Verschnaufpause

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Jahrzehntelang war das Amt des Gesundheitsministers in Österreich eine relativ entspannte Aufgabe. Länder, Sozialversicherungen und Spitäler kochten zwar jeweils ihr eigenes Süppchen, der Minister konnte aber stets auf eine gut gefüllte Kasse vertrauen, die Bevölkerung war mit dem Gesundheitssystem zufrieden und der Minister war allseits beliebt.

Das hat sich mit dem Auftauchen des Coronavirus massiv verändert, wie das spektakuläre Scheitern zweier Minister uns vor Augen geführt hat. Jetzt übernimmt der langjährige Landesrat und Politprofi Rauch das Ressort, das nach wie vor mehr als schwierig ist.

Denn auch wenn durch die geopolitische Lage das Thema etwas in den Hintergrund gerutscht ist, die Spaltung der Bevölkerung beim Thema ist deswegen nicht verschwunden. Etwa ein Viertel der Bevölkerung ist inzwischen derart überzeugt gegen eine Impfung, dass ein Stimmungswandel unwahrscheinlich ist. Die Geimpften wiederum sorgen sich um ihre Rechte, die Wirtschaft und um ihre Freiheiten und möchten die Pflicht durchgesetzt haben.

Angesichts der aktuellen Lage ist daher die Entscheidung, die Impfpflicht vorerst drei Monate auszusetzen, eine gute. Sie gibt der Bevölkerung, dem neuen Minister und den Experten etwas Zeit, um die weitere Entwicklung zu beobachten und eine Strategie für den Herbst zu entwickeln. Und es bleibt zu hoffen, dass diese Strategie uns endlich ein möglichst einschränkungs- und coronaloses Winterhalbjahr bringt. Denn Probleme haben wir aktuell beileibe genug, und das wird leider auch noch länger so bleiben.