anziehen, Zähne putzen, ein Handykabel anstecken oder ein Glas Wasser zu trinken – vieles bedeutet einen Kraftakt und benötigt seine Zeit, manches ist unmöglich“, so Seebacher. Als er von der Reha nach Hause kam, galt es seinen Tagesablauf zu koordinieren. Der heute 55-Jährige lebt alleine in einem Haus in Gröbming. „Ich hatte zu Beginn eine 24-Stunden-Pflege, hab dann aber schrittweise reduziert. Ich wollte wissen, wie viel ich alleine schaffe“, erzählt Seebacher. Es brauche zwar mehr Planung und Vorbereitung, doch mit Übung, Improvisation und Mut schafft er es, vieles zu meistern.
Akzeptanz braucht Zeit
„Ich bin schwerst behindert und das wird sich nicht mehr ändern“, sagt er, „Aber ich habe gelernt damit umzugehen. Ich hab es angenommen und akzeptiert – das ist mein neues Leben.“ Bis er Verständnis und Akzeptanz zuließ, brauchte es Zeit. Erst nach der Reha habe er langsam verstanden, wo seine körperlichen Grenzen liegen. „Du kannst noch so viel trainieren, du kannst noch so viel wollen – es geht nicht mehr, als dein neurologisches Gerüst zulässt. Das habe ich erst nach eineinhalb Jahren begriffen“, erklärt Seebacher. Sich aufzugeben war für ihn aber keine Option.
Aufklären und Mut machen
„Ich war neugierig. Wie weit kann ich es schaffen? Das treibt mich bis heute an“, sagt Seebacher. Was er schaffen kann, zeigen seine sportlichen Ambitionen. Seebacher hat sich ein E-Handbike zugelegt, das er seinem Rollstuhl vorspannen kann. Der Antrieb funktioniert per Hand und ist akkuunterstützt, schalten kann er mit dem Kinn. Sofern es die Witterung zulässt, stehen damit ausgiebige Radtouren am Programm. Ein großes Thema sei die Scham gewesen. Der Körper verändert sich, man ist eingeschränkt. „Irgendwann muss man seinen Stolz und seine Eitelkeit beiseite schieben. Man muss erkennen, dass man einzigartig ist“, sagt er. Mit diesem Grundgedanken ist Walter Seebacher nicht nur an die Öffentlichkeit gegangen, sondern sogar auf die Bühne. In mitreißenden, emotionalen Vorträgen erzählt er nicht nur seine Geschichte. Er klärt auf, was es bedeutet querschnittgelähmt zu sein und gibt Betroffenen Mut. Mit seinem Beispiel möchte er zeigen, wie sich ein Leben mit Beeinträchtigung meistern lässt. Walter Seebacher hat noch vieles vor. Seine Behinderung ist dabei keine Einschränkung, sondern Grundlage für seine Visionen. „Das ist mein zweites Leben“, sagt er. Und er lebt es mit voller Überzeugung.

