„Wir kämpfen an allen Ecken und Enden“

Personalmangel: keine lückenlose Besetzung des Notarztstützpunktes in Rottenmann. Der Rettungshubschrauber in Öblarn musste übernehmen. Foto: Schornsteiner

Und zwar um die Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens, sagt Klaus Pessenbacher.   Als Grund nennt der Leiter der Steirischen Notfallmedizin den eklatanten Personalmangel, der sich quer durch alle Branchen nun   auch im Gesundheitswesen niederschlägt.

Kein Notarzt am Notarzt-Stützpunkt in Rottenmann. Das kam in diesem Monat bereits zwei Mal vor. Sowohl am Pfingstsonntag als auch am vergangenen Samstag musste die dort stationierte Rettungsmannschaft ohne Notarzt auskommen, wie der SPÖ-Abgeordnete und stellvertretende Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes, Mario Lindner, mitteilt: „Es kann nicht sein, dass es gerade in ländlichen Regionen zu Situationen kommt, in denen die vorgesehenen Notarzt-Fahrzeuge nicht mit einem entsprechenden Notarzt besetzt sind.“ Laut Lindner waren am vergangenen Samstag gleich zwei Einsätze betroffen, die aufgrund des fehlenden Notarztes am Stützpunkt in Rottenmann vom Notarzthubschrauber in Öblarn übernommen werden mussten. Für den SPÖ-Abgeordneten ein klares Zeichen, dass „es einen Ausbau des Notarztsystems braucht“, wie er sagt. „Die Politik hat die Aufgabe, alle Ressourcen zur Verfügung zu stellen und ein Versorgungssystem sicher zu stellen, damit jeder Mensch im Notfall auf rasche und kompetente Versorgung zählen kann – das ist gerade für große Flächenbezirke wie Liezen von enormer Bedeutung“, so Lindner. Doch diese personellen Ressourcen stünden nicht zur Verfügung, betont Klaus Pessenbacher, Leiter der Notfallmedizin in der Steiermark: „Wir haben ein sehr dichtes Netz an Notarztstützpunkten, doch um diese Stützpunkte besetzen zu können, braucht man eine erkleckliche Menge an Personal.“ Da dieses nicht vorhanden sei, versuche man durch zeitliche wie örtliche Flexibilität, mehr Ärztinnen und Ärzte für die Notfallmedizin zu gewinnen. Auch finanzielle Anreize sollen eine Tätigkeit in der Notfallmedizin attraktiver gestalten: Um die Honorare aufzubessern, hat das Land Steiermark ganze 2 Millionen Euro in die Hand genommen. Das Ergebnis ist trotzdem mäßig, schließlich bedeute eine höhere Bezahlung nicht automatisch, „dass nun alle mit wehenden Fahnen an den Wochenenden arbeiten wollen“, so Pessenbacher. Ein Problem, vor dem nicht nur die Steiermark steht. „Alle Bundesländer kämpfen an allen Ecken und Enden an der Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens“, betont der Leiter der Steirischen Notfallmedizin. Positiv hervorzuheben sei, dass die Steiermark neben Niederösterreich das einzige Bundesland sei, das auf einen 24-Stunden-Rettungshubschrauber zurückgreifen könne. Da gehöre man zu den Vorreitern. Gerade in Rottenmann sei die notärztliche Versorgung daher „zu keinem Zeitpunkt schlechter“, so Pessenbacher, der die kurze Flugdistanz zwischen Rottenmann und Öblarn hervorhebt, weshalb „der Hubschrauber hier übernehmen kann.“

Ganz Österreich sucht einen Ausweg

Um eine Besserung der Situation an den Notarztstützpunkten herbeizuführen, fordert Lindner: „Ärztinnen und Ärzte aus den Krankenhäusern in der Region sollen rund um die Uhr und an sieben Tagen pro Woche für den Notarztdienst eingesetzt werden können, statt wie bisher nur kurzfristig an Werktagen zwischen 7 und 15 Uhr.“ Laut Pessenbacher sei diese zeitliche Regelung, die im Jahr 2013 eingeführt wurde, jedoch notwendig „um weiteren Ärzten die Möglichkeit anzubieten, freiberuflich an einem Notfallstützpunkt tätig zu sein.“ War diese freiberufliche Tätigkeit bislang nur für Medizinerinnen und Mediziner außerhalb der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft möglich, kann diese seit 1. Juni nun auch vom KAGes-Personal ausgeübt werden. Ob sich dadurch eine lückenlose Besetzung der Notarztstützpunkte im Bezirk Liezen ergeben wird, ist fraglich. Fakt ist, dass „ganz Österreich einen Ausweg aus dieser Lage sucht“, so Pessenbacher, denn „Randbereiche, in denen sich die Krankenhäuser verändern, haben auch Probleme in der Grund- und Basisversorgung.“ So auch der Spitalsverbund Rottenmann/Bad-Aussee, wo „es an Turnusärzten fehlt“, sagt Pessenbacher. Ob sich die Situation an den Notarztstützpunkten durch die Umsetzung des geplanten Leitspitals verbessern wird, wagt Pessenbacher nicht zuzusichern: „Bis dahin vergehen noch so viele Jahre, da wissen wir nicht, wie sich alles entwickeln wird.“ Fest steht, dass „der Ärztemangel und der Pflegemangel ein durchschlagendes Problem sind. Ein Phänomen, das sich in kurzer Zeit verschlimmert hat, weshalb Prognosen schwierig sind. Wir versuchen ein besseres finanzielles Angebot zu stellen – Honorare sind für alle gestiegen – und wir versuchen eine größtmögliche Flexibilität in das System zu bringen und hoffen so, alles weiterhin besetzen zu können, doch dem eklatanten Personalmangel, dem kann man sich nicht verschließen“, so Pessenbacher, da helfe es auch nicht, „alles schönzureden. Da macht es Sinn, die Wahrheit zu sagen.“