Wasser Marsch und Mure ab

Das simulierte HQ100 weckte Erinnerungen an den August 2017. Foto: Ennstaler

Das Naturgefahren-Modell „Wassererlebnis Öblarn“ wurde  kürzlich offiziell eröffnet. Landesrat Hans Seitinger und WLV-Abteilungsleiterin Maria  Patek öffneten die Schleusen.

Regen ist Segen, doch bei ungleicher Verteilung kann er in eine Katastrophe ausarten. Das musste der beschauliche Ort Öblarn zuletzt Anfang August 2017 leidvoll erfahren. Starkregen ließ den Walchenbach zu einem reißenden Fluss anschwellen, es kam zu Verklausungen und Überschwemmungen, die massive Schäden anrichteten. Wetterextreme, die Siedlungs- und Lebensraum bedrohen, werden sich angesichts des Klimawandels verschärfen. Zur Veranschaulichung und zur Bewusstseinsbildung wurde die Idee geboren, Überschwemmungen und Verklausungen in einem Modell abzubilden. Der Hartnäckigkeit von Bürgermeister Franz Zach sei es zu verdanken, dass das „Was­ser­erlebnis Öblarn“ zur Umsetzung kam, erörterte Landesrat Hans Seitinger. Sein langer Atem habe sich ausgezahlt, denn das zu hundert Prozent von Bund, Land und EU finanzierte 1-Million-Euro-Projekt konnte knapp fünf Jahre nach der Unwetterkatastrophe eröffnet werden. Wasser sei nicht nur Lebensmittel, Lebensraum, Energieträger, sondern auch eine brutale Naturgewalt. „Das Entscheidende ist, dass man versteht was die Naturgewalt Wasser bewirken kann“, so Seitinger.

Öblarn im Miniaturformat

Direkt unter der eindrucksvollen Kulisse des Murbrechers beim Mathildenbach im Walchental steht das europaweit einzigartige Modell zur Visualisierung von Hochwasserszenarien. Auf 2800 m² wurde dazu das Einzugsgebiet des Walchenbaches samt kürzlich errichteter Schutzbauwerke, der Ortskern von Öblarn sowie der Mündungsbereich an der Enns mit Überflutungsflächen im Maßstab 1:25 realitätsgetreu nachgebildet. Mittels zweier Kurbeln lassen sich Schleusen öffnen und unterschiedliche Hochwasserstände simulieren. Das Katastrophenereignis vom August 2017 kann im Modell realitätsnah nachgestellt werden. Es sei ein Gebot der Stunde für Gemeinden, sich auf Naturgefahrenereignisse einzustellen und bestmöglich vorzubereiten, meint Projektleiterin Nathalie Prüggler. Das Einzugsgebiet von knapp 39 km², in dem sich Niederschlag für den Walchenbach sammeln könne, sei unvorstellbar groß, erläuterte die gebürtige Moosheimerin und WLV-Sektionschefin Maria Patek aus dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus. Im engen Walchental habe der Bach kaum Platz sich auszubreiten, was für den Ort das Gefährdungspotenzial zusätzlich erhöht.

Ortskern überflutet

Bürgermeister Franz Zach gab das Kommando „Wasser Marsch“ und die beiden Ehrengäste Maria Patek und Hans Seitinger öffneten die Schleusen. Mit acht Umdrehungen fluteten sie das Bachbett-Modell und simulierten ein HQ30 („30-jähriges Hochwasser“). Mit dem Kommando „Mure ab“ sorgten die anwesenden Kinder mit kleinen Bäumen und Steinen für Verklausungen. Die Brecher und Rückhaltebecken erfüllten ihren Zweck und der nachgebaute Ortskern blieb von Überschwemmungen verschont. Vor dem anschließenden HQ100 („hundertjähriges Hochwasser“) entfernte man zu Anschauungszwecken die Sicherungsmaßnahmen und ließ dem Wasser freien Lauf. Innerhalb kürzester Zeit trat der Miniatur-Walchenbach über seine Ufer und spülte Wassermengen über den nachgebildeten Hauptplatz. „Der Andrang ist überwältigend und das Modell durch Schulklassen bereits bis Schulschluss ausgebucht“, gibt sich Carina Schrempf als verantwortliche Modellbetreuerin zuversichtlich. Auch für den Sommer sind nur noch wenige Termine verfügbar. Buchungsmodalitäten und verfügbare Termine sind auf der Website www.wassererlebnis-öblarn.at zu finden.

Tausend Schutzprojekte

Die bereits bestehenden Schutzbauwerke haben vor fünf Jahren Schlimmeres verhindert, für einen weiteren Tag Starkniederschlag hätte ihre Rückhaltekapazität jedoch nicht mehr ausgereicht. So erweitert die Wildbach- und Lawinenverbauung seit 2017 den Schutz für den Ort Öblarn zu einer ganzen Schutzbauwerkkette, welche aus mehreren Murbrechern und Geschiebefängern besteht. Das letzte, vierte Bauwerk soll im Sommer 2023 fertiggestellt werden. Insgesamt investieren Bund, Land, Gemeinde und andere 12,2 Millionen Euro in die Verbauung des Walchentales. Österreichweit wurden vergangenes Jahr tausend Projekte mit einer Investitionssumme von insgesamt 150 Millionen Euro zum Schutz der Infrastruktur verwirklicht.