Zweitwohnsitze: Gröbming steuert dem Boom entgegen

Gröbming wächst signifikant, was vor allem auf den Zuzug aus den umliegenden Gemeinden und aus der Kleinregion Schladming, wo sich vor allem junge Familien das Wohnen kaum noch leisten können, zurückzuführen ist.

Neben einigen wenigen Firmen profitierte bisher auch Gröbming vom Zweitwohnsitz-Boom in Schladming und Haus im Ennstal – nämlich durch Zuzug, weil sich vor allem junge Menschen das Wohnen in der Kleinregion Schladming nicht mehr leisten können. Trotzdem haben Bauträger aus Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark auch die Marktgemeinde im Visier. Dem will Bürgermeister Thomas Reingruber nun einen Riegel vorschieben.
Das Thema „Zweitwohnsitze“ in der Kleinregion Schladming brennt der Bevölkerung im wahrsten Sinne des Wortes unter den Nägeln, wie die unzähligen Reaktionen auf unseren Bericht vor zwei Wochen belegen. In der „Ennstaler“-Redaktion gingen auch viele Informationen ein, wie das System „Buy-to-let“ vor allem in Schladming und Haus im Enns­tal tatsächlich gehandhabt wird, welche Personen dahinter stehen, über welche Kanäle Apartments, Chalets, Hütten oder Suiten zu teilweise horrenden Preisen angeboten werden, wer davon profitiert und welche Projekte noch geplant sind. Der „Ennstaler“ wird  all diesen Hinweisen nachgehen, sie genau prüfen und in einer der nächsten Ausgaben darüber berichten.
Profitiert vom Zweitwohnsitz-Boom in den westlichen Nachbargemeinden hat, natürlich neben den Gesellschaften, also Bauträgern, Vermietern und Projektbetreibern, auch die Marktgemeinde Gröbming, wie Bürgermeister Thomas Reingruber im Gespräch mit dem „Ennstaler“ bestätigte: „Im Jahr 2011 hatten 2818 Personen ihren Hauptwohnsitz in Gröbming, aktuell sind es 3075 Menschen, was einer Steigerung von über neun Prozent entspricht und das in einem der abwanderungsstärksten Bezirke der Steiermark.“ Die Gründe für den Zuwachs sieht das Gemeindeoberhaupt an der guten Infrastruktur „seiner“ Gemeinde: „Wir können natürlich einiges bieten, angefangen von rund 300 örtlichen Firmen mit etwa 1700 Arbeitsplätzen, über Ärzte und die Apotheke bis hin zu den Kinderbetreuungseinrichtungen, die in der Zukunftsplanung vor allem junger Familien eine große Rolle spielen. Derzeit haben wir das Luxusproblem, dass wir in diesem Bereich ‚voll‘ sind und aktuell für 18 Kinder keinen Platz haben. Wir werden daher einen neuen Kindergarten um 6 Millionen Euro neben der Neuen Mittelschule errichten, der nach der Fertigstellung im nächsten Jahr 125 Kindergarten- und 28 Kinderkrippen-Plätze bietet“, so Reingruber. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass vor allem junge Menschen nach Gröbming siedeln – nahezu drei Viertel davon kommen aus den Nachbargemeinden, der Rest vor allem aus der Kleinregion Schladming, wo das Wohnen für sie aufgrund des extrem hohen Preisniveaus nicht mehr leistbar ist.  
Ferienanlagen als Preistreiber
Wer aktuell zum Beispiel in Schladming oder Haus im Enns­tal eine Wohnung mieten will, muss zwischen 12 und 18 Euro für den Quadratmeter hinlegen. Will man eine Eigentumswohnung erwerben sind im Schnitt 4500 Euro pro Quadratmeter zu berappen. Zum Vergleich: vor fünf Jahren lagen die Preise noch um rund 30 Prozent unter dem heutigen Niveau. Der Hauptgrund für den enormen Preisanstieg liegt vor allem an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der fehlenden Investmentalternativen, wodurch „alles in Immobilien gehen würde“, wie Erste-Group-Chef Andreas Treichl jüngst erklärte. Auch von sehr wohlhabenden Bevölkerungsschichten werde vor allem in Wohnungen und Häuser investiert. Einen wahren Boom, vor allem in den Tourismusregionen, gibt es für „Buy-to-let-Immobilien“ – also solche Modelle, in die Anleger investieren, um das Objekt zu kaufen, dann über eine Betreibergesellschaft zu vermieten, für das es eine ordentliche Dividende gibt, und dann schließlich als Zweitwohnsitz zu nützen. Im Bezirk Liezen findet man solche Objekte, wie bereits berichtet, im Ausseerland sowie in Schladming und Haus im Enns­tal. Ein Blick auf die verschiedenen Anbieter zeigt, welche stolzen Summen hier zu bezahlen sind. So muss man zum Beispiel für ein 106 Quadratmeter großes Luxus-Appartement in der WM-Stadt 975.000 Euro hinlegen, also 9198 Euro für den Quadratmeter. Ein 146 Quadratmeter großes Penthouse im „Apart33“ in Haus im Ennstal wurde am Mittwoch über immo.at um 1,2 Millionen Euro (8219 Euro/m²) angeboten. Ein wenig mehr, nämlich fast 1,3 Millionen Euro, kostet ein Premium-Chalet (145 Quadratmeter Wohn-Nutzfläche) in der neuen Anlage oberhalb der Hauser-Kaibling-Talstation, die im kommenden Winter eröffnet wird. Dass solche horrenden Summen die allgemeinen Immobilienpreise in die Höhe treiben, versteht sich von selbst.

Geförderte Wohnungen
Von dieser Entwicklung blieb auch Gröbming nicht verschont, obwohl man hier noch um einiges billiger zu Wohnungseigentum mit Preisen zwischen 2000 und 3000 Euro kommt. Auch die Quadratmeterpreise für Mietwohnung liegen noch unter jenen in der Kleinregion Schladming. Um aber nicht noch tiefer in die Preisspirale hinein zu geraten, will man laut Bürgermeister aktiv dagegen steuern. „Die Hauptenwicklungszone von Gröbming liegt im Osten, bei den sogenannten ‚Thoma-Gründen‘. Bei der nächsten Gemeinderatssitzung werde ich den Antrag einbringen, dort eine Fläche von zwei Hektar für förderbares Wohnen zur Verfügung zu stellen. Mit an Bord wären zwei Siedlungsgenossenschaften, von denen ich bereits eine Zusage habe. Damit bekommen wir für junge Menschen und Familien wieder leistbaren Wohnraum“, so Thomas Reingruber, der noch ein weiteres Projekt im Ärmel hat, das er im Detail jedoch noch nicht preisgeben wollte. Der Ortschef merkte jedoch an, dass er die Jugend und Familien unbedingt in der Gemeinde halten und dem Zweitwohnsitz-Boom einen Riegel vorschieben will. Um das möglich zu machen, hat eine Kommune nur ein probates Mittel, nämlich jenes der Widmung, wie Reingruber erklärte. Übrigens: Der Anteil an Zweitwohnsitzen liegt in Gröbming aktuell nur bei 11,54 Prozent.

Neues Gewerbegebiet
Auch in Sachen Gewerbegebiet will sich Gröbming weiterentwickeln, hier jedoch gemeinsam mit vier weiteren Gemeinden, östlich der Ennstal-Bundesstraße B 320. Das Regionsprojekt soll auf einer Fläche von zehn Hektar entstehen, wobei dort zukunftsorientierte Unternehmen und keine Handelsbetriebe angesiedelt werden sollen. Mittel- bis langfristig sollen im neuen Gewerbegebiet bis zu 300 neue Arbeitsplätze entstehen. Aktuell ist das Projekt in der Planungs- und Prüfungsphase, so der Bürgermeister abschließend.