Coolcation: Die neue Sommerfrische
05.06.2026 Junges EnnstalWährend sich viele Menschen in den Sommermonaten nach Abkühlung sehnen und beliebte Mittelmeerregionen zunehmend unter Hitzewellen leiden, gewinnt ein neuer Urlaubstrend an Bedeutung: die sogenannte „Coolcation“.
Das Kunstwort ...
Während sich viele Menschen in den Sommermonaten nach Abkühlung sehnen und beliebte Mittelmeerregionen zunehmend unter Hitzewellen leiden, gewinnt ein neuer Urlaubstrend an Bedeutung: die sogenannte „Coolcation“.
Das Kunstwort setzt sich aus den englischen Begriffen „cool“ und „vacation“ zusammen und beschreibt Urlaubsreisen in Regionen mit angenehm gemäßigtem Klima. Statt überfüllter Strände und aufgeheizter Metropolen suchen immer mehr Menschen nach Erholung in kühleren Bergregionen. Österreich gilt dabei als einer der großen Gewinner dieses Trends.
Bestand früher das klassische Urlaubsglück aus 35 Grad, hei- ßem Asphalt und Sonnenbrand, fragen sich heute viele: Muss Erholung wirklich schweißtreibend sein? Insbesondere Familien, ältere Menschen oder alle, die Hitze schlecht vertragen, entdecken Regionen neu, die früher eher als „zu kühl“ galten. Skandinavien boomt, die Ostsee ebenso – und plötzlich gelten auch Bergregionen wieder als Sehnsuchtsorte. Für uns in den Alpen wirkt dieser Trend fast ein wenig kurios. Denn was international als „Coolcation“ verkauft wird, kennen viele Einheimische seit Generationen unter einem ganz einfachen Begriff: Sommerfrische. Schon vor über hundert Jahren flohen Städter aus Wien oder Graz in die Berge, an Seen oder in schattige Täler. Man suchte frische Luft, ruhige Nächte und Erholung statt Hitze. Eigentlich also nichts Neues – nur mit englischem Namen und Instagramfilter.
Beispiele dafür gibt es auch direkt vor der Haustür: die Wörschachklamm mit ihren schattigen Steigen und Wasserfällen, entspannte Sommertage am Putterersee oder Wanderungen entlang der „Wilden Wasser“ und durch die Talbachklamm. Genau solche Orte zeigen, warum kühle Sommerziele derzeit gefragt sind: viel Wasser, angenehme Temperaturen und Naturplätze, an denen man selbst im Hochsommer noch durchatmen kann.
Gleichzeitig zeigt der Trend auch, wie stark sich unser Verhältnis zum Sommer verändert. Noch vor wenigen Jahren galt Hitze als Inbegriff des gelungenen Urlaubs. Heute berichten Reiseveranstalter zunehmend von Gästen, die bewusst Regionen mit gemäßigten Temperaturen suchen. Allerdings relativieren Tourismusexperten den Hype: Der klassische Badeurlaub im Süden bleibt weiterhin Massenphänomen. Spanien, Griechenland oder Italien verlieren ihre Gäste nicht plötzlich an Norwegen, Schweden oder die Alpen. „Coolcation“ ist derzeit eher Ergänzung als Revolution.
Und doch steckt mehr dahinter als nur ein Schlagwort. Die vergangenen Sommer haben gezeigt, dass extreme Temperaturen längst keine Ausnahme mehr sind. Waldbrände, Wasserknappheit und Hitzewellen gehören mittlerweile fast jedes Jahr zu den Nachrichtenbildern aus Südeuropa. Viele Urlauber reagieren darauf sensibler als früher. Nicht jeder möchte bei 40 Grad durch Altstädte laufen oder am überfüllten Strand liegen.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Pointe der „Coolcation“: Viele Menschen entdecken gerade etwas wieder, das in unserer Region nie verschwunden war. Dass Sommer nicht zwingend Hitze bedeuten muss. Dass Erholung oft dort beginnt, wo es nachts abkühlt, morgens nach Wald riecht und man beim Wandern keinen Schatten suchen muss. Für Einheimische ist das kein Trend, sondern schlicht ein Stück Lebensqualität.
Simone Prüggler
