Wolf in Hall nachgewiesen

Der erste Wolf hat sich in Hall angesiedelt. Zur Paarungszeit könnte er bereits wieder weiterziehen. Foto: Marcel Langthim

Seit vergangenen Juni lebt ein männlicher Wolf in Hall bei Admont. Es ist der erste Nachweis eines Wolfes, der sich nicht nur auf der Durchreise im Ennstal befindet. Laut Einschätzung von Nationalpark-Direktor Herbert Wölger könnte das Tier jedoch schon bald weiterziehen.

Der Wolf ist zurück. Im Vergleich zu den Nachbarländern siedelt sich der große Beutegreifer hierzulande zwar noch etwas zaghaft an, dennoch sind bereits zwei Rudel in Österreich beheimatet. Ob es sich bei dem in Hall bei Admont nachgewiesenen Wolf um ein Jungtier aus einem der beiden österreichischen Rudel handelt, ist derzeit noch nicht bestätigt. Fest steht, dass es sich um ein männliches Tier handelt, das sich seit Juni im Gebiet der Haller Mauern aufhält. „In relativ naturnahen Gegenden wie bei uns ist es wahrscheinlich, dass Wölfe länger bleiben. Schließlich haben wir ein großes Wildnisgebiet mit drei Schutzgebieten, wo es auch keine Konflikte mit den großen Beutegreifern gibt“, sagt Herbert Wölger. Der Direktor des Nationalparks Gesäuse bezweifelt jedoch, dass dieser Wolf tatsächlich dauerhaft in Hall bleiben wird: „Es wäre typisch, wenn er weiterwandern und sich eine Gefährtin suchen würde. Jetzt wäre die Paarungszeit.“ Schon seit Monaten werden immer wieder genetische Spuren des Wolfes rund um die Haller Mauern nachgewiesen, zuletzt wurde er in der Nähe des Sportplatzes in Hall gesichtet. „Wölfe können sich überall ansiedeln. Ortschaften und menschliche Infrastruktur sind kein großes Hindernis. Das unterscheidet den Wolf stark vom Luchs, der absolute Ruhe braucht, um sich niederzulassen“, sagt Wölger.

VGT befürchtet illegalen Abschuss

Da laut einer internen Studie der Veterinärmedizinischen Uni Wien jährlich etwa 15 Wölfe illegal in Österreich geschossen werden, fürchtet der Verein gegen Tierfabriken (VGT) nun auch um das Leben des Haller Wolfs. Die Behörde sei dazu aufgerufen, sehr genau darauf zu achten, dass der Wolf nicht getötet wird, heißt es in einer Presseaussendung des Tierschutzvereins. Nationalpark-Direktor Herbert Wölger schätzt dieses Risiko als gering ein: „Bei uns hier in der Region glaube ich das nicht, weil allen Jagdberechtigten bewusst ist, dass es sich um ein streng geschütztes Tier handelt. Ein Jäger wird sich hüten, das Gesetz zu übertreten. Wo der Wolf große Konflikte verursacht, ist im Bereich der Landwirtschaft, weniger in der Jagd- und Forstwirtschaft.“

Forderungen der Landwirte

Für Landwirtschaftskammer-Obmann Peter Kettner unterstreicht der Haller Wolf die Dringlichkeit jener Forderungen, die von Seiten der Landwirtschaft immer lauter werden: die Reduktion des Schutzstatus und finanzielle Unterstützung für bessere Nutztierüberwachung. Als Beispiel zieht Kettner die GPS-Überwachung heran. Betreffend der finanziellen Förderung dieser Maßnahme befinde man sich in guten Gesprächen mit Landesrat Johann Seitinger, sagt Kettner, der betont: „Es ist nicht zum Einsehen, dass wir mit den Kosten konfrontiert werden, nur weil andere den Wolf zurückhaben wollen.“ Das Umzäunen von Almen sieht Kettner als „technisch unmöglich“, wie er sagt. Eine Alternative sieht er in Hirten, doch „die stehen derzeit noch nicht zur Verfügung“, so der Landwirtschaftskammer-Obmann.

Artenschutz, eine nationale Aufgabe

„Dass man das nicht auf den Schultern der Bauern austragen kann, ist klar“, sagt auch Nationalpark-Direktor Herbert Wölger, doch „Artenschutz ist eine nationale Aufgabe, der man sich stellen muss.“ Man müsse lernen, mit der Situation zu leben, so Wölger: „Es ist irrelevant, ob man den Wolf haben will oder nicht. Tatsache ist, Wölfe sind am Zuzug und wir müssen lernen, damit in allen Bereichen umzugehen und die Emotionen niederzuhalten. In der Vergangenheit wurde das Thema viel zu emotional diskutiert und nach einer Lösung gesucht, die es nicht geben wird.“ Die einzige Möglichkeit Wolfsrisse zu vermeiden, liege im Herdenschutz. Wie gut dieser funktionieren kann, würden Nachbarländer bereits vorzeigen, so der Nationalpark-Direktor.