Über hundert Projekte in Leader-Region gefördert

Gelungene Renaturierung des Sagtümpels in Tauplitz. Foto: Robert Seebacher

Die Leader-Förderperiode neigt sich dem Ende zu. Albert Holzinger, Obmann der Leaderregion Ennstal-Ausseerland, und Geschäftsführerin Mag. Barbara Schiefer sprachen mit dem „Enns­taler“ über besondere Projekte und gaben Ausblick auf die neue Periode.
Leader ist seit 1991 das Programm der Europäischen Union zur Innovationsentwicklung im ländlichen Raum. Die Leader-Region Ennstal-Ausseerland besteht aus 18 Gemeinden. Im Förderprogramm 2014 bis 2020 wurden rund 101 Projekte in drei Themenfeldern eingereicht. Das verfügbare Budget betrug 3,89 Millionen Euro. Zum einen ging es um Wertschöpfung – hier wurden Projekte aus Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Wirtschaft, Gewerbe, Energie, EPU und KMU eingereicht. Der zweite Schwerpunkt setzt auf natürliche Ressourcen und kulturelles Erbe. Darin inbegriffen sind Projekte, die sich um Natur- und Ökosysteme sowie Kultur und Handwerk kümmern. „Gemeinwohl Strukturen und Funktionen“ ist ein weiteres Themenfeld, welches Dienstleistungen, Nahversorgung, regionales Lernen und Beteiligungsstruktur betrifft. Alle Projekte setzen auf Innovation, Zusammenarbeit und bewirken positive Veränderungen in der Region. Die Leader-Region Ennstal-Ausseerland hat ihren Sitz in der Gemeinde Irdning-Donnersbachtal. Das Einzigartige ist, dass die Projekte direkt vor Ort vom Leader-Vorstand, dem öffentliche Vertreter, Bürgermeister, etc. angehören, behandelt und beschlossen werden. Ebenso entscheidet der Vorstand über die Höhe der Fördersumme.
Ausgezeichnete Projekte
Einige besonders innovative Projekte konnten mit hochkarätigen Preisen ausgezeichnet werden. Dem „Gipfelbad anno dazumal“ wurde 2018 der österreichische Tourismusinnovationspreis zuteil. Auf einer außergewöhnlichen Location hat die Riesner­alm eine besondere Attraktion errichtet, die im Alpenraum als Unikat gesehen werden kann. In Anlehnung an ein seinerzeitiges Freibad in Donnersbachwald in den 1930er-Jahren, entstand am Gipfel der Riesner­alm auf 1900 Meter Seehöhe ein Infinity-Pool.
Der europäische Preis für Höhlenforschung ging an das Projekt „Renaturierung Sagtümpel“ in Tauplitz. Die Riesenkarstquelle Sagtümpel wurde aufgrund von Engpässen in der Trinkwasserversorgung 1975 gefasst und an das Trinkwassernetz der Gemeinde Tauplitz angeschlossen. Der gesamte Quelltümpel wurde mit Schutt verfüllt und mit einer Stahlbetondecke verschlossen. Im Zuge des Leader-Projektes konnten die Fassungsanlagen entfernt und der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden. Ein Themenweg über Karst und Wasser wurde im Zug der Renaturierung mittels Schautafeln realisiert und teilweise neu angelegt. Der Sagtümpel ist nun ein ganzjähriges Ausflugsziel für Jung und Alt. Die im Verhältnis zur Grundfläche große Tiefe von rund zehn Metern ist ungewöhnlich und gibt dem Quellsee ein mystisches Aussehen. Nicht ohne Grund rankt sich eine Sage um einen Wassermann, der den Tümpel bewohnt haben soll. Angelegt ist der Quelltopf in eiszeitlichen Konglomeraten, was in Österreich einzigartig ist.
Das Projekt „Wiesenmanagement Ausseerland“ erhielt 2017 den österreichischen Naturschutzpreis „Die Brennessel“. Reich blühende Blumenwiesen, insbesondere die Narzissenwiesen, sind ein besonderes Merkmal der Kulturlandschaft des Ausseerlandes und für viele Tiergruppen wichtig. Der Wiesenmanagementplan soll für Narzissenwiesen sowie ausgewählte Wiesenflächen im Besitz der Österreichischen Bundesforste AG eine fachliche Grundlage für eine ökologische Bewirtschaftung erarbeiten, um ihren Artenreichtum zu fördern und zu erhalten.
Besondere Kooperationsprojekte
„Kreative Lehrlingswelten“ nennt sich ein steiermarkweites Kooperationsprojekt. Dieses stellt ein neues Modell für eine praxis­orientierte Berufsorientierung an Schulen dar. Es versucht Jugendlichen die Vielfalt der Lehrberufe zu vermitteln, um diese zu einem Arbeitsplatz im ländlichen Raum zu motivieren. Die Projektbasis stellen 24 Werkboxen dar, die ein buntes Berufe-Spektrum bilden. Es sind mobile Mini-Werkbänke mit den wichtigsten Werkzeugen und Materialien der verschiedenen Lehrberufe – je eine Werkbox für einen Beruf. Die Werkboxen werden in einer steiermarkweiten „Road­show“ an den Schulen präsentiert und im Rahmen der Veranstaltungen auch Handwerker aus der Umgebung der jeweiligen Schule eingeladen, damit diese authentisch und persönlich Einblicke in ihre Berufswelten gewähren. Unter der Anleitung der Meister können an jeder Werkbox exemplarische Handwerksstücke in Kleingruppen hergestellt werden. So wird gefräst, gehämmert, gekocht und das fühlt, sieht, hört, riecht und schmeckt man. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen allen 15 Leader-Regionen der Steiermark.
Eine Kooperation zwischen den drei Leader-Regionen Ennstal-Ausseerland, Kulturerbe Salzkammergut und der Traunsteinregion war die Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2024. Diesbezüglich wurde ein Netzwerk gegründet, wo in zahlreichen Arbeitsgruppen und Schritten kulturelle und gesellschaftliche Themen erarbeitet werden konnten. Im November entschied sich dann ein Expertengremium für Bad Ischl. Sechs Kriterien spielten bei der Entscheidung eine Rolle: Langzeitstrategie, kulturelle und künstlerische Inhalte, europäische Dimension, Einbindung der Gesellschaft, Verwaltung und Umsetzungsfähigkeit.
Schritt für Schritt zur Leader-Förderung
Eine wichtige Leitlinie von Leader ist das „Bottom-up-Prinzip“, das heißt, dass die Projektideen in der Region entstehen und auch der regionale Vorstand über die Auswahl der Projekte entscheidet. Zu betonen gilt, dass auch kleine Projekte mit geringen Investitionssummen gefördert werden. „Es gibt kein Projekt, das zu klein ist für Leader“, so die Verantwortlichen. Nach einer positiven Entscheidung des Vorstandes für ein Projekt wird dieses beim Land Steiermark eingereicht. Dabei stehen Obmann Albert Holzinger, Geschäftsführerin Barbara Schiefer und Brigitte Schierhuber den Projektwerbern von der Idee bis zur Umsetzung sowie bei Anträgen mit Rat und Tat zur Seite.
 Neue Förderperiode
„Volle Kraft voraus für die ländlichen Regionen“ – so kann man das Treffen der 15 steirischen Leader-Regionen betiteln. Erstmalig trafen sich die Obmänner und Managements aller Regionen, um gemeinsam Bilanz über eine erfolgreiche Periode 2014 bis 2020 zu ziehen. Ebenso werden die Vorbereitungen für die nächste Förderperiode ab 2021 mit vollem Einsatz aufgenommen. „Die tatkräftige Zusammenarbeit aller Regionen zeigt die großartige Wirkung, die mit über 1.000 Leader-Projekten in der Steiermark erzielt werden konnte. Und gemeinsam wollen wir auch optimale Bedingungen für die Arbeit der Leader-Regionen in der Zukunft aktiv mitgestalten“, so Albert Holzinger. Der Übergang zur nächsten Förderperiode geschieht in der Leader-Region fließend, erklärt Geschäftsführerin Mag. Barbara Schiefer. Das Grundprinzip „Aus der Region - Für die Region“ bleibt wie bisher erhalten. „2020 endet das aktuelle Leader-Förderungsprogramm und wir sind natürlich bestrebt, unser zugeteiltes Budget von 3,89 Millionen Euro für die Region komplett auszuschöpfen. Daher haben wir die Fördermittel fast vollständig verplant, glücklicherweise war der Andrang an Projekten von Beginn an immer groß“, erklärt Holzinger abschließend. Die Höhe der Fördersumme für die nächste Förderperiode steht bisher noch nicht fest.