Auszeichnung für Gemüse-Pionier und Waldbäuerin
29.05.2026 WirtschaftIm Bezirk Liezen wird Landwirtschaft mit viel Innovationsgeist betrieben – das beweisen zwei Betriebe, die im Rahmen des Wettbewerbs „Bauernhof des Jahres 2026“ ausgezeichnet wurden.
Die Landwirtschaftskammer kürte kürzlich den „Bauernhof ...
Im Bezirk Liezen wird Landwirtschaft mit viel Innovationsgeist betrieben – das beweisen zwei Betriebe, die im Rahmen des Wettbewerbs „Bauernhof des Jahres 2026“ ausgezeichnet wurden.
Die Landwirtschaftskammer kürte kürzlich den „Bauernhof des Jahres 2026“. Unter den Top-Platzierten finden sich auf zwei Betriebe aus dem Bezirk Liezen: Michael Windberger aus Schladming und Anna Pribil aus Landl. Michael Windbergers „Garten am Berg“ in Schladming ist weit über die Region hinaus in vieler Munde. Der innovative Landwirt gilt mittlerweile als Pionier im alpinen Bio-Gemüsebau, dessen Wissen sehr gefragt ist: „Den Wissenstransfer möchte ich auch weiter ausbauen. Mir ist Bewusstseinsbildung nämlich ein ganz großes Anliegen,“ gibt Windberger Einblick in seine Zukunftspläne. Angebaut wird im „Garten am Berg“ einiges: „Ich habe mir zunächst einmal eine zwei Hektar große Pachtfläche in 960 Metern Seehöhe zugelegt, auf rund 3000 Quadratmetern baue ich inzwischen 30 bis 40 Gemüsearten, insgesamt an die 120 Gemüsesorten, an. Mein Ziel ist es, nicht unbedingt größer zu werden, aber auf jeden Fall breiter im Angebot. Kartoffeln gibt es schon, Legehennen folgen demnächst, Getreide steht am Plan. Ich möchte den Lebensmittelbedarf meiner Kunden möglichst gut abdecken können.“ Die alpine Lage ist dabei übrigens eines der großen Qualitätsgeheimnisse. Die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, das insgesamt rauere Klima, die intensive Sonneneinstrahlung, all das sind Komponenten, die die Qualität fördern – der Geschmack ist intensiver, der Gehalt an Inhaltsstoffen, speziell der sekundären Pflanzenstoffe, ist höher, der Schädlingsdruck geringer, erklärt der Vollerwerbsbauer. Vermarktet wird über Bio-Gemüsekisterl, Gastronomiebetriebe, Bioläden und am Bauernmarkt.
Waldbäuerin und Klimapsychologin
Fest in Frauenhand sind die naturnahen Waldflächen vom Spreitzenhof in Landl am Rande des Naturparks Steirische Eisenwurzen. Wenn Anna Pribil (33) mit ihren Töchtern Helena (7) und Aurelia (2) einen Kontrollgang durch ihre Wälder macht, ist sie überzeugt, gut für den bevorstehenden Klimawandel vorbereitet zu sein. „Mehr als ein Drittel der Bestände ist Laubholz, jeder Bestand enthält mehrere Baumarten und wir nutzen immer kleinflächig“, meint sie. Nach den vielen Störungen in den vergangenen Jahren durch Wind und Borkenkäfer hat sich der Betrieb neu orientiert. „Mit einer guten Erschlie- ßung von 80 Laufmeter am Hektar kann man waldbaulich gezielt eingreifen, braucht keinen Seilkran und beschleunigt die Umwandlung in Dauerwald“, ist sich Pribil sicher. Der jährliche Einschlag wird mit Forstunternehmen und Bauernakkordanten aus der Region durchgeführt. Dickungen, die aus den Windwürfen hervorgegangen sind, werden intensiv geläutert und so deren Mischung und Struktur für die Zukunft vorbereitet. Die Waldflächen werden selbst bejagt – somit hat man die Steuerung des Gleichgewichts von Wald und Wild selbst in der Hand. Auch der Naturschutz kommt nicht zu kurz: Trittsteinbiotope und zahlreiche Totholzbäume finden sich mitten im Wirtschaftswald. Gerade wird an einem Renaturierungsprojekt für Amphibien gemeinsam mit dem Naturpark gearbeitet. Im Zweitberuf ist die Waldbäuerin Klimapsychologin: „Bei mittelgradigen Depressionen ist Bewegung im Wald ein gutes Heilmittel“, weiß die Expertin. Im Wald geht Pribil, die gerade eine weitere Ausbildung zur Psychotherapeutin macht, viele innovative Wege auch abseits vom täglichen Holzgeschäft. Regelmäßig finden Resilienzspaziergänge und Wald-Yoga-Veranstaltungen statt.

