Die Autismus-Spektrum-Störung tritt meist früh in der Kindheit auf und hat Einfluss auf die sozialen, akademischen, beruflichen und persönlichen Fähigkeiten. Da es zu Störungen bei der Entwicklung des Nervensystems kommt, können ...
Die Autismus-Spektrum-Störung tritt meist früh in der Kindheit auf und hat Einfluss auf die sozialen, akademischen, beruflichen und persönlichen Fähigkeiten. Da es zu Störungen bei der Entwicklung des Nervensystems kommt, können Dysfunktionen des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit, der Sprache und der Wahrnehmung sowie des Problemlösens und der sozialen Fähigkeiten auftreten.
Der Unterschied zur neurotypischen Entwicklung ist eine weniger ausgeprägte Fähigkeit Wahrnehmungsreize zu filtern. Daher kommt es zu individuell und situativ verschieden starker Ausprägungen von Reizüberflutung mit Überforderung. Das löst dann reflexartige und wieder sehr individuelle Schutz- beziehungsweise Abwehrmechanismen aus.
Die Ausprägungen der Autismus-Spektrum-Störung sind vielfältig. Dennoch kann man in drei Überkategorien unterscheiden, in denen sich Autismus bemerkbar macht. Erstens die veränderte soziale Interaktion. Es geht dabei um das Lösen von Problemen im sozialen Umfeld, den Umgang damit und den Austausch darüber. Zweitens die verbale sowie die nonverbale Kommunikation und drittens ein eingegrenztes beziehungsweise selektives Interessenspektrum plus einer Neigung zur Stereotypie. Oftmals ist es für Betroffene schwierig bis unmöglich, von gelernten Routinen abzuweichen und sich an spontane Änderungen anzupassen.
Man kann verschiedene Formen des Autismus unterscheiden. Heute geht man im Gegensatz zu früher jedoch davon aus, dass es zwischen den Formen einen fließenden Übergang gibt. Beginnend mit dem Frühkindlichen Autismus. Dieser beinhaltet die Manifestation im Verhalten vor dem dritten Lebensjahr. Andere Namen sind infantiler Autismus oder Kanner-Autismus. Es kommt zur Verzögerung der Sprachentwicklung und rund 30 Prozent der Betroffenen ist keine Lautsprache möglich und es kann auch zur Minderung der Intelligenz kommen. Danach folgt der Niedrigfunktionale Autismus. Es handelt sich auch hier um eine sehr deutliche Ausprägung der oben genannten Symptome. Dennoch passiert es häufig, dass trotz krankheitsbedingter Intelligenzminderung diese zu niedrig eingeschätzt wird. Bei Hochfunktionalen Autismus handelt es sich um ähnliche Ausprägungen wie im frühkindlichen Autismus, nur mit normaler oder hoher Intelligenz. Weiters gibt es noch das Asperger-Syndrom. Es kann mit erhöhter Intelligenz oder einer Inselbegabung einhergehen und ist nach dem Mediziner Hans Asperger benannt. Es gibt auch den Begriff
Atypischer Autismus. Darunter verstand man früher alle Autismusformen, die sich vom „typischen Autismus“ unterschieden haben.
Woher die Autismus-Spektrum-Störung kommt, ist oftmals nicht bekannt. Dennoch gibt es einige Fälle in denen das angeborene Röteln-Syndrom, Zytomegalie, Phenylketonurie, tuberöser Sklerosekomplex und ein fragiles-X-Syndrom aufgetreten sind. Auch die Vererbung der Autismus-Spektrum-Störung wird diskutiert und dass Kinder von Eltern mit eben
dieser Erkrankung ein erhöhtes Risiko tragen, auch davon betroffen zu sein. Dennoch ist die Vererbung komplex und es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Ein einzelnes dafür verantwortliches Gen gibt es wohl nicht, sondern eher kommt es zum Zusammenspiel verschiedener Gene. Es handelt sich also um eine polygen vererbte Störung. Aktuell sind laut verschiedenen Studien biologische und hirnorganische Faktoren die Hauptursache. Für eine genetische Vererbung sprechen verschiedene Punkte. Zum Beispiel ist das Risiko zu erkranken bei Geschwistern von Betroffenen fünfzig- bis hundertmal höher als in der durchschnittlichen Bevölkerung. Bei eineiigen Zwillingen liegt das Risiko bei 60–95 Prozent.
Die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung ist sehr komplex und wird immer von Fachkräften durchgeführt. Gibt es den Verdacht einer ASS, folgt eine detaillierte Diagnostik.
Am 2. 4. 2025 findet wieder der Welt-Autismus-Tag statt. Dieser soll auf den Aufbau einer inklusiven Gesellschaft für Autist/innen aufmerksam machen.
Christina Gösweiner