Vom Blechrohling zur Kühlvitrine

Laser-Stanz- sowie Schweißroboter: Trotz hohem Technisierungsgrad sind qualifizierte Mitarbeiter gefragt. Der omnipräsente Facharbeitermangel trifft auch die produzierenden Betriebe. Foto: Ideal AKE

Im kommenden Jahr feiert Ideal AKE das 80-jährige Fimenjubiläum. Den Tochter-Standort in Bad Mitterndorf gibt es seit 26 Jahren. Die letzten beiden Jahre waren geprägt von strategischen Veränderungen.

Die Ausseer Kälte- und Edelstahltechnik (AKE) im Bad Mitterndorfer Ortsteil Pichl ist vielen Menschen in der Region ein Begriff. Im Vorbeifahren erhascht man einen kurzen Blick auf das Firmengebäude, was genau in den Produktionshallen passiert und in welche Kontinente die Geräte aus Bad Mitterndorf geliefert werden, ist vielen unbekannt. Der „Ennstaler“ bekam kürzlich einen Einblick über das Betätigungsfeld und die internationale Bedeutung des Betriebes.

 

Vom Vierkanthof über die Grenzen

Die Geschichte des Unternehmens beginnt in Gmunden in den Vierzigerjahren. Dort entstand auf einem Vierkanthof ein Kältetechnikbetrieb, der bald zum international bedeutenden Unternehmen avancierte. Als man an seine Kapazitätsgrenzen stieß, gründete man gemeinsam mit dem ortsansässigen Helmut Pilz 1998 die Tochtergesellschaft „Ausseer Kälte- und Edelstahltechnik“. Die Unternehmensgruppe produziert hochwertige Kühl- und Wärmegeräte für Gastronomie, Hotellerie und Handel. Über zehn Jahre wurden beide Unternehmen vollkommen getrennt geführt, 2012 begann ein gemeinsamer Markenauftritt als „Ideal AKE“. In den letzten beiden Jahren rückte man auch in der Organisation weiter zusammen und bündelte die Kräfte im Einkauf, im Marketing und in der Personalabteilung. Heute beschäftigt das Unternehmen insgesamt über 300 Mitarbeiter, knapp die Hälfte davon in Bad Mitterndorf.

 

Umstrukturierungen

Vor zwei Jahren ist das deutsche Unternehmen Nordcap als Mehrheitseigentümer bei der Muttergesellschaft Ideal Kältetechnik GmbH in Gmunden eingestiegen und auch in der Geschäftsführung gab es Umstrukturierungen. Minderheitsgesellschafter Helmut Pilz ging als Geschäftsführer in den Ruhestand. Als Vorsitzender verantwortet der im Vorjahr bestellte Peter Habersatter sowohl die Ideal Kältetechnik GmbH in Gmunden als auch die AKE in Bad Mitterndorf. In letzterer Niederlassung wird er von seinem Geschäftsführerkollegen Andreas Pilz, dem Sohn des Minderheitsgesellschafters, unterstützt. Klaus Gaiswinkler, langjähriges Mitglied der AKE-Geschäftsführung übernahm mit Jahreswechsel die Rolle des CDO und ist für den Digitalisierung und IT-Struktur der gesamten Unternehmensgruppe verantwortlich. Komplettiert wird die Geschäftsführung seit einigen Monaten durch Thomas Klikowitsch, der als CFO die Bereiche Finanzen und Einkauf für beide Unternehmen verantwortet.

 

Herausforderung: Verändertes Kaufverhalten

„Die letzten Jahrzehnten waren wir erfolgsverwöhnt, doch Corona ist nicht spurlos an uns vorübergegangen“, sagt Geschäftsführer Peter Habersatter. Neben Bestellrückgängen, waren undurchgängige Lieferketten eine massive Herausforderung. „Es sind beispielsweise 300 Geräte gestanden, weil wir auf ein nicht lieferbares Teil warten mussten. Doch gleichzeitig mit den Umsatzrückgängen haben wir unsere Prozesse optimiert“, kann Habersatter den letzten Jahren etwas Positives abgewinnen. Die derzeitige Resonanz am Markt stimmen ihn positiv, wie er sagt, auch wenn sich das Bestellverhalten der Kunden verändert hat: „Früher gab es typische Saisonen und Bestellrhythmen, an denen wir uns orientieren konnten. Heute ist das Verhalten sehr volatil.“

 

Kein Lager heißt hohe Flexibilität

Die Kunden von Ideal AKE erstrecken sich über Europa, Nordamerika und dem nahen Osten. Die Stückzahlen pro Bestellung schwanken zwischen einem und 200 Geräten.

Nachdem nur auftragsbezogen produziert wird und es keinen Lagerbestand gibt, sei es eine der großen Herausforderungen diese Schwankungsbreite auszugleichen. Allein in Bad Mitterndorf verlassen um die 8000 Geräte pro Jahr die Produktionshallen. Nicht ohne Stolz berichtet Peter Habersatter vom jüngsten Coup: „Wir haben ein Jahr lang mit Starbucks verhandelt, jetzt ist die Vereinbarung unterschriftsreif.“

 

Effizienz und Mitarbeiterfokus

Ein Blick in die Produktionshallen zeigt die effizienten Arbeitsabläufe. Ein vollautomatischer Laser-Stanz-Roboter ist sieben Tage die Woche, 24 Stunden im Einsatz. Nach dem Biegen kommen die Teil zu einem Schweißroboter. Der hohe Technisierungsgrad ersetzt keine Arbeitskräfte, denn auch die Maschinen müssen bedient werden. „Ein patriarchalischer Führungsstil aus der Vergangenheit ist heute vor allem bei jungen Mitarbeitern nicht mehr vermittelbar“, erklärt Habersatter seinen Zugang zur Mitarbeiterführung. Bei den Lehrlingen legt Ideal AKE großen Wert auf die Ausbildung. In einer eigenen Lehrwerkstatt werden die Nachwuchstechniker auf Prüfungen vorbereitet und lernen spezifische Anforderungen in ihrem Tätigkeitsfeld. In den letzten Jahren stellte das Unternehmen mit den Brüdern Franz und Johannes Kalß sogar zwei Vizeweltmeister bei den World Skills in Abu Dhabi (2017) und Kazan (2019).

 

Klimabewusste Produktion

Nicht nur bei den Prozessen und bei der Kostenoptimierung setzte das Unternehmen einen Schwerpunkt in den letzten Jahren, auch in Sachen Nachhaltigkeit drehte man an vielen Stellschrauben. Neben der Investition in eine Photovoltaikanlage, welche 19 Tonnen CO2-Äquivalente einspart, wird die Produktpalette ständig optimiert. Zu den Anforderungen durch die Kunden, verschärfen sich auch stetig die gesetzlichen Umweltauflagen. So sind beispielsweise sämtliche steckerfertige Kühlgeräte mit dem natürlichen, umweltfreundlichen Kältemittel Propan (R290) verfügbar.

 

Produktentwicklung als Erfolgskonzept

Ein Erfolgsgeheimnis von Ideal AKE ist der technische Vorsprung am Markt. Jüngste Auszeichnungen zeigen die Stärke in Sachen Produktentwicklung des Unternehmens. So räumte man erst im Vorjahr für eine modulare Bauweise eines Warmhaltegeräts bei der internationalen Fachmesse „EuroShop“ in Düsseldorf den Innovationspreis ab. Auch heuer wurde dem Unternehmen gemeinsam mit einem Partner für eine Vitrine, die zwischen Kalt- und Warmhaltebetrieb umgeschalten werden kann, bei der EuroShop in Frankreich ein weiterer Innovationspreis verliehen.

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