Zankapfel Kremenezky-Villa: Hotelpläne abgeblasen

Die Ansicht der „Villa Búsbach“ um die Jahrhundertwende.

Die „Villa Kremenezky“ in Altaussee war in den letzten Monaten vergangenen Jahres Ausgangspunkt heftigster Spannungen zwischen Anrainern, der Familie Androsch und dem gesamten Gemeinderat. Ursprünglich hatte man Pläne für ein Sporthotel mit Trainings- und Reha­mög­lich­keiten angedacht. Die Mehrheitseigentümerin der Vivamayr Sport GmbH, Natascha Sommerer, distanziert sich nun von diesen Plänen.

Schon im Sommer 2022 formierte sich eine Petition, in der gefordert wurde, die „Villa Kremenezky“ so zu belassen, wie sie ist und es tauchte bald der Gedanke auf, sie in eine Gedenkstätte umzuwandeln. Am 12. Dezember wurde ein offener Brief von 13 Nachbarn zu diesem Grundstück an Hannes Androsch publiziert, in dem man die Vergangenheit und die Zukunft be­leuchtete und zum Schluss die Idee aufwarf, aus der Villa eine Gedenk­stätte für jüdische Vertrie­be­ne einzurichten. Diese Idee fand auch beim „Mauthausen Komitee Österreich“ (MKÖ), wie auch beim „Inter­natio­nalen Mauthausen Komitee“ (CIM), in dem 21 Nationen vertreten sind, Zuspruch. Man sprach sich jedoch dafür aus, dass der Bund und das Land Steiermark bei der Umsetzung in der Pflicht seien, um die jüdische Geschichte in und um Altaussee als Kulturerbe zu bewahren.   

Der Präsident der Israelitischen Kul­tus­gemeinde in Graz, Elie Rosen, zeigte sich von dieser Idee nicht ganz so begeistert, da er in einem Interview den Verdacht äußerte, unter der Prämisse einer Gedenk­stätte private Interessen durchsetzen zu wollen.

Der Brief schlug sehr hohe Wellen und wurde auch in der Gemein­deratssitzung am 14. Dezember behandelt, wobei von einigen Gemeinderäten die historischen Geschehnisse, wie sie im Brief dargestellt wurden, massiv angezweifelt wurden.

Ausflug in die Geschichte

Die Villa wurde auf einem von Fa­milie Wimmer im Jahr 1873 gekauften Grundstück („Donisen-Ackerl“) von Péter Búsbach (1827–1905), einem ungarischen Rechtsanwalt und Schriftsteller, erbaut und blieb bis 1920 im Familienbesitz. Im Okto­ber des Jahres 1920 erwarb die Psy­cho­login Gabriele von Wartensleben das Anwesen, zwei Jahre später ging es in den Besitz ihres Bruders, Leopold von Andrian zu Werburg (1875–1951) über, weshalb neben dem Namen „Kremenezky-Villa“ auch der Name „Andrian-Villa“ ge­bräuchlich ist.

Im Oktober 1931 erwarb Bernhard Panzer (1870–1934) die Liegen­schaft gegen Leibrente. Nach dessen Tod kaufte der Wiener Industrielle Theodor Kremenezky (1901–1973), der Sohn des kulturell und wissenschaftlich herausragenden Johann Kremenezky, die Villa. Letzterer war neben seinen Errungenschaften als Maschinen­bauer und seinen For­scher­tätigkeiten in der Elektro­technik als Ehren­mitglied der Tech­nischen Hoch­schule Wien und als Industrieller auch engster Mitarbeiter und Freund von Theodor Herzl, der wiederum als Begründer des Zionismus gilt und den er nach Leibeskräften unterstützte. Theodor Kremenezky ließ kurz nach dem Kauf die Villa vom bekannten Wiener Architekten Otto Prutscher umbauen.

Als eine der ersten Aktionen der da­maligen Nationalsozialisten wurde die Villa am 1. Mai 1938 direkt von der NSDAP beschlagnahmt, am 4. August 1938 arisiert und in weiterer Folge von Gauleiter August Eigruber genutzt.

Nach dem Krieg und dem Holocaust, den Theodor Kremenezky im Ge­gen­satz zu seiner Schwester Charlotte überlebte, kehrte Kremenezky nach Österreich zurück und beantragte die Restitution seiner Villa, die ihm am 9. Juli 1947 zurückgegeben wurde und die er mit seiner Familie bis in die 1970er-Jahre bewohnte. Nach dem Tod von Theodor Kremenezky im Jahr 1973 erbte Erika Varay, die Nichte Kremenezkys, die Villa und empfing dort zahlreiche internationale Gäste, darunter auch auch Jacques Chirac, den damaligen Bürgermeister von Paris und späteren Staatspräsi­den­ten von Frankreich.

Im Jahr 1985 verkaufte Erika Varay die Villa an das Ehepaar Kowall, das dieses Haus für eine Ganzjahres­nutzung sanieren ließ. Nach dem Tod von Friedrich Kowall wurde die Liegenschaft im Jahr 2019 von der Vivamayr Sport GmbH erworben.

Natascha Sommerer, die  Tochter von Hannes Androsch, ist Mehrheitseigentümerin der Vivamayr Sport GmbH und will von der Diskussion um ein Hotel nichts mehr hören. Sie erteilt allen Gerüchten rund um einen Bau eines Hotels eine Absage – nicht zuletzt auch in Hinblick auf die prekäre Situation am Arbeitsmarkt.

 

Quellenangabe: „Die Villen vom Ausseerland: Wenn Häuser Geschichten erzählen.“ Wien, Marie-Theres Arnbom; Amalthea Signum (2021).

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