Gastronomie fordert Öffnungsperspektive

Stieß der erste Lockdown zu Beginn der Coronakrise noch auf Verständnis, macht sich mittlerweile Unmut bei den Gastronomen breit. Foto: stock.adobe

Die Ungeduld wächst, die wirtschaftliche Situation spitzt sich weiter zu: Gastronomen und Hoteliers fordern rasches, kontrolliertes Hochfahren.
Die Regierung verkündete nach ihrem Austausch mit Fachexperten und Landeshauptleuten, dass der Lockdown für Gastronomie und Hotels mindestens bis Anfang April bestehen bleibt. Kurz darauf relativierte der Kanzler den Zeithorizont und stellte ein früheres Öffnen unter Auflagen in Aussicht, die Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen. Allem Anschein nach wird die Öffnung gekoppelt an Eintrittstests sein. „Dass es derzeit keine Öffnungsschritte für uns gibt, ist ein schwerer Schlag für die Branche“, sagt Klaus Friedl, WKO-Obmann der Fachgruppe Gastronomie. Die Betriebe seien mittlerweile an der Belastungsgrenze angelangt. Die aktuellen finanziellen Hilfen würden bei weitem nicht reichen, um den Betrieben das wirtschaftliche Überleben zu sichern.
Klare Öffnungsschritte
Auch Alfred Grabner, WKO-Obmann der Fachgruppe Hotellerie, fordert bei allem Verständnis für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Pandemie eine klare Öffnungsperspektive: „Man kann uns nicht monatelang immer um zwei Wochen vertrösten.“ Die Ungeduld der Betriebe wachse von Tag zu Tag und es sei an der Zeit, die Wirtschaft wieder etappenweise und sicher hochzufahren. „Während Menschen sich in Einkaufszentren drängen, stehen unsere Gasthäuser und Hotels leer. Es geht um Existenzen“, stellt Friedl klar und fordert klare Öffnungsschritte unter Rahmenbedingungen, die für die Betriebe auch wirtschaftlich vertretbar sind. „Spätestens wenn die Stundungen von Finanzamt und Gesundheitskasse auslaufen, fängt es an zu krachen“, sagt der Wirtschaftsbund-Obmann und langjährige Gastronom Franz Perhab, aber „wenn man auf touristische Gäste angewiesen ist, muss man es sich dreimal überlegen aufzusperren. Die Ortsgastronomie, die nicht abhängig vom Touristen ist, muss aufsperren.“
Kein Verständnis mehr
„Beim ersten Lockdown im März war eine gewisse Ungewissheit dabei. Es gab keine Erfahrungswerte und wir haben die Tatsachen hingenommen. Das Verständnis war da und der Sicherheitsgedanke stand im Vordergrund“, erzählt „Grafenwirt“-Chef Franz Danklmaier. Die auferlegten Richtlinien wie Faceshields und vorgegebene Abstände waren Gewohnheitssache. „Wir waren im Mai froh wieder öffnen zu dürfen und der Sommer war sogar über den Erwartungen. Nach dem zweiten Lockdown Anfang November wurde die Öffnung Woche um Woche verschoben. War zu Beginn noch von einigen Wochen die Rede, ist die Gastronomie bereits seit vier Monaten geschlossen. Die jetzige Perspektivenlosigkeit sei zermürbend. „Das Wichtigste wäre uns jetzt zu sagen, wie die Gastronomie aufs gesamte Jahr funktionieren kann. Jetzt könnten wir Vorbereitungen treffen, wie auch immer sie sein mögen.“
Planbarkeit
Man nehme mittlerweile sehr viel in Kauf um endlich aufsperren zu können, sagt Melitta Schnuderl, die es kaum erwarten kann wieder Gäste empfangen zu dürfen: „Es wird schon zäh. Wir werden alle Auflagen erfüllen, damit wir aufsperren können. Alles ist besser als zu zu haben.“ Sämtliche Sicherheitsvorgaben habe man mitgetragen, aber „langsam werden die Vorgaben der Regierung lächerlich. Wie sie mit uns umgehen ist ein Wahnsinn“, klagt Lambert Stiegler vom Hotel Loy in Gröbming und wünscht sich eine gewisse Planbarkeit.
Angstmache
Mit sporadischen Kochtagen hat sich das Gasthaus Schernthaner in Öblarn über Wasser gehalten. „Wir haben, so wie jeder, die Betriebskosten wo es ging heruntergedreht, dennoch müssen wir auf Ersparnisse zugreifen“, sagt Gerhard Schernthaner. Auch er sehnt eine baldige Öffnung herbei, wenngleich er befürchtet, dass sich der Zustrom seiner Gäste in Grenzen halten wird. „Nachdem ein Jahr lang Angstmache betrieben wurde, wird sich das nicht so schnell revidieren.“ Diese Entwicklung hat Ferenc Herczegh bereits im letzten Jahr festgestellt: „Ich hatte Stammgäste, welche mehrmals pro Woche bei mir waren. Die habe ich seit dem ersten Lockdown nicht mehr gesehen. Vor allem die Pensionisten fehlen mir sehr.“
Der Regionalstellenleiter der Wirtschaftskammer Ennstal/Salzkammergut, Christian Hollinger, hofft aus der Krise positive Entwicklungen dauerhaft mitzunehmen: „Corona hat mehr bewegt als in den Jahrzehnten davor passiert ist. Neben Umsatzersatz und Fixkostenzuschuss gab es speziell für die Gastronomie Erleichterungen wie ermäßigte Steuersätze, höhere Grenzen für die Pauschalierung und Erhöhung des Mobilitätspauschalsatzes. Nun haben viele die Hoffnung, dass diese Erleichterungen so bleiben und nicht mehr zurückgenommen werden.“