Spiel mit dem Feuer

Die unübersichtliche Lage an der ukrainisch-russischen Grenze sorgt weiter für Verunsicherung. Weit über hunderttausend russische Soldaten halten sich dort auf und die Gefahr eines Einmarsches ist allgegenwärtig. Ein wirklicher Grund dafür ist freilich nicht auszumachen. Weder die NATO noch die Ukraine haben in letzter Zeit nennenswerte Veränderungen durchgemacht, und von der behaupteten NATO-Osterweiterung kann keine Rede sein. Aber auch bei der Annexion der Krim vor einigen Jahren gab es nicht wirklich einen Anlassfall.

Wie schon oft in der Geschichte wird durch die Inszenierung eines Außenfeindes gerne von internen Problemen abgelenkt. Immerhin gibt es in einigen ehemaligen Sowjetrepubliken wie Belarus oder Kasachstan massive Widerstände gegen die dortigen russlandfreundlichen Regime. Und ein Übergreifen solcher Tendenzen auf Russland möchte Putin schon im Keim ersticken.

Andererseits spielt die aktuelle Entwicklung Russland gerade in die Hände. Allein durch die explodierenden Gaspreise ist die Staatskasse prall gefüllt, was Putin alle Möglichkeiten gibt, sein Volk bei Laune zu halten. Gleichzeitig ist Europa vom russischen Gas abhängiger als je zuvor und dieser Trend wird sich mit jedem abgeschalteten Kraftwerk weiter verstärken. Eigentlich keine Zeit, um einen unnötigen Krieg vom Zaun zu brechen. Aber auch wenn sachlich wenig für einen russischen Einmarsch spricht, ist die aktuelle Situation ein Spiel mit dem Feuer. Und dabei kann man sich eben verbrennen.