Im Juli wird die 220-kV-Leitung vom Netz genommen, danach folgt die Demontage und Neuerrichtung. Manche Masten werden um bis zu zehn Meter höher.
Die Wiesen entlang der B320 sind seit Kurzem mit mehreren neuen Schotterstraßen durchzogen. Die Wege ...
Im Juli wird die 220-kV-Leitung vom Netz genommen, danach folgt die Demontage und Neuerrichtung. Manche Masten werden um bis zu zehn Meter höher.
Die Wiesen entlang der B320 sind seit Kurzem mit mehreren neuen Schotterstraßen durchzogen. Die Wege führen direkt zu den Strommasten der 220-kV-Leitung, die zum Teil großräumig eingezäunt sind. „Es sind die ersten sichtbaren Arbeiten für die Generalsanierung der Ennstalleitung“, sagt der Sprecher der Austrian Power Grid (APG), Stefan Walehrach. Die Ennstalleitung erstreckt sich vom Umspannwerk Wagrain auf einer Strecke von 73 Kilometern bis zum Umspannwerk Weißenbach bei Liezen.
Wichtige Ader des Stromnetzes
Die bestehende Leitung ist seit über 70 Jahren in Betrieb und den Anforderungen einer modernen Energieversorgung nicht mehr gewachsen. Sie ist ein wichtiger Abschnitt der Ost-West-Verbindung in Österreich und ein essenzielles Puzzleteil für die Energiewende. Überschüssiger Windstrom aus dem Burgenland kann so zu den Pumpspeicher-Kraftwerken nach Salzburg geliefert werden. Auf diese Weise kann Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu einem späteren Zeitpunkt wieder ins Netz gespeist werden.
Behördliche Genehmigung
Per Edikt (Bekanntmachung) wurde 2022 die Generalerneuerung ausgeschrieben, die Verhandlung dazu erfolgte im Juli in der Kulturhalle in Gröbming. Das Vorhaben war im Ennstal nicht unumstritten: Manche Anrainer kündigten Widerstand an, in Schlad ming formierte sich eine Bürgerinitiative, die für ein Erdkabel kämpfte. Nachdem das Verfahren durch die Instanzen gewandert ist, erfolgte die behördliche Genehmigung. Seit Anfang 2025 werden bauvorbereitende Maßnahmen durchgeführt, wie die detaillierte Planung der Zuwege zu den Standorten.
Höhere Masten, mehr Strom
Jeder einzelne Mast muss angefahren werden können, denn alle Komponenten – vom Fundament bis zum Isolator – werden im Zuge der umfangreichen Generalsanierung getauscht. Das gilt auch für die Leiterseile, obwohl diese erst im Jahr 2021 erneuert wurden: Sie weichen nun einem sogenannten Zweierbündel. Dadurch bleibt zwar die Spannung gleich, der Stromdurchfluss wird aber annähernd verdoppelt. „Der damalige Tausch der Leiterseile war nicht mehr aufschiebbar. Obwohl die Generalsanierung schon anberaumt war, hätte ein weiterer Aufschub die Sicherheit des Netzes gefährdet“, sagt Walehrach. Dass die Leiterseile für wenige Jahre neu eingezogen werden mussten, sei auch der Verzögerung beim Bau der Salzburgleitung geschuldet gewesen. Mit dem Umbau verändert sich auch die Optik im Ennstal: Die neuen Masten werden zwar an den alten Stellen errichtet, wachsen jedoch um bis zu zehn Meter in die Höhe. Grund dafür ist die neue Zweierbündelleitung, die stärkere elektromagnetische Felder verursacht. Die größere Konstruktionshöhe kompensiert diesen Effekt, sodass die Feldbelastung am Boden unverändert bleibt oder sogar sinkt.
„Keine Auswirkung auf Versorgung“
Sobald die Baustraßen fertiggestellt sind, beginnt der Abbau der bestehenden Leitung. Die gesamte Strecke ist in fünf Baulose unterteilt, die Arbeiten werden aber großteils parallel ausgeführt. Die Hauptarbeiten starten in diesem Sommer, die Fertigstellung ist Mitte 2028 vorgesehen. Ab 20. Juli wird die Ennstalleitung komplett vom Netz genommen. „Das wird aber keine Auswirkungen auf die Stromversorgung haben“, beruhigt Walehrach. Das Netz sei ohnehin redundant ausgebaut und überschüssige Energie könne in der Zwischenzeit über andere bestehende Leitungen fließen. Sobald die Generalsanierung abgeschlossen ist, werden die Wege größtenteils wieder rückgebaut. Danach rückt die Liezen-Leoben-Leitung in den Fokus der APG. Diese 220-kV-Leitung wurde 1958 in Betrieb genommen und verbindet die Umspannwerke Weißenbach und St. Peter am Freienstein. Dort gilt es ebenfalls rund 70 Kilometer vollkommen zu erneuern.