Bilanz nach einem Jahr: Viel erreicht, große Aufgaben bleiben
03.04.2026 RegionalesSeit einem Jahr steht Hannes Uttinger an der Spitze der Gemeinde Ramsau am Dachstein. Im Gespräch mit dem „Ennstaler“ zieht er Resümee, spricht über Herausforderungen und Erfolge.
Herr Bürgermeister, Sie sind nun seit ...
Seit einem Jahr steht Hannes Uttinger an der Spitze der Gemeinde Ramsau am Dachstein. Im Gespräch mit dem „Ennstaler“ zieht er Resümee, spricht über Herausforderungen und Erfolge.
Herr Bürgermeister, Sie sind nun seit einem Jahr im Amt. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?
„Die persönliche Bilanz ist sehr gut. Wir haben im Gemeinderat eine wirklich super Zusammenarbeit, und das ist aus meiner Sicht die Grundlage für alles Weitere. Wenn man hinter einer Sache steht, dann kämpfen auch alle mit – und genau das ist bei uns der Fall. Wir konnten bereits einige Projekte umsetzen, etwa Teilsanierungen der Dachsteinstraße oder die Umlegung der Gemeindestraße Obere Leiten im Bereich Lienlbauer, wo es immer wieder zu gefährlichen Verkehrssituationen kam. Eine echte Bereicherung war auch der Eislaufplatz im Winter.“
W as hat Sie im ersten Jahr besonders gefordert?
„Eine der größten Herausforderungen war sicher die Schneelage und damit unsere gesamte touristische Infrastruktur – vor allem die Loipen. Das hat uns vor ziemliche Herausforderungen gestellt, auch in weiterer Folge unsere Ramsauer Verkehrsbetriebe, welche die Loipen betreiben. Wir mussten viel Kompaktschnee produzieren und teilweise über weite Strecken mit Traktoren einfahren. Oberstes Ziel war es, die Qualität der Loipen zu halten, die unsere Einheimischen und Gäste gewohnt sind, wenn auch nur für einen Teil unseres riesigen Loipennetzes, welches wir unter normalen Bedingungen mit ausreichend Niederschlag haben. Aber man hat aus dieser Situation sehr viel mitnehmen können. Diese Erfahrungen fließen jetzt in unsere strategische Planung für die Zukunft ein.“
Sie sind gleich mit großen Themen gestartet – Stichwort WM-Bewerbung und Schuldscheine. Wie haben Sie diese Anfangsphase erlebt?
„Die WM-Bewerbung war ein herber Rückschlag. In den letzten Jahren wurden viele Investitionen in die Infrastruktur hinausgeschoben, weil man immer die Hoffnung hatte, die WM zu bekommen. Für uns war die Zeit dann zu kurz, um das Konzept für die Bewerbung entsprechend anzupassen – die Kosten für die angestrebten Investitionen waren dem Land zu hoch und das Gesamtkonzept hätte nochmals angepasst werden müssen. Somit fanden wir auch beim Land keine Zustimmung für die Bewerbung. Nichtsdestotrotz haben wir weiterhin den Nordischen Weltcup in Ramsau. Unsere Schanze ist aber in die Jahre gekommen, und wir müssen hier Schritt für Schritt weiterarbeiten. Wir sind dazu im Gespräch mit dem Landeshauptmann und der zuständigen Abteilung. Gleichzeitig stellt sich natürlich auch die Frage, wie es mit der Nordischen Kombination weitergeht – ob sie olympisch bleibt. Das ist ein entscheidender Faktor für zukünftige Großveranstaltungen. Eine neue WM-Bewerbung wäre für uns frühestens 2037 realistisch. Was die Schuldscheine betrifft: Diese Altlast ist mittlerweile vollständig in unseren Büchern erfasst. Wir bilden Rücklagen und haben das Thema entsprechend den Vorgaben des Landes geordnet abgewickelt.“
Welche Projekte konnten Sie konkret umsetzen?
„Der Eislaufplatz im Ortszentrum neben der Volksschule. Die Idee gab es seitens der ÖVP schon länger, wurde aber früher nicht umgesetzt. Diesmal haben alle Parteien zugestimmt und wir konnten das Projekt in drei bis vier Wochen realisieren. Wir haben den Platz hergerichtet, Hütten aufgestellt und Eislaufschuhe organisiert. So waren wir rechtzeitig mit Adventbeginn fertig. Zusätzlich haben wir, wie bereits erwähnt, die Wegumlegung umgesetzt, die im Frühjahr abgeschlossen wird, und die Dachsteinstraße bleibt weiterhin ein Thema. Hier gibt es bereits eine Planung für die nächsten fünf Jahre mit jährlichen Bedarfszuweisungen von 100.000 Euro.“
Woran wird aktuell gearbeitet und was sind die nächsten großen Themen?
„Ein zentraler Punkt ist die Weiterentwicklung unserer Langlaufinfrastruktur. Wenn wir weiterhin eine Topdestination im nordischen Bereich bleiben wollen, müssen wir hier konsequent investieren. Das betrifft vor allem den Ausbau der Schneeanlagen, zusätzliche Schneekanonen und die Erweiterung der Schneeleitungen. Auch neue Beschneiungstechnologien wurden bereits besichtigt und sollen in unsere Planungen einfließen. Zusätzlich prüfen wir alternative Schneedepots, um einerseits die Wege zur Ausbringung des Schnees zu verkürzen und andererseits auch eine Entlastung für die Anrainer im Ortszentrum zu schaffen. Ein großes Thema ist dabei die Wasserversorgung – aber nicht nur für die Beschneiung, sondern auch die Sicherstellung für Trink- und Löschwasser. Parallel dazu arbeiten wir an der Sanierung unseres Veranstaltungszentrums – aktuell in der Projektierungsphase mit dem Land – sowie an der Weiterentwicklung unserer sportlichen Anlagen. Ein weiteres wichtiges Thema sind Alltagsradwege. Hier sind wir mit der Baubezirksleitung in Gesprächen, vor allem entlang der Hauptverkehrsachsen, wo es immer wieder brenzlige Situationen gibt. Die Sanierung der Gemeindestraßen beschäftigt uns dauerhaft und aufgrund der teils kostenintensiven Sanierungen ist man nicht immer in der Lage größere Teilsanierung sofort umzusetzen. Wir sind aber stets bemüht, unser Straßennetz so gut wie möglich in Schuss zu halten.“
Wie ist die finanzielle Situation der Gemeinde?
„Wir haben einen positiven Rechnungsabschluss und können Rücklagen bilden. Glücklicherweise haben wir durch den Tourismus Einnahmen und somit die Möglichkeit, in Projekte zu investieren. Trotzdem sind die finanziellen Belastungen für Gemeinden enorm. Es kommt immer mehr auf uns zu – mehr Aufgaben, aber weniger Geld.“
Wie entwickelt sich Ramsau als Wohnort?
„Die Nachfrage nach Wohnraum ist groß, und das treibt die Preise in die Höhe. Die Frage ist, wie lange sich das Einheimische noch leisten können. Ich habe die Sorge, dass dadurch junge Menschen abwandern. Das hätte auch Auswirkungen auf das Vereinsleben und die soziale Struktur im Ort. Als Vorbehaltsgemeinde mit Beschränkungszonen haben wir hier nur begrenzte Möglichkeiten, und Diskussionen wie die Abschaffung der Leerstandsabgabe machen die Situation nicht einfacher.“
Welche Rückmeldungen aus der Bevölkerung nehmen Sie besonders mit?
„Wir haben im vergangenen Jahr erstmals eine Bürgerversammlung in dieser Form abgehalten – aufgeteilt zwischen Bürgermeister, Vizebürgermeister und Gemeindekassier. Die Rückmeldungen waren sehr positiv, vor allem was unsere Zusammenarbeit betrifft. Die Leute sehen, dass wir gut zusammenarbeiten – und das wird geschätzt. Ein konkretes Ergebnis war etwa die Anpassung der Geschwindigkeitsregelung beim Mühlenparkplatz. Dort wurde der 50er-Bereich ausgeweitet, weil es zuvor in einer Kurve mit querenden Fußgängern einen gefährlichen 70er gab.“
Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden Jahre gesetzt?
„Die stetige Weiterentwicklung unseres Ortes – und vor allem die gute Zusammenarbeit. Wenn man miteinander arbeitet, kann man sehr viel erreichen. Wir wollen die Anliegen der Bürger so gut wie möglich umsetzen, müssen uns aber natürlich auch nach der Decke strecken, was die Finanzen betrifft.“
Vielen Dank für das Gespräch!
