Trotz Lockdown latenter Urlaubsdruck

Das Verlangen nach einer schönen Gegend und Wintersport motiviert einige Touristen die Lockdown-Bestimmungen zu umgehen bzw. missachten. Foto: Steiermark Tourismus, Tom Lamm

Illegale Urlauber machen der BH das Leben schwer. Von Geschäftsreisen über getarnte Zweitwohnsitz bis hin zu einem Trainingslager eines polnischen Ruderclubs – die Ideen, dem Lockdown zu entkommen, werden immer kreativer.
Der Lockdown bedingte, illegale Tourismus ist ein Phänomen, das österreichweit vor allem in Skigebieten auftritt. Das Verlangen nach entspannten Tagen sei riesengroß, teilweise werden Unsummen für die Möglichkeit eines Kurzurlaubes in der Region geboten. Um den gewünschten Skiurlaub genießen zu können und die Lockdown-Bestimmungen zu umgehen, werden manche Gäste immer kreativer. Speziell in den Semesterferien habe man einen Anstieg an Zweitwohnsitzanmeldungen verspürt. Die Gemeinde habe prompt reagiert und einen Lichtbildausweis und die Unterschrift vom Liegenschaftseigentümer verlangt, berichtet der Ramsauer Bürgermeister Ernst Fischbacher. Die Meldungen seien mittlerweile wieder rückläufig, illegale Urlauber jedoch nicht. „Sie haben gesehen, dass es nicht notwendig ist.“ Man brauche sich einfach nicht erwischen zu lassen und die Tür nicht zu öffnen.
Legale Urlauber
„Viele Menschen haben Wohnungen  bei uns und in den benachbarten Regionen, wie dem Salzburger Raum oder im Salzkammergut. Und diese Wohnungen dürfen von den Eigentümern laut geltender Gesetzeslage aufgesucht werden, aber keinesfalls vermietet werden“, erklärt Hermann Trinker. Wenn Tagesausflügler und Zweitwohnsitzbesitzer die Schiberge bevölkern, sei noch lange nicht gesagt, dass hier Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung vorliegen. Verboten ist die Vermietung und der Aufenthalt in Vermietungsbetrieben. Sobald der Verdacht bestehe, dass sich jemand nicht ans derzeit geltende Betretungs- und Vermietungsverbot hält, werde reagiert. „Meiner Wahrnehmung nach – und das deckt sich mit den Feststellungen der Behörde – halten sich die gewerblichen Betriebe strikt an die Regeln. Bei Verdachtsfällen müssen wir die Behörden informieren und es wird der Sache nachgegangen. Wir prüfen auch auf Vermietungsportalen, ob Wohnungen zur Vermietung angeboten werden und bringen derartige Fälle zur Anzeige“, so Trinker. Gleichzeitig mahnt er zur Achtsamkeit. Schließlich habe man sich jahrzehntelang gefreut, wenn Gäste gekommen sind. Es gebe auch eine Zeit nach Corona. „Mir ist wichtig, dass nichts passiert und der Ruf der Region gewahrt bleibt. Aber nicht jeder, der mit einem fremden Kennzeichen derzeit bei uns unterwegs ist, verstößt auch gegen die Regeln.“
Schwierige Handhabe
Bei manchen Gästen sei es auszuschließen, dass sie Tagesgäste sind. Sobald Auffälligkeiten bekannt werden oder Meldungen an die Gemeinde erfolgen, wird dies angezeigt. Die Handhabe und Kontrolle erweist sich jedoch als schwierig: „Für die Polizei ist es unmöglich zu kontrollieren. Autos werden in Garagen versteckt und sie werden zu 99 Prozent angelogen“, so Fischbacher. Selbst Camper haben sich bereits in Ramsau angesiedelt. Man brauche sich nicht wundern, dass der Unmut bei den Hoteliers wächst, die sich an die Vorgaben halten. Es sei natürlich kein Vergleich zu einem normalen Jahr, wie wenig in Schlad­ming los sei, berichtet Schladmings Gemeinde-Chef Hermann Trinker. Trotzdem spüre man einen latenten Urlaubsdruck. „Sobald wir etwas nicht Erlaubtes erfahren, wird es auch der Polizei gemeldet“, so Hermann Trinker.
Gleiches Recht für alle
Selbst wenn es rechtlich in Ordnung wäre, moralisch sei es nicht vertretbar, Schlupflöchern für den Winterurlaub zu nutzen, sagt Tourismus-Chef Mathias Schattleitner. „Es muss gleiches Recht für alle gelten. Wenn eine touristische Nutzung untersagt ist, müssen sich alle daran halten.“ Problemkind sei laut Fischbacher nicht die Hotellerie, sondern hauptsächlich die Nebenwohnsitze. Ein weiterer Beweis für ihn, dass ein Übermaß an Nebenwohnsitzen die „völlig falsche Entwicklung“ sei: „Das ist nicht Tourismus, das ist Egoismus. Wenn mehr als die Hälfte in einem Ort Nebenwohnsitze sind, braucht man sich nicht wundern, dass ein Lockdown nicht greift.“
Gesetze umgehen
Wenn ein Eigentümer den Nebenwohnsitz bestätigt, sei es schwierig das zu widerlegen, erklärt Bezirkshauptmann Christian Sulzbacher. Es sei erstaunlich, wie viel Energie aufgewendet wird, die Gesetze zu umgehen. Wozu müsse ein Geschäftsreisender die ganze Familie samt Skiausrüstung mitnehmen? Warum könne man nicht in der Nähe des betreuungsbedürftigen Verwandten wohnen, sondern muss sich ein Chalet in der Nähe der Piste mieten? Der kurioseste Versuch war wohl von einem Ruderclub aus Polen, welcher behauptete, ein Trainingslager in Schladming machen zu wollen. „Strafverfahren werden beinhart bekämpft und viele der Beschuldigten leisten sich einen Anwalt, der den Winterurlaub noch zusätzlich verteuert.“ Es scheint, als habe man keine anderen Sorgen und die Bestimmungen gebe es nur, um die Leute zu ärgern. Dieses Verhalten stößt beim Bezirkshauptmann auf Unverständnis: „Würde man nur halb so viel darauf achten sich nicht anzustecken, wäre die Energie besser investiert.“