Verhüttelung am Oberhausberg

Auf diesem als Ferienwohngebiet gewidmeten Grundstück sollen in zwölf Wohnhäusern 16 Zweitwohnsitze und eine Tiefgarage entstehen.

Am Oberhausberg sollen mitten im Waldgebiet zwölf Wohnhäuser mit 16 Zweitwohnsitzeinheiten samt Tiefgarage entstehen. Anrainer laufen Sturm, die erste Bauverhandlung wurde unterbrochen.

Bereits im Vorjahr sorgte ein Schreiben der BH Liezen bei Bewohnern am Oberhausberg für Aufregung: Die Anrainer wurden über eine Rodung des teilweise bewaldeten Grundstücks informiert. Schon damals legte die Nachbarin Helene Melnitzky Einspruch ein. Die Anrainergemeinschaft tritt mittlerweile geschlossen gegen das geplante Bauprojekt auf. Letzten Mittwoch fand die erste Bauverhandlung statt.

Zweitwohnsitze im Wald

Auf einem knapp 5000 Quadratmeter großen Grundstück sollen in zwölf Wohnhäusern 16 Zweitwohnsitzeinheiten inklusive Tiefgarage entstehen. Eine entsprechende Widmung besteht bereits seit Jahrzehnten. Bürgermeister Stefan Knapp ist skeptisch: „Grundsätzlich bin ich ein Gegner von solchen Projekten, aber als Behörde muss ich nach dem Gesetz handeln – ob‘s mir passt oder nicht.“ Widmungen seien meistens Wünsche von Einheimischen, sagt ÖVP-Gemeinderat Matthias Schwab: „Die haben das dann verkauft. Leider Gottes merkt man bei den jetzigen politischen Verantwortlichen, dass man keine große Handhabe hat.“ Aber auf Zweitwohnsitze müsse man mehrere Blickwinkel werfen. „Ich bin ein Wirtschafter. Touristische Entwicklung braucht es in Haus, davon hängen viele Arbeitsplätze ab“, so Schwab. Es gebe immer vermeintliche Verlierer, aber auch Gewinner.

Altlast nicht bereinigt

Die Vorgeschichte des Grundstücks reicht bis in die Neunzigerjahre zurück. Schon damals hat sich die frühere Eigentümerin das Wege- und Wasserrecht gerichtlich erkämpft. Ein 2001 angestrebtes Projekt mit sechs Objekten kam nicht zustande. Im Jahr 2008 kaufte die Monte Vista GmbH die Liegenschaft. Die aktuelle Eigentümerin hat ihren Sitz in Graz, die Gesellschafter sind zum überwiegenden Teil Schweizer Firmen und Privatpersonen. Geschäftsführer ist, neben zwei Schweizern, der Grazer Kejan Walizadeh.

(Noch) keine Bauplatzeignung

„Uns geht‘s darum, dass so etwas wie beim Hüttendorf nicht passiert“, betont Helene Melnitzky.  Außerdem handle es sich um undurchsichtige Firmenkonstrukte und es gehe nicht eindeutig hervor, wer Bauwerber sei. Aus baulicher Sicht fehlen für eine Bauplatzeignung wesentliche Voraussetzungen. Weder die Zufahrt noch die Wasserversorgung seien geklärt. Erst wenn die Bauwerber Lösungen vorweisen können, wird die Bauverhandlung weitergeführt. Neben Zufahrt und Wasser war auch die Löschwasserversorgung Thema. Der Bauleiter machte deutlich, dass die Gemeinde dafür Sorge zu tragen habe. „Es wäre ein Wahnsinn wenn die Gemeinde zigtausend Euro für die Löschwasserversorgung für eine Zweitwohnsitzsiedlung am Oberhausberg in die Hand nehmen muss“, zeigt sich ein Anrainer fassungslos.