Vorwürfe gegen den AWV Liezen

Überquellende Müllberge, nicht abgedeckte Asbestabfälle und künstliche Mineralfaserabfälle, giftige Eisenbahnschwellen beim Altholz – von einem „gigantischen Gefährdungspotential“ ist in der Anzeige die Rede. Die Aufnahmen wurden anonym zugespielt.

Die Tochter des geschassten AWV Liezen Geschäftsführers geht in die Offensive. Es soll zu groben Mängeln auf der Deponie seit der Suspendierung gekommen sein. Der Obmann des Abfallwirtschaftsverbandes ortet eine „Retourkutsche“.

„Seit mein Vater suspendiert ist, fehlt sein Fachwissen und es sind einige Fehler passiert“, sagt Elisa Bretterebner, Geschäftsführerin der Kanal- und Grubendienst Bretterebner GmbH. Im September wurden der Rechtsvertretung des ehemaligen Geschäftsführers des Abfallwirtschaftsverbandes Liezen anonym über 100 Fotos der Mülldeponie zugespielt (die Fotos liegen auch der Redaktion vor). Die Drohnen- und Bodenaufnahmen erstrecken sich über einen Zeitraum von gut sechs Wochen von Anfang August bis Mitte September. Sie würden „schwere Missstände“ belegen, weswegen Elisa Bretterebner eine Anzeige gegen die Obleute und Geschäftsführung des AWV Liezen einbrachte. Insbesondere die unsachgemäße Lagerung von krebserregenden Asbestabfällen, giftigen Eisenbahnschwellen und nicht verpackte künstliche Mineralfaserabfälle würden ein Gefährdungspotenzial für Menschen, Tier- und Pflanzenwelt darstellen. Erschwerend komme hinzu, dass sich unmittelbar daneben ein geschützter Landschaftsteil befinde. Die Staatsanwaltschaft Leoben bestätigt den Eingang der Anzeige. Derzeit befinde sich der Fall in Prüfung ob ein Anfangsverdacht vorliegt. Sollte sich der bestätigen, wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Regelmäßige Kontrollen

Mülldeponien werden von der Abteilung 13 des Landes Steiermark (zuständig für Umwelt und Raumordnung) regelmäßigen Überprüfungen unterzogen. Die letzte reguläre Überprüfung fand im Juli statt. Dort wurden seitens der Behörde die Abdeckung der Asbestabfälle bemängelt, dies sei aber unverzüglich behoben worden. Nachdem das Land im Oktober das Material erhielt, schickte man unverzüglich Sachverständige zu einem Lokalaugenschein. Die Behörde konnte zu diesem Zeitpunkt allerdings keine Mängel mehr feststellen, wie es von Seiten des Landes heißt.

Retourkutsche

Dass jetzt schwere Geschütze aufgefahren werden, sei für ihn wenig überraschend, sagt der Obmann des Abfallwirtschaftsverbandes Liezen, LAbg. Armin Forstner. Gegen den ehemaligen Geschäftsführer des AWV Liezen, gegen das Kanal- und Grubendienst-Unternehmen sowie dessen Geschäftsführerin ist ein Verfahren wegen Untreue, schweren Betrugs und Urkundenfälschung anhängig. Es gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung. Die Anzeige über Missstände auf dem Deponiegelände sei eine klassische Retourkutsche. Den Vorwürfen sieht Armin Forstner gelassen entgegen. „Wir haben uns nichts zuschulden kommen lassen und alles nach bestem Wissen und Gewissen erledigt. Ich bin nur etwas verwundert, dass er (der ehemalige Geschäftsführer des AWV Liezen, Anm. d. Red.) seine eigene Arbeit kritisiert“, so Forstner. Er findet es „komisch“, dass gezielt Fotos gefährlicher Stoffe gemacht wurden. Da müsse man schon sehr genau wissen wo diese gelagert sind. Außerdem könne man solche Fotos leicht nachstellen.

Zurücklegen oder klären

Etwa ein Monat nachdem Forstner den Obmann von seiner Vorgängerin Roswitha Glashüttner übernommen hat, seien ihm hohe Transportrechnungen aufgefallen. Dabei sei ein Unternehmen herausgestochen. Nämlich jenes, wo der Geschäftsführer die Mehrheitsanteile hält. Danach habe es für ihn nur zwei Möglichkeiten gegeben: Entweder sofort zurückzutreten oder diesen Umstand zu klären. Er habe sich für Letzteres entschieden. Im Februar wurde der damalige Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsverbandes Liezen (AWV) suspendiert und kurze Zeit später beschloss der Verband die sofortige Entlassung. Dabei handle es sich um „Gerüchte“ und „falsche Vorwürfe“, hieß es damals von Seiten des Rechtsanwaltes. „Der Abfallwirtschaftsverband wollte nicht nur meinen Vater loswerden, sondern auch die GmbH“, sagt Elisa Bretterebner. Seit Jahrzehnten führe ihr Unternehmen Transportleistungen für den AWV Liezen durch. Der Vertrag sei nun aus ihrer Sicht unrechtmäßig aufgekündigt worden.