Untergrimming: Wider stand gegen weiteren Steinbruch

Aus dem Eigenbedarf für den Stallbau ist mehr geworden. „Nun soll der illegale Abbau in einem größeren Maßstab legalisiert werden“, sagt NETT-Obmann Rolf Seiser. Foto: o. K.

Vom Eigenbedarf zum gewerblichen Abbau. Untergrimminger stemmen sich     weiterhin vehement gegen den geplanten Steinbruch, Schützenhilfe kommt von der Umweltorganisation NETT.

Wie bereits berichtet, soll in Untergrimming auf einem Areal von 4,2 Hektar am Fuß des Tressensteins ein Steinbruch entstehen. Die erste Verhandlung am 11. Mai wurde nach mehreren Stunden vertagt. Der Bürgerinitiative gegen den geplanten Steinbruch ist nun der Verein „NETT“ zur Seite gesprungen. „Wir kümmern uns nicht nur um Straßen, sondern allgemein um den Umweltschutz. Seit 2007 sind wir eine anerkannte Umweltorganisation“, sagt NETT-Obmann Rolf Seiser.

Abbau legalisieren

Vor zehn Jahren startete der Abbau ursprünglich nur zum Eigenbedarf eines Stallbaus. Aber daraus ist mehr geworden, führt Rolf Seiser aus. Mittlerweile sei der „Eigenbedarf“ des ansässigen Landwirts um dreißig bis vierzig Prozent überschritten, Schotter und Gestein seien verkauft worden, die Firma Danglmaier habe als Joint Venture-Partner bereits mitgearbeitet.

„Aus diesem Grund sind auch zwei Verfahren seitens der BH Liezen anhängig. Nun soll der illegale Abbau in einem größeren Maßstab legalisiert werden“, so der NETT-Obmann. Allein das Landschaftsbild würde massiv unter dem Eingriff leiden, wenn dort eine Wunde in den Berg gerissen würde. Grimming-Werbefotos könnte man dann „nur mehr aus dem Archiv holen“. Der bereits bestehende Bergbau, welcher von Mathias Mandl betrieben wird, sei verdeckt und Emissionen sowie der Abtransport würden die Einwohner kaum belasten.

Isabella Gaugl ist unmittelbare Nachbarin des geplanten Steinbruchs und Initiatorin der Bürgerinitiative. „Die Häuser sind einfach zu nah am Abbaugebiet. Die Lärm-, Staub- und Schmutzbelastung würde durch den Wind und die landschaftliche Einkesselung zusätzlich verstärkt werden“, so Gaugl. Außerdem würde der Spazierweg als Naherholungsgebiet vollkommen entwertet und gefährlich für die Schutzbefohlenen werden. Die von ihr initiierte Unterschriftenliste zählt bereits über fünfhundert Namen.

Vogelschutzgebiet und reiner Kalk

„Der Tressenstein ist ein Teil des Europaschutzgebietes, das geplante Abbaugebiet schließt unmittelbar an“, sagt der Ornithologe Heinz Kolland. „Die Vogelwarte Wörschach ist der Meinung, dass dieser Abbau ein Potenzial hat für gröbere Auswirkungen auf das Schutzgebiet“, so Kolland. Der Uhu unterliege beispielsweise einem strengen Artenschutz. Zudem wären noch einige andere geschützte Vogelarten wie der Weißrückenspecht, der Milan oder der Neuntöter ansässig, weswegen eine Naturverträglichkeitsprüfung unumgänglich sei. Heuer sei es für ein Monitoring allerdings zu spät: „Um das sachgemäß durchführen zu können, müsste man nächstes Jahr im Frühjahr starten.“

Geologe Wolfgang Riedl stellt in Frage, ob das Material dort überhaupt das ist was sich die Antragsteller erwarten. Ob der Tressenstein einen ähnlich reinen Dachstein-Kalk zu Tage bringt wie der Grimming wagt er zu bezweifeln. Wenn dem tatsächlich so wäre, „wäre das Projekt noch unnötiger als es eh schon ist“, attestiert Rolf Seiser. Eine Renaturierung würde viele Jahre in Anspruch nehmen, gibt Riedl zu bedenken. Die Bodenbildung im Kalkbereich dauert sehr lange und die Humusschicht ist sehr dünn. „Pionierpflanzen können nur mühevoll wieder Fuß fassen“, so Riedl.

Kein Antrag, kein Beschluss

Es sei die Gemeinde am Zug, sagt Bezirkshauptmann Christian Sulzbacher: „Bevor die Brücke dem erforderlichen Gewicht nicht standhält, ist auch keine geeignete Zufahrt gegeben.“ Deswegen wurde das Verfahren vorübergehend ausgesetzt. Im Moment sehe er jedenfalls keine Chance für eine Genehmigung, denn die alternative Strecke an den Wohnhäusern vorbei werde nicht durchgehen.

Es gebe seitens des Projektwerbers weder einen offiziellen Antrag noch eine schriftliche Anfrage an die Gemeinde, dass die Brücke adaptiert oder die Straße verbreitert werden soll, sagt der Bürgermeister von Stainach-Pürgg Roland Raninger. Deswegen wurde im Gemeinderat auch kein Beschluss vorgelegt, aber „so wie uns das Vorhaben laut Projektbeschreibung vorliegt, ist die Umsetzung für die Bevölkerung nicht zumutbar.“ Der Gemeinde wurden bereits Unterschriftenlisten übermittelt und es gab viele persönliche Gespräche wo die Befürchtungen der Anrainer mitgeteilt wurden. „In Anbetracht der Projektbeschreibung teilen wir die Bedenken voll und ganz“, so Raninger.