Ennstal-Classic: Nostalgie auf vier Rädern

Die Bergwertung auf den Stoderzinken ist eines der Highlights der Oldtimer-Rallye. Foto: Ennstal-Classic/Martin Huber

Über 1000 Kilometer, 227 Teams aus 15 Nationen, sechs reine Ladies-Teams, strahlendes Sommerwetter bei moderaten Temperaturen – das war die Ennstal Classic 2021. Fritz Radinger und Thomas Wagner konnten heuer das legendäre Oldtimer-Rennen für sich entscheiden.

Zahlreiche Fans klassischer Fahrzeuge säumten die Wegstrecken quer durch Österreich und ließen sich das Event nicht entgehen. „Es ist ein Wunder, dass diese Ennstal-Classic überhaupt stattfindet“, begrüßte Veranstalter Helmut Zwickl die zur Eröffnungsnacht im Imlauer-Hotel Schloss Pichlarn versammelten Teilnehmer, Freunde und Fans der Ennstal-Classic. Tatsächlich mussten für den Event dank der Corona-Pandemie Entscheidungen zu einem Zeitpunkt getroffen werden, an dem noch lange nicht feststand, ob eine Veranstaltung dieser Größenordnung überhaupt stattfinden kann. 

Mit ihrem vierten Sieg schließen die Top-Fahrer Radinger und Wagner zum legendären Duo Rudolf Schraml und Helmut Artaker auf, die den Bewerb in den Nuller-Jahren viermal gewinnen konnten. Der Sieg nahm diesmal aber erst ab dem Marathon Form an, ein ansehnlicher Rückstand vom ersten Tag konnte aufgeholt werden. Besonderen Jubel fuhr das Schwestern-Team Margarita und Magdalena Voglar ein, die ihren Alfa Romeo Giulia TI auf den zweiten Platz fuhren. Bei der erst fünften Teilnahme gab Pilotin Margarita zu Protokoll, „diesmal einfach keine Fehler gemacht zu haben“. Und an die Adresse des langjährigen Ennstal-Partizipanten Voglar Senior weitergereicht: „Was wir können, haben wir sicher von unserem Vater gelernt. Aber ab jetzt kann der Vater von uns lernen.“ Den dritten Platz erreichten Erich und Roswitha Volk mit einem Ford Mustang Fastback, ebenfalls alte Bekannte der Ennstal-Familie. Im nächsten Jahr dürfen sich Fahrer und Fans übrigens auf die 30. Ausgabe des Events freuen.

Die Stationen

Der Donnerstag-Prolog hatte eine Länge von 397 Kilometer und führte über vier Pässe. Gleich zu Beginn stand für die Teilnehmer mit dem Sölkpass ein Klassiker am Programm, der das Feld nach Oberwölz führt. Über den Triebener Tauern ging es weiter ins „Kripperl der Steiermark“ – nach Pürgg. Von dort führte die Route weiter ins Salzkammergut. Die Etappe von Bad Ischl nach Schlad­ming über die Postalm musste verlegt werden, die Straße war weggebrochen. Aber die neue Route über den Pass Gschütt am Hallstätter See begeisterte selbst langjährige Teilnehmer als frische Alternative. Tags darauf stand der 424 Kilometer lange Marathon am Programm. Gestartet wurde wieder in Gröbming. Von dort aus fuhren die Teilnehmer über Admont und St. Gallen durch den Nationalpark Gesäuse bis in den Wallfahrtsort Mariazell zur Mittagsrast. In Lunz am See und Waidhofen an der Ybbs warteten Passierkontrollen, bevor es in die Autostadt Steyr ging. Danach führte die Strecke weiter über den Pyhrnpass nach Liezen und zur Zeitkontrolle. Nach dem Stopp in der Bezirkshauptstadt stand die traditionelle Sonderprüfung am Flugplatz Niederöblarn am Programm, wo einer der beliebten Racing-Fixpunkte der Ennstal-Classic (zwei Runden um das Flugfeld in möglichst exakt der gleichen Zeit) über die Bühne ging. Am Samstag steuerte der Bewerb mit der Hatz auf den Stoderzinken sowie dem GP von Gröbming auf seine Höhepunkte zu.

Die Sieger

In der Gesamtwertung sowie die Wertung der Fahrzeuge von 1961 bis 1972 holten sich Friedrich Radinger und Thomas Wagner mit einem Mini 1275 GT (Bj. 1971). In der Epoche I bis Baujahr 1934 gewannen Erich und Alexandra Hemmelmayer mit einem Ford 5 Window de Luxe Coupé (Bj. 1934). In der Gruppe von Baujahr 1935 bis 1950 standen Peter Maierhofer mit Thomas Erber am Stockerl. Sie fuhren einen Bentley Mark VI (Bj. 1949). Alexander und Florian Deopito siegten in der Epoche III Bj. 1951 bis 1960 mit einem Volvo 122 S Rallye aus dem Jahr 1958. Die Youngster Trophy entschieden Margarita und Magdalena Voglar mit dem Alfa Romeo Gulia TI (Bj. 1964) für sich.

Die Stars

Richy Müller ist Schauspieler, oder, in der öffentlichen Wahrnehmung des Fernsehpublikums eigentlich am ehesten: Tatort-Kommissar. Im Dienst fährt er einen Porsche 911 Targa als Einsatzauto, bei der Ennstal-Classic pilotierte er als Teil des Porsche-Klassik-Teams einen Porsche 356 Speedster 1600 S. Er schlug sich mit Beifahrer Bernd Melichar nicht schlecht für einen Erststarter. Mark Webber legte die Latte für eigene Erfolge da schon höher, neun GP-Siege verpflichten. Umso entspannter gingen er und Piotr Silicki auf einem Porsche 550 Spyder die Ennstal-Classic an. Rauno Aaltonen, ebenfalls Stammgast im Ennstal, konnte den Bewerb 1998 sogar schon einmal gewinnen. Peter Kraus, seit Anfang an Ennstal-Crack, sagt, er habe seinen einstigen Ehrgeiz, immer bei den Top Ten dabei zu sein, abgelegt. Mittlerweile geht es nur noch um den Spaß und um die Landschaft. Rowan Atkinson, Patrick Dempsey, Klaus Wildbolz, Sir Stirling Moss, Alexander Wurz, Franz Wurz, Walter Röhrl, Niki Lauda, Brian Johnson, Maria Theresa De Filippis – sie alle waren bereits bei der Ennstal-Classic zu Gast.

Ennstal Classic klimaneutral

Dass man dabei auch bei einem Oldtimer-Rennen mit der Zeit gehen kann, beweist die Ennstal-Classic. In Zusammenarbeit mit ClimatePartner, dem Experten beim Klimaschutz für Unternehmen und Events, werden für beide Veranstaltungen die anfallenden CO2-Emissionen errechnet. Die ausgestoßene Menge gleichen Klimaschutzprojekte, wie regionale Projekt des KlimaInvestment Österreich, aus. Somit zählen sowohl die Planai-Classic als auch die Ennstal-Classic zu den ersten klimaneutralen Rallyes Österreichs. Wertschätzung für klassische Fahrzeuge und Verantwortung für das Klima müssen kein Widerspruch sein. Das ist den Veranstaltern Michael Glöckner und Helmut Zwickl ein Anliegen: „Wir übernehmen Verantwortung und wollen zudem ein Zeichen dafür setzen, dass Motorsport ohne ökologische Nachteile möglich ist und ihm deshalb weiterhin gesellschaftliche Akzeptanz zusteht.“ Die Teilnehmer der Ennstal-Classic unterstützen durch einen Teil ihres Nenngeldes das Klimaschutzprojekt Vitalapin KlimaInvestment. Dadurch werden rund 120 Tonnen CO2 kompensiert.