Stiftsmuseum Admont präsentiert zwei Sonderausstellungen

230 Exponate von 46 Leihgebern bieten eine ausdrucksstarke Begegnung mit der Kunst und Kultur des Mittelalters im Übergang zur Frühen Neuzeit. Foto: Thomas Sattler

Österreichs wohl kontrastreichstes Privatmuseum punktet heuer mit gleich zwei Sonderausstellungen: „WIR FRIEDRICH III. & MAXIMILIAN I. – Ihre Welt und ihre Zeit“ und „Verortungen – MADE FOR ADMONT #fotografie“ können in Admonts Stiftsmuseum besichtigt werden.

„Wir sind stolz, dass diese besondere Ausstellung ,WIR FRIEDRICH III. & MAXIMILIAN I. – Ihre Welt und ihre Zeit‘ nun endlich präsentiert werden kann, nachdem sie Corona-bedingt vom Vorjahr auf heuer verschoben werden musste“, sagt Stift Admonts Abt Gerhard Hafner.

In jahrelanger Vorarbeit ist es gelungen, 230 Exponate von 46 Leihgebern aus Österreich, Deutschland, Südtirol und Liechtenstein im Stiftsmuseum Admont zu einer Ausstellung zu vereinen, die ein Raum-Zeit-Gefüge rund um die zwei bedeutenden Habsburger Persönlichkeiten Fried­rich III. und Maximilian I. bildet. „Es war uns wichtig, auch neue Exponate in Archiven zu entdecken und ans Licht zu bringen“, sagt Kuratorin und Projektleiterin Barbara Eisner über die Spurensuche zur Ausstellungsvorbereitung, die sie durch halb Europa geführt hat. Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich um Originale, die die beiden Habsburger von der Wiege bis zur Bahre in ihrem Umfeld als Vater und Sohn erleben lassen. „Die Exponate haben so einiges in ihrem Dasein durch die Jahrhunderte zu erzählen. Sie sprechen zu uns, so auch im umfangreichen Katalog zur Sonderausstellung, der Beiträge von 50 Autorinnen und Autoren enthält“, sagt Eisner.

Royale Präsenz

auf zwei Stockwerken

Die Sonderausstellung 2021 „WIR FRIEDRICH III. & MAXIMILIAN I. – Ihre Welt und ihre Zeit“ bildet eine hochkarätige Erweiterung und Vertiefung der Dauerausstellung „Dem Himmel nahe“, die im Jahr 2017 durch die Schenkung des bedeutenden Kunstsammlers Kuno Mayer im Admonter Stiftsmuseum umgesetzt werden konnte. Die Präsentation im Erdgeschoß besteht aus einer Folge von drei Ausstellungsräumen, die auf den thronenden Kaiser Friedrich III. zuführen. Zuvor werden die Besucher mit jenen Ereignissen konfrontiert, die den Aufstieg Friedrichs und Maximilians erst ermöglichten. Zahlreiche Portraits zeigen die imperiale Würde, die beide Kaiserpersönlichkeiten zu demonstrieren wussten. Wie sehr Turniere, Krieg und Frieden diese Epoche prägten, wird durch die ausgestellten Waffen und Rüstungen ersichtlich. Ebenso beleuchtet wird die Darstellung des Alltags, der Jagd sowie der Wohn- und Esskultur.

Der zweite Bereich der Sonderausstellung im ersten Stockwerk verleiht Einblicke in ausgestellte Bücher durch die Darstellung auf Monitoren und zeigt neben bedeutenden Urkunden weitere Highlights, wie das Originaltestament von Kaiser Maximilian I. sowie eine blätterbare Version des Wappenbuches vom Orden des Goldenen Vlieses.

In Admont verortet

Die neue Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst ist der „Made for Admont“-Fotokunst gewidmet. Kein Wunder also, dass sie den Titel „Verortungen“ trägt, denn jede der gezeigten Fotografien hat einen engen Bezug zu Admont und dem Benediktinerstift. Die Idee zu „Made for Admont“ wurde im Jahr 2000 durch Einladung des damals „Modernsten Malers Österreichs“, Lois Renner, geboren. Er war der erste Artist in residence. Kurz davor, 1997, hat das Stiftsmuseum mit dem Aufbau seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst begonnen. Sieben Jahre später, 2002, war Erwin Wurm bereits zu Gast in Admont, wo er seinen „One minute sculptures“ einen Bezug zum Benediktinerstift verlieh. So wie Erwin Wurm wurden im Laufe der Jahre zahlreiche Künstler/innen beauftragt, „Made for Admont“-Werke zu erschaffen. „Natürlich hätten wir auch einfach bereits vorhandene Exponate kaufen können. Doch uns war es wichtig, authentisch zu bleiben und Kunst zu zeigen, die hier in Admont ihren Ursprung findet“, sagt Michael Braunsteiner.

Der Künstlerische Leiter des Stiftsmuseums hat in diesem Jahr eine Ausstellung geformt, die ausschließlich „Made for Admont“-Fotografien in der Abteilung für Gegenwartskunst zeigt. Neben Erwin Wurms „One minute sculptures“ sind unter den zwölf gezeigten künstlerischen Positionen viele weitere Highlights zu sehen, darunter Werke von Fabio Zolly aus der Spezialsammlung „Jenseits des Sehens – Kunst verbindet Blinde und Sehende“, die ebenso in Admont konzipiert und erstmals 2012 im Stiftsmuseum gezeigt wurde. Schon im Folgejahr ging diese Spezialsammlung als Leihgabe nach Moskau in das „Zentrum Zeitgenössischer Kunst Winzavod“.

Die Ausstellung „VERORTUNGEN – MADE FOR ADMONT #fotografie“ bietet auch eine gute Gelegenheit, die vergangenen zwei Jahrzehnte Revue passieren zu lassen, sagt Braunsteiner: „Unser neu eingeschlagener Weg, in unserem Museum aktuelle Kunst mit alter Kunst in einen spannungsreichen Dialog zu bringen, hat uns auch den Österreichischen Museumspreis 2005 eingebracht.“

Erweiterung cultour.digital

Nicht nur vor Ort, sondern auch digital kann das museale Angebot des Stiftsmuseums punkten. Im Dezember des Vorjahrs präsentierte das Benediktinerstift die Plattform cultour.digital, die das Angebot einzelner Kulturinstitutionen zu einem gemeinsamen digitalen Gesamtpaket vereint. Ein halbes Jahr später arbeite man bereits an einer Weiterentwicklung der Plattform für Kulturinteressierte, wie Mario Brandmüller, Leiter der Abteilungen für Tourismus und Kultur, erklärt: „Neben unserem musealen Angebot im Gotik-Museum, der Sammlung Mayer, die digitalisiert und auf die Plattform gestellt wurde, planen wir eine Erweiterungen der Digitalisierung der Stiftsbibliothek“, so Brandmüller, der betont: „Auch das Naturhistorische Museum wird mit vielen neuen Inhalten bestückt. Das Ganze wollen wir auch digital interessant gestalten.“