Wolfszaun in Gaishorn errichtet

Präsentation eines Pilotprojekts in der Wolfsthematik: Anni Gasteiner und Sepp Rainer, Bauern aus Gaishorn, Landwirtschaftskammer-Obmann Peter Kettner und Reinhard Huber von der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein (von links).

500.000 Euro stellt Tirol für den Herdenschutz zur Verfügung. Das Land Salzburg hat bereits doppelt soviel an Fördermittel verteilt. In der Steiermark steht man erst am Anfang: Ein Pilotprojekt wurde in Gaishorn am See umgesetzt.
Zwischen Gaishorn und Tregl­wang, direkt neben der B 113 Schoberpass-Straße, wurde im Juni ein Mutterkuhkalb von einem Wolf gerissen. Diese Weide wird nun von einem speziellen Herdenschutzzaun umrandet und damit wolfssicher gemacht. Der Anstoß kam von Bauernkammer-Obmann Peter Kettner: „Unsere Bauern waren in Sorge um ihre Tiere und wir haben beraten, was wir tun können.“ Sein Bemühen um eine Lösung zeigte Erfolg: Mit der Spezial-Umzäunung dieser Weide genehmigte Umweltlandesrätin Ursula Lackner ein steiermarkweites Pilotprojekt. Kostenpunkt: 8600 Euro für 1,6 Hektar Weideland. Im Direkt-Vergleich liegt die Anschaffung eines Standardzauns für dieselbe Weide bei rund 1000 Euro. Kosten, die auf die gesamte Weidenfläche des Bezirkes den Rahmen sprengen würden, so Kettner: „Um die rund 16.000 Hektar Nettoweideflächen mit Herdenschutzzäunen zu versehen, würde das rund 100 Millionen Euro kosten. Das ist eine Summe, die niemand stemmen kann.“ Im Schnitt würden die Kosten pro Bauer bei rund 50.000 Euro liegen. Wichtigstes Merkmal eines Herdenschutzzauns ist der geringe Bodenabstand. „Der Wolf versucht immer unter dem Zaun durchzuschlüpfen. Deshalb wird die unterste Litze schon bei 20 cm Höhe gespannt“, so Reinhard Huber von der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein, der das Pilotprojekt in Gaishorn begleitet. Zusätzlich ist ein Herdenschutzzaum stromführend.
Zukunftsmodell Sender
Besonders problematisch sei das wolfssichere Einzäunen auf der Alm, sagt Huber. Neben der schweren Erreichbarkeit mit Fahrzeugen und des größeren Materialaufwandes sei auch die Wartung von Herdenschutzzäunen besonders auf Almweiden ein Thema: „Aufgrund des großen Schneedrucks muss der Herdenschutzzaun im Herbst abgebaut und im Frühjahr wieder aufgestellt werden“, gibt Huber zu bedenken. Für Landwirtschaftskammer-Obmann Peter Kettner ist dieser Aufwand nicht tragbar: „Für Einzelbetriebe kann ein Herdenschutzzaun schon eine Lösung sein, doch sicherlich nicht flächendeckend über den ganzen Bezirk.“ Eine Möglichkeit sehen Huber und Kettner darin, Weidetiere mit einem Sender auszustatten. „Damit haben wir bereits im Vorjahr begonnen“, so Kettner. Aktuell sind es bezirksweit 250 Sender, die man auf Rinder und Schafe verteilt hat. Somit sind diese Tiere jederzeit leicht zu orten. „Wird eine Problemsituation vermutet, hat der Bauer seine Tiere immer im Auge“, so Kettner. Die Kosten sind im Gegensatz zu Herdenschutzzäunen gering. Bei 100 bis 150 Euro liegt der Preis pro Sender. Nun hofft man auf eine zügige technologische Weiterentwicklung. „Diese Technik ist noch nicht völlig ausgereift. Zusätzliche Funktionen und eine längere Laufzeit des Akkus wären hilfreich“, sagt Reinhard Huber.  
Wann wird der Wolf zum Problem?
Laut dem Geschäftsführer des Österreichzentrums Bär, Wolf, Luchs gibt es in der ganzen Steiermark derzeit kein einziges Anzeichen, das auf ein Ansiedeln eines Wolfsrudels deutet. Vielmehr handle es sich um Wanderbewegungen von sehr wahrscheinlich jüngeren Tieren, die ihr Rudel verlassen haben, um sich auf die Suche nach einem neuen Territorium zu machen. „Heuer ist diese Wanderzeit vorbei“, so Blaschka, „was allerdings nicht heißt, dass das im nächsten Jahr nicht wieder vorkommt.“ Die Sorge von Landwirtschaftskammer-Obmann Peter Kettner gilt dabei vor allem Tieren mit auffälligen Verhaltensweisen. Doch wann wird ein Wolf eigentlich zum Problemwolf? Eine Frage, die in Österreich noch nicht geklärt ist. Einzig das Land Salzburg hat eine Definition für den Wolf festgelegt. Zwar existiert ein Wolfsmanagementplan, der Anleitungen für ein positives Miteinander zwischen Wolf und Mensch gibt, doch ist dieser Plan mittlerweile acht Jahre alt. „Derzeit wird an einer Aktualisierung gearbeitet. Bis Herbst wird der neue Wolfsmanagementplan fertiggestellt sein“, eröffnet Blaschka. Darin wird auch die Definition eines Problemwolfs enthalten sein, der für ganz Österreich Gültigkeit hat.