So soll Liezens Quarantäne verhindert werden

„Wir ersuchen die Eltern um Verständnis, dass nur durch die Schließung der MS Liezen die Infektionskette unterbrochen werden kann“, sagt Bezirkshauptmann Christian Sulzbacher.

Die Corona-Neuinfektionen in der Bezirkshauptstadt steigen. Um eine Quarantäne abzuwenden, appelliert Bürgermeisterin Roswitha Glashüttner an die Bevölkerung.

Aufgrund eines Corona-Clusters ist die MS Liezen seit Montag geschlossen. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 354 sei besondere Vorsicht geboten, denn die Zahlen sind weiterhin am Steigen und nähern sich der 400er-Marke. Ab diesem Grenzwert könne eine Quarantäne über die Stadt verhängt werden, erklärt Bezirkshauptmann Christian Sulzbacher. Liezens Bürgermeisterin Roswitha Glashüttner appelliert in einem Brief an die Bürger, die Maßnahmen zu befolgen und vor allem die persönlichen Kontakte zu reduzieren. Eine Quarantäne würde nicht den gesamten Bezirk betreffen, denn hier sei man noch weit unter der 400er-Grenze. Abgesehen davon sei eine Abriegelung des gesamten Bezirks logistisch nicht möglich. Mehr als die Hälfte der Infektionen sei auf die britische Mutation zurückzuführen. Dass diese Version des Virus gefährlicher sei als die ursprüngliche Corona-Variante, kann der Bezirkshauptmann nicht bestätigen.

Die Corona-Neuinfektionen in der Bezirkshauptstadt steigen. Um eine Quarantäne abzuwenden, appelliert Bürgermeisterin Roswitha Glashüttner an die Bevölkerung.

Seit Montag ist die MS in Liezen geschlossen. Grund: Ein Corona-Cluster hat sich in der Schule gebildet. Auch die britische Mutation wurde festgestellt. Betroffen sind sowohl Lehrer als auch Schüler. Der Unterricht findet via Distance-Learning statt, an ein Öffnen denkt man erst wieder mit 22. März. „Da einige Schüler auch Kontakt zu Schülern anderer Bildungseinrichtungen hatten, haben wir intensiv ermittelt, ob es Zusammenhänge bei Infektionsfällen gibt“, sagt Bezirkshauptmann Christian Sulzbacher, der am vergangenen Mittwoch jedoch Entwarnung geben konnte: „Derzeit ist es nicht angedacht, weitere Schulen zu schließen.“ Trotzdem ist weiterhin besondere Vorsicht angebracht, gerade in der Bezirkshauptstadt. Hier liegt die 7-Tage-Inzidenz mit 354 zwar unter der markanten 400er-Grenze, doch die Zahlen steigen weiter. Am 12. und 13. März wurden in Liezens Teststraße 15 Personen positiv auf das Corona-Virus getestet – an diesen beiden Tagen das höchste Ergebnis steiermarkweit. Im Vergleich: In der selben Zeitspanne wurde kein einziger positiver Fall in den Teststraßen in Schladming und Bad Aussee sowie in den mobilen Testbussen festgestellt. Für die Bezirkshauptmannschaft eine Entwicklung, die ein Eingreifen erfordert: „Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 300 setzen wir intensive Maßnahmen, damit die 400 nicht erreicht wird“, betont Sulzbacher, denn ab diesem Grenzwert kann eine Quarantäne über die Stadt verhängt werden.

Appell an alle Stadtbürger

Nachdem Liezens Bürgermeisterin bereits in den letzten Tagen auf sozialen Medien dazu aufgerufen hat, die Maßnahmen einzuhalten, erreicht heute ein Brief mit derselben Botschaft alle Haushalte. „Die steigenden Infektionszahlen sind besorgniserregend und machen uns natürlich sehr betroffen. Dies vor allem kurz vor Ostern, wo wir die Hoffnung auf Erleichterungen und mehr Freiheit hatten. Daher sind wir alle gefordert, alle Maßnahmen zu befolgen, das Angebot der kostenlosen Testungen zu nützen und vor allem die persönlichen Kontakte zu reduzieren. Denn wir verfolgen doch alle das gleiche Ziel: Gesund aus dieser Krise zu kommen“, appelliert Bürgermeisterin Roswitha Glashüttner. Auch im Rathaus wurden die Corona-Maßnahmen verschärft, heißt es von Seiten der Stadtgemeinde. Das Zusammentreffen von Ausschüssen würde in den virtuellen Raum verlegt und Gemeinderatssitzungen könnten künftig online verfolgt werden. Darüber hinaus wurde der örtliche Bauernmarkt bereits auf den Hauptplatz übersiedelt, wo mehr Platz zur Verfügung stünde, um die Abstandsregeln besser einhalten zu können.

Bezirk wird nicht abgeriegelt

Sollten trotz dieser Maßnahmen die Infektionszahlen in Liezen weiterhin steigen, könnte eine Quarantäne verhängt werden. Diese würde jedoch ausschließlich die Bezirkshauptstadt und nicht den gesamten Bezirk betreffen, betont Bezirkshauptmann Christian Sulzbacher, denn die 7-Tage-Inzidenz des Bezirks Liezen liege weit unter der 400er-Grenze. Überhaupt sei eine Abriegelung des gesamten Bezirks logistisch einfach nicht machbar. Um jede Straße, die aus dem Bezirk hinausführt, zu überwachen, wäre ein ganzes Bataillon an Soldaten erforderlich, so Sulzbacher. Weshalb die Situation in Liezen angespannter ist als in Trieben – hier liegt die 7-Tages-Inzidenz derzeit bei 600 – führt der Bezirkshauptmann auf das Infektionsgeschehen zurück. In Trieben sei vor allem eine Familie stark betroffen, die sofort abgesondert wurde. In Liezen gäbe es viele verschiedene Fälle.

Britische Mutation auf dem Vormarsch

Über 50 Prozent aller Corona-Erkrankungen in der Steiermark sind auf die britische Mutation zurückzuführen. Im Bezirk Liezen liegt dieser Prozentsatz sogar noch höher. Trotz dieser Entwicklung gäbe es im Bezirk Liezen nur sehr wenige schwere Fälle unter den Erkrankten, betont Bezirkshauptmann Christian Sulzbacher: „Es kursiert das Gerücht, die britische Mutation sei gefährlicher als das ursprüngliche Covid-Virus. Das können wir derzeit nicht bestätigen.“ Neben der britischen breitet sich auch die südafrikanische und die brasilianische Mutation in Österreich aus. Im Bezirk Liezen gibt es derzeit keine Fälle. „Im Bundesland Salzburg gibt es bereits die brasilianische Mutation. Als direkt angrenzender Bezirk reagieren wir besonders sensibel, um eine weitere Ausdehnung zu verhindern.“ Wie erfolgreich getroffene Maßnahmen sein können, zeigte sich im Fall des Soldaten, der nach einem Heimaturlaub in Tirol die südafrikanische Mutation Anfang Februar in der Kaserne Aigen eingeschleppt hatte. „Durch die wirklich gute Zusammenarbeit mit dem Bundesheer ist es gelungen, die Situation in den Griff zu bekommen. Seither sind im Bezirk keine Fälle der südafrikanischen Mutation mehr aufgetreten“, so Sulzbacher.