Wildbach-Pflege beugt Verklausungen vor

Das dicht verwachsene Rückhaltebecken wurde 2004 von der WLV errichtet. Insgesamt wurden auf 800 Meter 40 Fuhren Geäst und Bäume entfernt. Foto: Ennstaler

Laut Forstgesetz müssen Wildbäche frei von „Übelständen“ gehalten werden, um Verklausungen vorzubeugen. In Niederöblarn fand kürzlich eine Freischneide-Aktion statt. Insgesamt entfernte man auf einer Länge von 800 Meter 40 Fuhren voll mit Bäumen und Geäst.

Jede Gemeinde ist laut Forstgesetz verpflichtet, jährliche Wildbachbegehungen durchführen zu lassen. „Den Wasserlauf hemmende Gegenstände“ sind sofort zu entfernen, heißt es im Gesetzestext. Ein Wildbachbegeher muss Gefahrenquellen erheben und der Bezirksforstinspektion sowie den Grundeigentümern melden, denn regelmäßige Pflege kann Katastrophen verhindern oder zumindest lindern. Im Juni organisierte die Klar!-Zukunftsregion Ennstal eine Veranstaltungsreihe, die erste Freischneide-Aktion fand kürzlich in Niederöblarn statt.

„Übelstände“ festgestellt

Durch das Gemeindegebiet von Öblarn fließen der Walchen- und der Niederöblarnbach. Ersterer ist durch die aktuellen Bautätigkeiten der Wildbach- und Lawinenverbauung frei von Bewuchs. Der Niederöblarnbach wurde jedoch zuletzt vor 18 Jahren freigeschnitten, als das Rückhaltebecken gebaut wurde. Wildbachbegeher Florian Zamberger hat bei den heurigen Begehungen konkrete Übelstände identifiziert: „Im Niederöblarnbach gab es vor allem viele Stellen, die stark mit Bäumen und Sträuchern verwachsen waren. Auch Inseln haben sich im Bachbett bereits gebildet und das Rückhaltebecken war auf beiden Seiten zugewachsen. Im Hochwasserfall könnten diese Übelstände zu Verklausungen an den Brücken in Niederöblarn führen und weitreichende Überschwemmungen und große Schäden im Ortskern verursachen.“

Regelmäßige Kontrolle

Es galt, diese Übelstände möglichst rasch zu entfernen, bevor das nächste Unwetter herankommt. Oft sind die Zubringerbäche in schwer zugänglichem Gelände, was ein Freischneiden unmöglich macht. Umso wichtiger sei es, die Hauptbäche regelmäßig zu kontrollieren und freizuhalten, damit das Abfließen der Wassermassen im Unwetterfall sichergestellt ist.

„Je nach Wuchsintensität müssen die Bäche im Fünf- bis Zehnjahreszyklus ausgeputzt werden. Bei Starkregen können schon armdicke Stämme zu Verklausungen führen und in weiterer Folge Schäden an Brücken und Häusern verursachen“, so Zamberger.

Viele Helfer

Die Gemeinde schrieb Hauseigentümer entlang des Bachs für eine solidarische Freischneideaktion an und bat um Mithilfe. Neben vielen Anrainern beteiligten sich auch die Freiwillige Feuerwehr Niederöblarn, die Waldgenossenschaft Niederöblarn und die Weggenossenschaft Moosberg sowie zahlreiche heimische Unternehmen und Landwirte. Sämtliche Maschinen und Geräte sowie die Arbeitszeit stellten die Teilnehmer kostenlos zu Verfügung, Kettenöl und Treibstoffe vergütete die Klar!-Zukunftsregion Ennstal. „Auf einer Länge von 800 Meter wurden von der Stecher-Brücke im Ortskern von Niederöblarn bis zur Wildholzsperre 40 Anhängerfuhren Gestrüpp und Bäume entfernt“, sagt Bürgermeister Franz Zach, der selbst mit Traktor und Kranhänger den ganzen Tag im Einsatz war. Er möchte die Aktion wiederholen und hofft ein Vorbild für andere Gemeinden zu sein.

Auch Schutz für Einsatzkräfte

Die präventive Maßnahme sei auch ganz im Sinne der Feuerwehr, sagt der Hauptmann der FF Niederöblarn, Christian Grundner: „Wir sind die ersten, die bei einer Verklausung zum Einsatz kommen. Das bedeutet oft eine große Gefahr für die Feuerwehrleute. Nicht zuletzt deswegen sind vorbeugende Maßnahmen ganz in unserem Sinne.“ Laut Klar!-Managerin Nathalie Prüggler sind in den Gemeinden Sölk und Pruggern noch heuer ähnliche Aktionen geplant. „Gemeinsam mit der großartigen Unterstützung ihrer Bürgerinnen und Bürgern können es die Gemeinden schaffen, zumindest die gefährlichsten Stellen vor und in den besiedelten Ortsteilen zu entschärfen“, so Nathalie Prüggler abschließend.