Versorgung durch unsere Landwirte sichergestellt

Im Rittersaal des Grazer Landhauses tagte auf Einladung von Landesrat Seitinger der Lebensmittel-Versorgungsgipfel. Foto: Fischer

Die heimische Landwirtschaft ist weitgehend in der Lage, die Bevölkerung in der Coronavirus-Krise mit regionalen Lebensmitteln zu versorgen. Derzeit gäbe es keinen Anlass, die Versorgung in Frage zu stellen. Für heimische Landwirte hat es höchste Priorität, die Bürger mit Lebensmitteln zu versorgen. Dies bekräftigen Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher und Agrarlandesrat Hans Seitinger.
Auf Einladung von Landesrat Seitinger hat am 14. März im Rittersaal des Grazer Landhauses ein Lebensmittel-Versorgungsgipfel stattgefunden. Gemeinsam mit Landesrätin Ursula Lackner sowie Vertretern der Landwirtschaft, aller großen Erzeugerorganisationen, der Verarbeitungsbetriebe und des Handels wurden Maßnahmen zur Sicherstellung der regionalen Lebensmittelversorgung in der Steiermark besprochen. Eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Steirer mit heimischen Lebensmitteln kommt den Erzeugerorganisationen zu, denn sie sichern die Lieferungen an die Handelsketten. Verstärkte Personenhygienemaßnahmen und betriebsinternes Personalmanagement tragen dazu bei, dass das Risiko von Coronafällen in Produktions- und Verarbeitungsbetrieben und der damit verbundenen Folgewirkungen minimiert wird. „Der Handel kann die Versorgung sicherstellen, wenn die Zulieferung funktioniert“, unterstreicht Handels-Spartenobmann Gerhard Wohlmuth. „Die steirischen Erzeugerorganisationen können derzeit noch eine Versorgungsgarantie abgeben“, zieht Seitinger ein positives Resümee aus dem Versorgungsgipfel und Landesrätin Ursula Lackner unterstreicht: „Das Treffen war wichtig. Es wurden alle bisher getroffenen Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung, beziehungsweise zur Verbreitung des Virus in Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung der Lebensmittel-Versorgung diskutiert und der Informationsfluss verdichtet. Die steirischen Landwirte, Erzeugerorganisationen und Verarbeitungsbetriebe wie auch der Handel gehen mit engagiertem Einsatz auf die sich nun stellenden großen Herausforderungen zu, damit die regionale Versorgungssicherheit im Lebensmittelbereich aufrechterhalten werden kann.“
Nachfrage abgedeckt
Die landwirtschaftliche Produktion deckt in vielen Bereichen die österreichische Nachfrage komplett ab. Der Selbstversorgungsgrad bei tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln ist größtenteils hoch. Bei Konsummilch liegt er österreichweit bei 168 Prozent, bei Butter bei 72 Prozent, bei Käse bei 99 Prozent, bei Obers und Rahm bei 109 Prozent. Mit Hühnerfleisch ist die Steiermark zu 160 Prozent versorgt (Österreich 82 Prozent). Bei Eiern beträgt der Selbstversorgungsgrad in der Steiermark 228 Prozent (Österreich 89 Prozent). Mit Rind- und Kalbfleisch sind die Steirer zu 180 Prozent (Österreich 141 Prozent), mit Schweinefleisch zu 140 Prozent (Österreich 101 Prozent) versorgt. Auch bei Vitaminen steht das grüne Herz gut da. Der Versorgungsgrad mit Äpfeln liegt im Schnitt bei 300 Prozent (Österreich 85 Prozent).
Österreich ist auch gut mit Erdäpfeln versorgt – der Selbstversorgungsgrad liegt bei 80 bis 100 Prozent. Bei Zwiebeln hat unser Land einen Selbstversorgungsgrad von 119 Prozent, bei Salaten 83 Prozent (Steiermark 55 Prozent). Derzeit ist der steirische Chinakohl, der vitaminreiche Wintersalat mit kurzen Transportwegen, ausreichend vorhanden. So unternehmen die steirischen Gemüsebauern alles, um möglichst rasch mit dem Grazer Krauthäuptel auf den Markt zu kommen. „Für die Bäuerinnen und Bauern hat es höchste Priorität, die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Sie setzen alles daran, die Versorgung mit Lebensmitteln weiterhin sicherzustellen. Auch die heimischen Direktvermarkter sind wichtige Nahversorger für Stadt und Land“, erklärt Präsident Franz Titschenbacher.
Hofläden als „Trumpfass“
Im Zuge des Versorgungsgipfels wurde auch thematisiert, dass nicht nur der Versorgungsgrad mit Lebensmitteln von Bedeutung ist, sondern ebenso die Veredelung und Vermarktung dieser Produkte im Inland. „Insbesondere im Hinblick auf die zentrale Stellung der Verarbeitungsbetriebe für die Versorgungssicherheit ist es umso wichtiger, dass in diesem Bereich Stillstände vermieden werden“, betont Agrarlandesrat Seitinger. Wertvolle Informationen lieferte dazu Landessanitätsdirektor-Stellvertreter Thomas Ameger, der zahlreiche offene Fragen beantwortete und erläuterte, wie neuralgische Punkte bestmöglich geschützt werden können.
 Als „Trumpfass bei der Versorgung“ bezeichnet Seitinger die Direktvermarkter und Hofläden, denn gerade in Krisenzeiten bieten diese eine sichere Versorgung, die weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen ist. Zur Sprache gebracht wurde aber auch die Abhängigkeit von den internationalen Agrarmärkten. Derzeit werden Agrargüter in der Größenordnung von rund 12 Milliarden Euro importiert und in derselben Größenordnung exportiert. Insbesondere in Krisenzeiten sei der Eigenversorgung die höchste Priorität einzuräumen. Seitinger betont dazu: „Die Wertehaltung unserer steirischen Bäuerinnen und Bauern, deren Organisationen und Unternehmen ist davon geprägt, Notsituationen nicht zum persönlichen Vorteil zu nutzen, jedoch sollten sich alle darauf besinnen, auch in guten Zeiten den unbezahlbaren Wert einer nachhaltigen bäuerlichen Familienlandwirtschaft und deren Produkte zu würdigen und zu schätzen. Diese Krise soll zu einem nachhaltigen Umdenken beitragen.“
Autarker Lebensmittelkreislauf
Festgehalten wurde auch, dass in Zukunft noch mehr darauf geachtet werden muss, dass vom Saat- bzw. Erbgut bis zum Teller der gesamte Lebensmittelkreislauf zunehmend autark in Österreich zu bewerkstelligen sei, um Abhängigkeiten weitestgehend zu vermeiden. Lackner weist auf die langfristig positive Perspektive hin: „Die aktuelle Situation schärft bei vielen Menschen das Bewusstsein für die Bedeutung der regionalen Betriebe und ihrer Produkte. Dieses Bewusstsein gilt es über die Corona-Krise hinaus zu erhalten und zu festigen.“
Abstand nehmen von Hamsterkäufen
Keine Sorgen bereite den Teilnehmern am Versorgungsgipfel aktuell die Kühllogistik innerhalb Österreichs. Für Kopfzerbrechen sorgen allerdings die Hamsterkäufe, denn sie bringen den Lieferrhythmus und den eingeübten Versorgungstakt aus dem Gleichgewicht. Es gilt aber auch, die Bevölkerung von einem besonnenen, solidarischen Vorgehen beim Einkauf zu überzeugen. Lackner und Seitinger appellieren daher, von Hamsterkäufen Abstand zu nehmen.
 Maßnahmen
Konkret wurden unter anderem vier Punkte als wichtige Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Lebensmittel-Versorgungssicherheit definiert. So etwas die Einrichtung einer Koordinationsstelle für Lebensmittelversorgung im Amt der Steiermärkischen Landesregierung sowie verstärkte Hygienemaßnahmen in allen Bereichen der Versorgung. Weiters soll ein betriebsinternes Personalmanagement durch das getrennte Arbeiten mehrerer Teams die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes gewährleisten. Die neuralgischen Punkte der Lebensmittel-Lieferkette müssen identifiziert und im Sinne von systemkritischer Infrastruktur behandelt werden.