Weiteres Bangen um das Alouette-Nachfolgemodell

Die über 50 Jahre alte Alouette III leistete wertvolle Dienste. Ein Nachfolgemodell muss dringend bestellt werden.

Die über 50 Jahre alten Hubschrauber sollen Medienberichten zufolge weitere fünf Jahre durchhalten. Nachdem es bereits jetzt keine Ersatzteile mehr gibt, müssen die Geräte spätestens 2023 ausgemustert werden. Unter Berücksichtigung der Vorlaufzeit von der Bestellung bis zur Einsatzfähigkeit eines Nachfolgemodells gäbe es jedoch für einige Jahre keine Alternativen zur Alouette.
Bereits unter dem ehemaligen Bundesminister Hans Peter Doskozil gab es die Zusage, ein Nachfolgemodell zu beschaffen. Auch sein Nachfolger Mario Kunasek sprach sich klar und deutlich für eine Nachbeschaffung sowie den Standort Aigen aus und hat bereits die Finanzierung mittels Sonder­invest vorgesehen. Dann kam Ibiza. Interimsverteidigungsminister Starlinger zeigte die kaputtgesparten Verhältnisse des Heeres auf, machte sich aber ebenfalls stark für die Heereshubschrauber. Seit Jänner ist Klaudia Tanner Bundesministerin für Landesverteidigung und es wurden Gerüchte laut, dass es seitens des Generalsekretärs Pläne gebe, das Sonder­invest für die Neubeschaffung der Hubschrauber anderweitig zu verwenden. Ursprünglich war die Ausmusterung für 2023 geplant und ist sogar im Regierungsprogramm fix eingeplant. Wo es konkret heißt, dass die bereits eingeleitete Hubschrauberbeschaffung als Nachfolge der auszumusternden 50-jährigen Alouette III, insbesondere im Hinblick auf Katastrophennotlagen, durchgeführt werde.
Taktisches Spiel?
Die Verzögerungstaktik sei unverständlich. „Jeder Verteidigungsminister der letzten Jahre hat sich unseren Horst vor Ort angesehen und sich von unserer Leistungsfähigkeit überzeugt“, sagt Personalvertreter Heimo Maringer. „Wenn es in Aigen keine Hubschrauber mehr gibt, stellt sich der ganze Standort in Frage. Dann ist’s mit dem Fliegerhorst vorbei. Wir sprechen hier von knapp 270 Arbeitsplätzen.“ Die Mitarbeiter würden seit Jahren hingehalten werden, Demotivation und Personalabgänge seien die Folge. Die steirische Politik, allen voran Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, stellen sich hinter die Kaserne Aigen und die so notwendige Investition. Laut Kabinett fällt demnächst die endgültige Entscheidung, ob der Neukauf verschoben wird oder nicht. Schützenhöfer stellt klar: „Ich bin dazu in ständigem Austausch mit dem Bund. Nach Auskunft des Verteidigungsministeriums und des Bundeskanzleramts ist alles auf Schiene. Es wird eine Nachfolge der Alouette III für den Fliegerhorst Aigen geben, die Grundsatzbeschlüsse dazu wurden gefasst. Auch die zeitliche Dimension ändert sich nicht, es wird hier nichts verschoben werden!“ Schützenhöfer weiter: „Das Bundesheer hat mit den Hubschraubern vor allem im Katastropheneinsatz Großartiges für die Steiermark geleistet. Deshalb ist mir die rechtzeitige Nachbeschaffung ein besonderes Anliegen.“ Auch die Freiheitlichen fordern ein klares Bekenntnis des Bundesministeriums. „Frau Tanner ist aufgerufen, endlich für Klarheit zu sorgen. Im Mai hat der Generalstab alle relevanten Informationen einschließlich einer Empfehlung für die Nachbeschaffung der Ministerin übermittelt. Nun braucht es endlich eine Entscheidung“, sagt FPÖ-LAbg. Mario Kunasek. „Es geht nicht nur um die Kaserne in Aigen. Eine Verschiebung der Investition würde eine massive Niederlage sowie ein schwer aufzuholender Rückschritt für die Heereshubschrauberfliegerei bedeuten. Es käme zu weiteren Pilotenabgängen und für junge Piloten würde der Anreiz fehlen sich auf einem neuen Gerät ausbilden zu lassen“, betont Personalvertreter Vizeleutnant Uwe Kammerlander.
Militärische und zivile Aufgaben
Oberste Prämisse sei offenbar Kosten zu sparen. Dabei werde außer acht gelassen, welche wichtigen Aufgaben die Alouette sowohl militärisch als auch für die zivile Bevölkerung erfüllt. In den letzten fünf Jahren flog sie gut die Hälfte aller Flugstunden bei Assistenzeinsätzen. Würden jetzt keine Nachfolgemodelle kommen, können keine Katastropheneinsätze mehr geflogen werden und keine neuen Piloten mehr ausgebildet werden. Zudem würden bereits ausgebildete ihre Zulassung verlieren, wenn sie nicht genug Flugstunden abhalten können. Leistungen die bis jetzt erbracht wurden, wären nicht mehr möglich. Die alpine Flugrettung sei praktisch in Aigen geboren und wurde hier entwickelt. Ob Windenbergungen, Nachtfliegerei oder Wintereinsätze – hier wird in Extremsituationen trainiert.
Personalvertreter Vzlt. Uwe Kammerlander (Foto) erklärt die Wichtigkeit einer raschen adäquaten Nachbeschaffung: „Es lassen sich unzählige Assistenzeinsätze der Alouette III aufzählen, wie etwa Kaprun, Galtür oder in der Sölk. Ob bei Hochwasser, Schnee oder Waldbränden, die militärische Fliegerei kann selbst dann noch ausrücken, wenn andere Hubschrauber längst nicht mehr dafür ausgerichtet sind.“ Erst Anfang Juli wurde die Alouette III in die Bärenschützklamm gerufen, wo nach einem Felssturz acht teils schwer verletzte Wanderer geborgen wurden. Und nicht nur im Inland ist die Alouette III im Einsatz. Beispielsweise war der Hubschrauber in Bosnien im Einsatz und hat dort Menschenleben gerettet. Die Alouette III ist bereits über 50 Jahre alt. Wie jedes Gerät hat auch ein Hubschrauber eine Halbwertszeit und mit Materialermüdungen zu kämpfen. Nachdem es jetzt keine Ersatzteile mehr gibt, muss der Hubschrauber spätestens 2023 ausgemustert werden.
Mögliche Nachfolgemodelle
Die Stärken der Alouette liegen eindeutig im alpinen Einsatz, da könne die Agusta Bell 212 nicht mithalten. „Der 212er ist für unsere Topographie nicht geeignet“, erklärt Maringer. Außerdem sei der zweirotorblättrige Hubschrauber sehr laut und der Bevölkerung nicht zumutbar. Als Nachfolgemodell kommen zwei Typen in Frage: Der deutsche Airbus H145 und der italienische Augusta Westland 169. Aus sicherer Quelle hat der „Ennstaler“ erfahren, dass BM Klaudia Tanner letzte Woche einen Termin bei Airbus hatte. „Gott sei Dank hat unsere Bundesministerin das letzte Wort. Was sie unterschreibt wird‘s“, zeigt sich Maringer hoffnungsvoll.