Zwölf neue Hubschrauber für Aigen

Die AW169M kann rund zehn Passagiere transportieren. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt 283 km/h. Geflogen werden können über 800 Kilometer. Foto: APA/Leonardo

Die Entscheidung ist gefallen, für die Alouette III gibt es ein Nachfolgemodell. Wie Verteidigungsministerin Klaudia Tanner in einer Pressekonferenz bekanntgab, handelt es sich um das Modell AW169M des italienischen Herstellers Leonardo.
Insgesamt kauft das Österreichische Bundesheer 18 Stück, zwölf der neuen Hubschrauber werden in der Kaserne Fiala-Fernbrugg in Aigen im Ennstal stationiert, sechs an der Fliegerabwehrschule in Langenlebarn als Einsatz- und Ausbildungshubschrauber. Die Typenwerft der Kaserne Aigen kümmert sich auch um die Wartung der 18 neuen Maschinen. Damit ist der Standort Aigen gesichert.
„Für uns ist nach 15 Jahren Kampf um ein Nachfolgemodell ein Traum in Erfüllung gegangen“, freuen sich die Vizeleutnants und Personalvertreter Heimo Maringer und Uwe Kammerlander von der Kaserne Aigen. Das Investitionsvolumen für die Beschaffung beträgt insgesamt rund 300 Millionen Euro. Die 1967 eingeführte Alouette III muss aus technischen Gründen mit Ende 2023 ausgeschieden werden. Im Bundesministerium für Landesverteidigung wurde ein Pflichtenheft sowie eine technische Leistungsbeschreibung erstellt, in der alle Kriterien, die der Hubschrauber erfüllen muss, aufgelistet sind. Dabei handelt es sich um rund 376 Muss- und Soll-Kriterien. Bei der Beschaffung einigte man sich auf einen Government-to-Government-Deal, sprich es wurden Partnernationen gesucht, die einerseits selbst gerade eine Hubschrauberbeschaffung mit einem ähnlichen Leistungsprofil beabsichtigen und andererseits auch willens sind, mit dem Bundesheer in den Bereichen Beschaffung, Logistik, Ausbildung, Betrieb und Einsatz zu kooperieren. Zur Auswahl standen drei Modelle: das amerikanische Modell schied aus, da die Anforderungen in Ausbildung und Betrieb nicht erfüllt werden konnten und ein Deal aus einem Nicht-EU-Land schwer zu händeln sei. Deutschland beabsichtigt die Anschaffung erst 2024 und so würde für Österreich eine Fähigkeitslücke entstehen. Das italienische Modell entspricht allen Anforderungen des Österreichischen Bundesheeres. Nach Abschluss der Verhandlungen wird die Produktion beginnen, die Auslieferung soll Mitte 2022 erfolgen. Bereits seit 2005 setzten sich Maringer und Kammerlander für ein adäquates Nachfolgemodell ein. „Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer sowie die regionalen Abgeordneten, Karl Lackner dazumal und jetzt Armin Forstner haben uns maßgeblich unterstützt. Unser Vorsitzender des Fachausschusses Luft, Günther Tafeit, stand permanent in engem Kontakt mit dem Landeshauptmann.“
Als kleinen, aber wichtigen Schritt sieht FPÖ-Landesparteiobmann Mario Kunasek die Entscheidung der Verteidigungsministerin. „Für den Standort Aigen ist die Frage der Typenwerft prioritär. Diese muss weiterhin in Aigen verbleiben. Die dort stationierten Soldaten haben die erforderliche Expertise und Erfahrung. Zudem ist der Fliegerhorst aufgrund seiner Lage für Einsätze im alpinen Gelände prädestiniert.“ Ins selbe Horn stößt auch der regionale Abgeordnete Albert Royer, der die Nachbeschaffung als enorm wichtig für den Erhalt der rund 250 Arbeitsplätze in der Kaserne Aigen und der Gewährleistung des Katastrophenschutzes sieht.
Vorteile der AW169M
Das italienische Modell ist ein leistungsstarker Hubschrauber speziell für Einsätze im Gebirge und verfügt auch in großen Höhen über ausreichend Leistungsreserven. Durch den geräumigen Innenraum bietet er ausreichend Platz, um eine isolierte Person transportieren zu können. Weiters kann die AW169M bei Waldbränden dreimal so viel Wasser transportieren wie die Alouette III. Ebenso ist eine Bewaffnungsvariante vorgesehen. Die Waffen sollen auf einem Träger aufgebaut sein, der innerhalb weniger Stunden in den Hubschrauber ein- und ausbaubar ist. Durch die Verwendung desselben Hubschraubers als Schulungshubschrauber wird die Ausbildung effizienter gestaltet.
Das Gerät kommt aber nicht nur für militärische Zwecke zum Einsatz, sondern dient auch der Bevölkerung beispielsweise bei Katastropheneinsätzen oder Bergungen. „Aufgrund des Klimawandels kommt es in den letzten Jahren in vielen Teilen Österreichs verstärkt zu Extremwetterereignissen. Auch heuer wurden Teile der Steiermark wieder von Unwetterkatastrophen heimgesucht. Darum wird eine rasche, zielgerichtete Hilfe vor Ort in Zukunft immer wichtiger werden. Die neuen Hubschrauber stellen diese für die nächsten Jahrzehnte sicher,“ weist Nationalratsabgeordnete Corinna Scharzenberger aus Irdning-Donnersbachtal auf die zukünftige Bedeutung einer modernen Hubschrauberstaffel hin.
Die Vizeleutnants Maringer und Kammerlander versprechen abschließend: „Wir können versprechen, dass unsere Piloten und Techniker die Maschine optimal zum Einsatz bringen. Wir sind bekannt dafür, dass wir uns allen Herausforderungen stellen und das Bestmögliche aus der Maschine herausholen.“