Verbandsfusion: Spannendes Spiel des Interessensausgleichs

Kreative Ansätze von Stadtmarketing & Tourismus: Liezens Hauptplatz ohne Bezirkshauptmannschaft, dafür mit vielen Aufenthaltszonen und Grünflächen. Bild: Alfred Zettler

Im Oktober wird Stadtmarketing & Tourismus Liezen mit dem Gesäuse fusionieren. Für Obmann Fritz Kaltenbrunner „ein spannendes Spiel des Interessensausgleichs“, wie er sagt. Generell sehe er jedoch bessere Chancen in einem großen Verband.

In der Bezirkshauptstadt fand die letzte Vollversammlung von Stadtmarketing & Tourismus Liezen statt. „Der größere Verband wird sich freuen, wenn eine reiche Braut wie Liezen übernommen werden kann“, so Liezens Tourismus-Obmann Fritz Kaltenbrunner bei der Präsentation der positiven Bilanz. Er und Liezens Tourismusverband-Geschäftsführer Hartwig Strobl haben in den vergangenen 14 Jahren zahlreiche Projekte in der Bezirkshauptstadt umgesetzt. „Das letzte große Projekt war die Sommerbühne. Nun gehen wir in den Tourismusverband Gesäuse über und werden sehen, was passiert“, so Strobl. Denn „Sorgen bereiten uns Veranstaltungshighlights wie etwa die Sommerbühne oder die Shopping Night. Wir hoffen, diese auch weiterhin umsetzen zu können“, gab Kaltenbrunner zu bedenken. Trotzdem sehe Kaltenbrunner mehr Chancen in einem großen Verband, wie er selbst sagt.

2,5 Millionen Euro Wertschöpfung

Durch die beschlossene Tourismusstrukturreform ist es Verbänden nicht mehr erlaubt, Infrastruktur zu erhalten. Diese Verordnung schließt auch die Rechtsträgerschaft von Gutscheinsystemen aus. Der neue Tourismusverband Gesäuse ist somit nicht befähigt, als Träger der Liezen Card aufzutreten. Hing der Fortbestand der Liezen-Gutscheine in den letzten Monaten in der Luft, gibt es nun erste positive Entwicklungen: „Bis zum nächsten Frühjahr haben wir eine Übergangslösung gefunden. Danach sehen wir eine schöne Chance, den Gutschein über den ganzen Verband, von Wildalpen bis Liezen, auszurollen und zwar in Form eines neuen Rechtsträgers“, so Strobl­, der dem Liezen-Gutschein eine jährliche Wertschöpfung von 2,5 Millionen Euro zuschreibt. „Es ist ein wichtiges Kundenbindungsinstrument, das gerade in Zeiten von Corona und Onlinehandel nicht zu unterschätzen ist“, betont der Stadtmarketing-Chef. Die Zahlen sprechen für sich: 2017 erwirtschaftete die Liezen-Card einen Umsatz von 1,694.321 Euro, 2019 1,768.970 Euro und 2020 konnte der Gutschein sogar einen Umsatz von 1,615.566 Euro erzielen, trotz Corona-Pandemie und Lockdowns. „Fünfzig Prozent des jährlichen Umsatzes erwirtschaften wir im November und Dezember“, so Strobl, der betont: „Auch heuer wird es den Gutschein vor Weihnachten zu kaufen geben.“ Davon würden vor allem viele Geschäftspartner Gebrauch machen: „Wir zählen viele gewerbliche Kunden, die den Liezen-Gutschein als Weihnachtsgeschenk für ihre Mitarbeiter kaufen. Dadurch werden viele animiert, nach Liezen zu kommen, um hier einzukaufen“, so der Stadtmarketing-Chef. An Einstellen ist derzeit also nicht zu denken, sagt Strobl. Ganz im Gegenteil. Er schreibe dem Gutscheinsystem sogar das Potenzial zu, der gemeinsame Nenner der neuen Tourismusregion zu werden. Natürlich unter neuem Namen, neuem Träger und erweitertem Gebiet, so Strobl.

„Wollten nie die Gscheiterl spielen“

Die letzte Vollversammlung von Stadtmarketing & Tourismus Liezen bot auch ausreichend Gelegenheit, alle Aktivitäten beginnend vom Jahr 2007 Revue passieren zu lassen. Dabei spielte auch die Innenstadtgestaltung eine wesentliche Rolle. „Es war nie unser Ansinnen, die ,Gscheiterl‘ in Liezen zu spielen, sondern kreative Prozesse in Gang zu setzen, die zu einer Diskussion und neuen Denkansätzen in punkto Stadtentwicklung – speziell Innenstadt – führen, unabhängig jeglicher Parteipolitik. Objektiv betrachtet hätte man in Liezen doch einiges besser machen können. Das zeigt jetzt die landesweit geführte Diskussion über die „Rettung der Innenstädte“ oder die Bodenversiegelung“, sagt Strobl. Kritisch haben die Stadtmarketing-Verantwortlichen vor allem die Hauptplatzgestaltung und das Einkaufszentrum ELI gesehen, wobei „das ELI nie das Feinbild war, sondern dessen Standort“, betont Kaltenbrunner. „Wir wären mit dem Einkaufszentrum nie soweit in den Süden, an die B 320, gerutscht“, so der Obmann. Pläne für einen innerstädtischen Standort habe es gegeben, auch Gespräche mit Immobilieneigentümern. Doch „es wurde dann so nicht umgesetzt“, sagt Kaltenbrunner. Auch Liezens Hauptplatz nahmen Strobl und Kaltenbrunner mehrmals ins Visier. „Liezen soll eine wirtschaftlich florierende, lebens- und liebenswerte Stadt sein. Dieses Ziel haben wir uns an die Fahnen geheftet. Da gab es viele Ideen, die nicht immer auf Wohlwollen gestoßen sind. Trotzdem kann man vieles davon heute noch mitnehmen“, so der Obmann. Auch Liezens Bürgermeisterin Roswitha Glashüttner hat sich der Innenstadtentwicklung verschrieben und vor drei Jahren einen dementsprechenden Prozess gestartet. Erste Ergebnisse will sie im nächsten Jahr präsentieren, wie sie sagt: „Wir arbeiten daran, die Innenstadt zu verändern und streben mehr Ruhezonen und weniger Verkehr an.“