Tote Kälber durch Hundekot

Viele Gemeinden haben Spender an stark frequentierten Spazierwegen errichtet. Die befüllten Sackerl müssen jedoch im nächsten Mülleimer und nicht auf der Wiese landen. Foto: Pixabay

Hundekot kann bei Kühen zu Fehlgeburten führen, wie Vorfälle im Bezirk Liezen bestätigen. Besonders an stark frequentierten Wanderwegen werden Hunde, die nicht an der Leine geführt werden, mehr und mehr zum Problem.
Beim Spazierengehen ist es meist eine unangenehme Überraschung: Hundekot am Schuh. Nun sind vor einigen Jahren die Hundekotsackerl populär geworden. Speziell an Spazierwegen findet man Spender, die von vielen Hundebesitzern gut und gerne genutzt werden. Oft wird allerdings vergessen, dass nicht nur Gehwege sauber gehalten werden müssen. Was für Fußgänger eine ärgerliche, unappetitliche Verschmutzung ist, kann bei Nutztieren empfindlichen Schaden anrichten. Ein Gramm Hundekot beinhaltet Millionen von Bakterien und im Gegensatz zu den Ausscheidungen von Kühen und Wildtieren kann das gefährlich werden. Fleischfresser müssen von Pflanzenfressern unterschieden werden. „Es ist nicht egal, wenn Hundekot liegengelassen wird, in der Annahme er würde ohnehin verrotten. Hundekot ist kein Dünger, und kann bei Kühen zu Fehlgeburten führen. Besonders an stark frequentierten Wanderwegen wird es mehr und mehr zum Problem. Deswegen appellieren wir immer wieder an die Hundebesitzer, Wege und Wiesen sauber zu halten“, sagt Kammerobmann Peter Kettner. Ein Großteil nehme es auch ernst, ein paar schwarze Schafe seien aber immer dabei. „Wir möchten da niemandem einen Vorwurf machen. Viele wissen vermutlich gar nicht, welche Auswirkungen das haben kann“, so Kettner. Auch wenn der Kot nach ein bis zwei Regenfällen kaum mehr zu sehen ist, oder im Winter vom Schnee verdeckt wird, die Erreger können bis zu zwei Jahre überleben.
Wirtschaftlicher Schaden
Infektiöser Hundekot könne Fruchtbarkeitsprobleme und Fehlgeburten bei Nutztieren verursachen, sagt Amtstierarzt Wilfried Laubichler: „Grund dafür ist der Parasit Neospora caninum. Der Hund kann zwar mit dem Einzeller leben, für Wiederkäuer stellt er allerdings ein Problem dar. Er kann lebensschwache Kälber hervorrufen und bis zum Abortus führen. Durch die Zeitspanne des fehlenden Kalbes und der fehlenden Milchleistung, kommt es zu großen wirtschaftlichen Verlusten für die Landwirte.“ Ein weiterer Parasit sei der Hundebandwurm, wo die Aufnahme von dessen Eiern die Untauglichkeit des Fleisches als Lebensmittel zur Folge hat. „Da die verschiedenen Krankheitserreger und Parasiten beim Hund kaum Symptome hervorrufen, ist es für den Hundebesitzer auch nur sehr schwer ersichtlich, dass er mit dem Gassigehen und Herumtollen in der Futterquelle Wiese einen Schaden anrichtet.“
Kopfschmerzen für Almbauern
Doch nicht nur auf Weiden neben Spazierwegen sind die Kühe dem Risiko ausgesetzt. Hundekot wird auch auf der Alm zunehmend zu einem Problem. Gerade im heurigen Jahr verschlägt es noch mehr Menschen zur Erholung in luftige Höhen und viele Wanderer werden von ihren vierbeinigen Freunden begleitet. Das freut natürlich bewirtschaftete Hütten, bei Almbauern löst es teilweise Kopfschmerzen aus. „Leider wissen manche nicht, wie wichtig das Einsammeln der Exkremente auf der Alm ist. Wir haben heuer schon drei Kälber aufgrund von Neosporose verloren“, klagt ein betroffener Almbauer. Er selbst sei sogar ein Hundefreund und verstehe die Wichtigkeit des Tourismus für die Region, die Sensibilisierung der Hundehalter sei ihm jedoch zum Schutz der Weidetiere ein besonderes Anliegen. Hochwertige Nahrungsmittel lassen sich nur mit sauberen Futtermitteln erzeugen. Das Wegräumen gehört nicht nur zum guten Ton, sondern Hundehalter sind auch gesetzlich verpflichtet, die Exkremente des Hundes zu entsorgen. Dabei reicht es natürlich nicht, den Kot ins Sackerl zu geben und an Ort und Stelle liegen zu lassen. Laut Steiermärkischem Landessicherheitsgesetz haben Tierhalter Sorge zu tragen, dass öffentlich zugängliche Bereiche nicht verunreinigt werden.