Drei Schutzgebiete, ein Ziel: Der Nationalpark Gesäuse, der Nationalpark Kalkalpen und das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal setzen sich gemeinsam für die Bestandsvergrößerung des Luchses in den nördlichen Kalkalpen ein und fordern nächste ...
Drei Schutzgebiete, ein Ziel: Der Nationalpark Gesäuse, der Nationalpark Kalkalpen und das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal setzen sich gemeinsam für die Bestandsvergrößerung des Luchses in den nördlichen Kalkalpen ein und fordern nächste Schritte.
Obwohl der Luchs als heimische Tierart seit Jahrzehnten gezielt geschützt wird, zeigt die aktuelle Entwicklung in den nördlichen Kalkalpen dringenden Handlungsbedarf: Derzeit leben nur sieben Luchse in dieser Region, denn seit 2018 wurde kein Nachwuchs mehr verzeichnet. Aufgrund des Alters und der engen Verwandtschaft der Tiere werde dieser wohl auch in Zukunft ausbleiben, wie Fachleuchte prognostizieren. Ohne gezielte Maßnahmen wird das Luchsvorkommen somit in den nächsten Jahren wohl ganz verschwinden.
Bevölkerung für den Luchs
Um ein Überleben des Luchses langfristig zu sichern, will man nun die Einwanderung einzelner Luchse aus benachbarten Regionen ermöglichen. Die Voraussetzungen dafür sind günstig, da der Luchs als heimischer Waldbewohner eine wichtige ökologische Rolle spielt. Für den Menschen ist die größte europäische Katzenart völlig ungefährlich und genießt bei der Bevölkerung durchaus Sympathie: Über 80 Prozent hegen demnach eine positive Grundeinstellung gegenüber dem Luchs (Ulrike Pröbstl-Haider, Leben mit dem Luchs, 2024). Zudem könnte die Region der Nördlichen Kalkalpen nicht optimaler sein: Das östliche Gebiet des Gebirges, das sich über die Bundesländer Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich erstreckt, umfasst rund 12.000 km², die zu über 72 Prozent mit Wald bedeckt sind.
Politisches Engagement gefordert
Da die Vergangenheit gezeigt hat, dass einzelne Auswilderungsprojekte langfristig nicht erfolgreich sind, bemüht man sich nun um eine breite internationale Zusammenarbeit. Aus diesem Grund hat sich auch die europäische Plattform „Linking Lynx“ gebildet, die sich erfolgreich darum bemüht, ausreichend Tiere zur Verfügung zu stellen, zwischen denen ein genetischer Austausch möglich ist. Um den Luchsbestand in Slowenien, Italien, Schweiz, Deutschland und Tschechien nachhaltig abzusichern, braucht es eine Verbindung in die nordöstlichen Kalkalpen. Dadurch bekommt die Luchspopulation hierzulande auch eine internationale Bedeutung. Somit liege es nun an Österreich, mit ernsten Bestrebungen die Luchspopulation in den Kalkalpen zu vergrößern und damit nicht nur den hier lebenden Tieren ein Überleben zu ermöglichen, sondern als kompetenter Partner für einen grenzüberschreitenden Naturschutz einzutreten, heißt es von Seiten der drei Schutzgebiete.
20 neue Tiere
Auf Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen wird die Freilassung von rund 20 Luchsen vorgeschlagen. Die Tiere können sowohl aus Wildfängen als auch aus spezialisierten Zuchtprogrammen stammen. Wie gut sich das Gebiet rund um die Nationalparks Gesäuse und Kalkalpen, dem Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal sowie den Quellenschutzwäldern der Stadt Wien eignet, zeigt eine aktuelle Habitatstudie. Ausschlaggebend dafür ist die hohe Dichte an Schutzgebieten, die zentral im Projektgebiet liegen und den nachhaltigen Schutz der Tiere ermöglichen können. Neben einem fundierten Monitoring sollen Luchsarbeitskreise mit Grundeigentümern, Jägerschaft, Behörden, unterschiedlichen Organisationen und Wissenschaft zum Informationsaustausch und Interessensabgleich entstehen.