Zivildiener sind Mangelware

Bezirksrettungskommandant Gernot Leitner (li.) und Geschäftsführer Bernhard Gugl (2. v. r.) mit Mitarbeitern des Corona-Test-Drive-Ins. Foto: Tritscher

Das Rote Kreuz ist rund um die Uhr im Einsatz, eine wertvolle Unterstützung sind Zivildienstleistende. Um den Dienst bestmöglich aufrecht zu erhalten, benötigt die Bezirksstelle Liezen pro Jahr rund 72 Zivildiener. Diese sind jedoch „Mangelware“.

Die Einsätze steigen. Vor allem in der Coronakrise steht die Blaulichtorganisation vor besonderen Herausforderungen. Umso wichtiger ist es für die freiwilligen Helfer und hauptberuflichen Mitarbeiter Unterstützung zu erhalten. Neben der Rettungssanitäter-Ausbildung erwerben die „Zivis“ auch unzählige soziale Kompetenzen. Die freien Stellen zu besetzen sei fast unmöglich, erklärt Bernhard Gugl, Geschäftsführer der Rotkreuz-Bezirksstelle Liezen. Pro Einrückungstermin – diese sind im Jänner, April, August und November – werden 18 Zivildienstleistende aufgenommen. „Fakt ist, dass wir pro Einrückungstermin durchschnittlich drei bis sechs Zivildiener zu wenig haben“, so Gugl. Durch die steigenden Einsätze sowie die Krankentransporte in Spezialabteilungen außerhalb des Bezirkes benötige es mehr Fahrzeuge sowie Personal. Im Bezirk Liezen sind die zehn Ortsstellen mit 450 Freiwilligen im Rettungswesen und Krankentransport im Grunde gut aufgestellt, aber gerade in den Sommermonaten – aufgrund von Urlauben – werden dringend Zivildiener gesucht. „Oft ist es notwendig Ersatzanstellungen zu tätigen, um die Lücken abzufedern. Das verursacht zusätzliche Kosten. Wir brauchen die jungen Männer, um unsere Einsatzmittel zu besetzen“, erklärt der Bezirks-Geschäftsführer. Die Zivildiener werden beim Roten Kreuz im Bezirk für Rettungs- und Krankentransporte eingesetzt und sind gemeinsam mit den Rotkreuz-Mitarbeitern für die Patientenbetreuung zuständig. Im Zuge des neunmonatigen Zivildienstes findet im eigenen Schulungszentrum des Roten Kreuzes Steiermark geblockt eine zweimonatige Ausbildung zum Rettungssanitäter mit jeweils 100 Stunden Theorie und 160 Stunden Praxis statt. Danach arbeiten die Zivildiener sieben Monate an einem Stützpunkt im Bezirk Liezen mit.

Die Zivildiensterklärung muss bei der Stellungskommission oder beim Militärkommando mit dem Wunsch nach Zuweisung zum Roten Kreuz abgegeben werden. Die Zuweisung erfolgt über die Zivildienstserviceagentur. Interessierte können sich auf www.roteskreuz.at sowie telefonisch bei der Bezirksstelle unter 050/1445-24000 über den Zivildienst informieren.

150 PRC-Tests täglich im Drive-In

Neben den Rettungs- und Krankentransporten betreibt das Rote Kreuz des Bezirkes auch den Test-Drive-In in der Niederfeldstraße 16 in Liezen. In Spitzenzeiten wurden rund 200 Abstriche pro Tag abgenommen. „Derzeit liegen wir durchschnittlich bei 150 pro Tag“, erzählt Bezirksrettungskommandant Gernot Leitner. Verdachtsfälle bekommen nach dem Anruf beim Gesundheitstelefon 1450 einen Termin im Drive-In zugewiesen. Der Proband stellt sich dort mit dem Auto an und öffnet lediglich die Fensterscheibe für den Abstrich. Sollten Probanden krankheitsbedingt nicht mobil sein, nimmt ein Team eine mobile Testung zuhause vor. Das Rote Kreuz hat jedoch keinen Einfluss auf die Terminvergabe oder die Auswertung der Ergebnisse. Über das Testergebnis und dem weiteren Vorgehen wird die Person durch die Behörde verständigt.

Waren die Anfänge der Pandemie noch von Angst vor dem Virus geprägt, hat sich dies im Lauf der letzten Monate stark verändert – die Maßnahmen werden lockerer gesehen, die Impfungen und Testungen geben der Bevölkerung Sicherheit, schildert Leitner seine Beobachtungen. Das Virus sei dennoch keinesfalls zu unterschätzen, wie die aktuellen Zahlen zeigen. Durch das erhöhte Aufkommen von Verdachtsfällen und um die Ressourcen bei den Drive-Ins prioritär für die zu testenden Personen mit Verdacht auf Corona zu nutzen, werden die Gesundtestungen von infizierten Personen am Ende der Absonderung ausgesetzt. Infizierte Personen, die zwei Mal geimpft oder genesen sind, werden für zehn Tage abgesondert. Infizierte, die nicht oder nur einmal geimpft sind, für 14 Tage. Wenn die betroffenen Personen mit vulnerablen Gruppen arbeiten (das betrifft speziell medizinisches Personal), wird nach Einzelfallprüfung durch die Epidemieärzte eine befristete Fernhaltung vom Arbeitsplatz verfügt.